Ausstellung „heimat.nrw“ im Museum Zinkhütter Hof eröffnet

Von: Rolf Hohl
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Freuten sich bei der Eröffnung, dass die Ausstellung „heimat.nrw“ bis Ende Februar in Stolberg zu sehen ist: Harry Voigtsberger, Präsident der NRW-Stiftung (v.l.), Moderator Michael Köhler, Horst Wackerbarth, Bürgermeister Tim Grüttemeier und Staatssekretär Wilhelm Schäffer. Foto: R. Hohl

Stolberg. Wo der Fotograf Horst Wackerbarth hingeht, ist auch seine rote Couch nicht weit. Nicht etwa, weil er schnell müde wird und eine Sitzgelegenheit bräuchte, sondern weil es die Menschen auf Augenhöhe bringt, wie er sagt.

Für sein neuestes Projekt „heimat.nrw“ ist er ein Jahr lang quer durch Nordrhein-Westfalen gereist und hat dessen Bewohner auf dem inzwischen berühmten Sofa portraitiert. Das Resultat ist nun in einer Ausstellung im Museum Zinkhütter Hof zu sehen, die am Sonntag eröffnet wurde.

Auf seinem Streifzug ist Wackerbarth nicht nur auf die schönen Seiten des Bundeslandes gestoßen. Viele seiner Bilder erzählen vom Niedergang der Stahlindustrie und des Bergbaus im Ruhrgebiet. Und ebenso oft dokumentierte er die Spuren von ideologischer Verblendung und Krieg, die in fast allen Regionen Nordrhein-Westfalens noch immer sichtbar sind. Im Vordergrund stehen aber die Menschen, die jetzt in dieser Umgebung leben, und deren Geschichte untrennbar mit jener ihrer Heimat verbunden bleibt.

Da sitzt etwa Paul Thewellis aus Düren vor seinem einstigen Elternhaus auf der Couch, dem heutigen Leopold-Hoesch-Museum, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Viele schöne Orte habe er in diesem Jahr gesehen, resümierte Wackerbarth am Sonntag in Stolberg, „aber teilweise war es grauenhaft, diese Zersiedelung und Monokultur, die man mancherorts sieht“. Und er kritisierte, dass sich selbst gebildete Leute zusehends wieder nationalistischer Sprache und Äußerungen bedienten.

Auf jene Zeitgenossen, in deren Gesinnung nationalistisches Gedankengut oder gar Rassismus noch immer auf fruchtbaren Boden treffen, müssen manche Bilder von Wackerbarth wie eine Provokation wirken. Wenn sich beispielsweise eine Gruppe von Migrantenkindern um das Fackelträger-Denkmal der Burg Vogelsang versammelt. Oder wenn es sich Mitglieder der hinduistischen Gemeinde auf einem Feld in Hamm auf dem Sofa gemütlich machen, eingerahmt von einer Fleischfabrik und einem Kohlekraftwerk. „Ich versuche in dieser furchtbaren Welt immer ein wenig positive Akzente zu setzen“, sagte der Fotograf.

Migration und Inklusion in die Gesellschaft sind zwei der großen Themen, die sich wie die Couch durch seine Arbeit ziehen – immer vor anderem Hintergrund. Für die NRW-Stiftung, die die Ausstellung in Stolberg ermöglicht hat, seien dies ebenfalls wichtige Anliegen, betonte deren Präsident Harry Voigtsberger. „Wir haben unsere Satzung um die Bereiche Integration und Inklusion erweitert, weil das mit der Zeit immer wichtiger geworden ist. Heute ist etwa Barrierefreiheit bei Ausstellungen eine Selbstverständlichkeit.“

Die NRW-Stiftung hat seit ihrer Gründung 1986 rund 2700 Kultur- und Naturprojekte unterstützt – mit bislang über 270 Millionen Euro. Auch Staatssekretär Wilhelm Schäffer vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium zeigte sich erfreut über deren Wirken. „Die Ausstellungen in der Burg Frankenberg in Aachen oder im Jülicher Brückenkopfpark gäbe es nicht ohne das bürgerschaftliche Engagement und die Unterstützung der Stiftung.“

Die Exposition mit den Bildern von Horst Wackerbarth ist nun das jüngste Projekt. Sie ist noch bis zum 28. Februar im Museum Zinkhütter Hof zu den üblichen Öffnungszeiten sehen.

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