Ausstellung: Gedenken für immer aufrechterhalten

Von: Dirk Müller
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Die Ausstellung im Rathausfoyer erinnert an die ermordeten Stolberger Familien Salomon und Zinander, für die am Freitag Stolpersteine im Steinweg verlegt werden. Foto: D. Müller

Stolberg. Sie wurden nur fünf und zwölf Jahre alt. Die Stolberger Kinder Regina Zinander und Hannelore Salomon wurden verschleppt und ermordet. Horst Salomon gelang die Flucht aus Stolberg in die Niederlande, doch im Oktober 1943 wurde auch er von den Nazis deportiert, und der 14-Jährige wurde 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Es sind die jüngsten Opfer der Stolberger Familien Zinander und Salomon, Ida, Isidor, Siegmund und Ignatz Zinander wurden ebenfalls umgebracht, Jette, Aaron und Alfred Salomon auch ermordet. An diese Stolberger Menschen und ihr furchtbares Schicksal erinnert eine Ausstellung im Foyer des Rathauses.

Als Vorbereitung für die Verlegung der Stolpersteine, die am Freitag, 18. Dezember, vor den Häusern Steinweg 56 und 57 verlegt werden (siehe Infokasten), um das Gedenken an die jüdischen Familien aufrechtzuerhalten. „Das Gedenken bekommt ein Gesicht durch diese Ausstellung der Jugendwerkstatt“, und „wir sind für diese Dokumentation dankbar“, sagte Ralf Dallmann bei der Ausstellungseröffnung.

Wie Karen Lange-Rehberg gehört er der Stolberger „Gruppe Z – Für eine Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg; gegen das Vergessen“ an, die mit Unterstützung von privaten Sponsoren und der Kupferstadt Stolberg die Verlegung der Stolpersteine realisiert hat.

Und bei den jeweils sechs Stolpersteinen für die Familien Salomon und Zinander soll es nicht bleiben erklärte Lange-Rehberg: „Es gibt noch eine Reihe ehemalige Stolberger Mitbürger und ihre Kinder, die zu unschuldigen Opfern wurden, und deren grausame Ermordung wir in Erinnerung halten wollen.“ Auch Lange-Rehberg dankte der Jugendwerkstatt der Jugendberufshilfe Stolberg und der Projektleiterin Katja Knospe für die Ausstellung im Rathaus, und Holger Vanicek, 2. Vorsitzender des Vereins Jugendberufshilfe, betonte seinerseits, die Kupferstadt könne stolz auf die „Gruppe Z“ sein, die sich unablässig für das friedliche Miteinander engagiere.

Zu den Verbrechen in Nazi-Deutschland meinte Vanicek: „Je mehr wir uns zeitlich vom Holocaust entfernen, umso abstrakter erscheinen die Geschehnisse. Doch mit jeder fremdenfeindlichen Tat oder schon mit jeder menschenverachtenden Äußerung heute, nimmt die Vorstellung wieder konkrete Gestalten an“. Bei dem Gedenken an die Opfer der Nazis gehe es also um viel mehr als nur um Vergangenheitsbewältigung. „Es geht darum, auch heute noch klar Stellung zu beziehen.“ Gedanken, die auch Bürgermeister Tim Grüttemeier aufgriff: Es gehöre zum Selbstverständnis der Bundesrepublik, „dass wir nichts entschuldigen, nichts wegdiskutieren und nichts beschönigen“.

Grüttemeier sagte: „Wir müssen feststellen, dass die nationalsozialistische Zeit mit ihren Verbrechen für viele jüngere Menschen heute in einer nicht mehr ganz greifbaren Vergangenheit liegt.“ Daher sei die Erinnerung daran umso wichtiger, damit „sich die damals im deutschen Namen verübten Verbrechen niemals wiederholen. Was geschehen ist, passierte nicht im Fernsehen. Es war auch hier die schreckliche Realität, nur wenige Meter von diesem Rathaus entfernt.“

Der Bürgermeister verwies darauf, dass auch heute wieder viele Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Terror, Verfolgung und Krieg seien. „Viele suchen heute Hilfe und Schutz hier bei uns in Stolberg. Die Schicksale der Familien Salomon und Zinander, derer wir in dieser Woche besonders gedenken, erinnern uns daran, welche Folgen nicht nur der Hass, sondern auch unterbliebene Hilfe haben kann.“

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