„Außer Kontrolle“: Verwicklungen um eine Leiche am Fenster

Von: Leona Otte
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It`s time to say good bye: Kurz vor Schluss wird es Zeit sich voneinander zu verabschieden. Privatdetektiv Jack Baker (Marco Heil) steht mittlerweile unter Tabletten, damit er sich nicht doch noch verplappert. Foto: L. Otte
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Viele Lacher: Das Publikum amüsiert sich am Wochenende fabelhaft bei Ray Cooneys Komödie „Außer Kontrolle“, auf die Bühne gebracht von den Spielfreunden 2010.

Stolberg. Und rums! Das mordslustige Fenster aus dem Theaterstück „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney schnappte jetzt wieder gleich mehrmals zu. Nach einer erfolgreichen Premiere im März brachten die Spielfreunde 2010 unter der Regie von Stefanie Otten die Komödie jetzt im Burghoftheater auf die Bühne – und übertrafen sich diesmal in punkto schauspielerischer Qualität und Unterhaltungswert wirklich selbst.

Jack Baker, gespielt von Marco Heil, machte das guillotineartige Fenster in der Suite 648 des Westminster-Hotels zum ersten Opfer. Völlig benommen erwacht der Privatdetektiv, nachdem er dem Anschein nach für tot gehalten wurde, aus seiner Ohnmacht. Seine Erinnerung an das, was sich zuvor zugetragen hat: gelöscht.

Was sich in der Zwischenzeit alles abgespielt hat? Fehlanzeige. Daher ganz von vorn… Im Grunde sollte es eine heiße Nacht zwischen Staatsminister Richard Willey (Michael Straten) und der attraktiven Sekretärin der Opposition, Jane Worthington (Julia Heinen), werden. Zwischen den Charakteren knistert es anfangs gewaltig. Romantische Musik und gedämmtes Licht erfüllen die Suite, Champagner, Kaviar und Austern stehen auch schon bereit.

Blick auf die Stadt

Doch als Jane Worthington die Vorhänge am Fenster beiseite schiebt, um einen Blick auf die Stadt zu werfen, durchfährt sie plötzlich ein bis ins Mark erschütternder Schrei. Vor ihr, inmitten der Fensterläden eingeklemmt, liegt eine Leiche.

Das Dilemma beginnt: „Für mich ist es immer aufregend auf der Bühne zu stehen und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Mit der Zeit wächst man nicht nur in diese Rolle hinein, sondern wächst auch an ihr“, betont Schauspielerin Julia Heinen.

Auch im richtigen Leben hat die junge Frau, als Theaterpädagogin und Erzieherin, ihr Herz an das Theater verloren. Das bereichere sie, sagt sie – genauso wie die Zusammenarbeit mit den Spielfreuden, jedes Mal aufs Neue. Die Chemie auf der Bühne stimmt wahrhaftig, das spüren auch die Zuschauer.

Aufruhr entsteht, als Mr. Willey die Ernsthaftigkeit der Situation registriert. Was wäre das für ein Skandal? „Staatsminister bei Sexorgie mit Leiche und Sekretärin erwischt!“, undenkbar findet der Minister, wo doch seine Ehe und die Zukunft der Regierung gleichermaßen auf dem Spiel stehen.

Die Leiche muss weg

Was also tun? Es gibt nur eine logische Schlussfolgerung: Die Leiche muss fort! Was sich im ersten Moment so einfach anhört, erweist sich in der Praxis als regelrechte Tortur. Fieberhaft versucht Richard Willey, von dem selbst Jack the Ripper noch etwas lernen könnte, einen kühlen Kopf zu bewahren, um die Situation zu meistern.

Nicht so einfach, wenn die ganze Zeit die geldverliebte Servicekraft (Brigitte Keldenich-Bergstein) oder gar die Hoteldirektorin (Katharina Hugot) dazwischenfunken. Am Ende ist es schließlich der liebenswerte Privatsekretär des Ministers, George Picton (Bernhard Bienemann), der den Karren aus dem Dreck ziehen muss: „Ich bin ja sozusagen der Ärmste in der Geschichte, auf dem immer herumgekackt wird“, äußert Bienemann über seine Charaktere.

Dass sich später eben genau dieser Charakter als Gewinner und Frauenheld entpuppen wird, ahnen die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch eines ist klar, George Picton kommt mit seiner „herrlich englischen Art“ unheimlich gut an: „Wenn die Leute so mitgehen und sich kugeln vor Lachen, dann müssen wir echt aufpassen, dass wir nicht selbst mitlachen“, gesteht der Schauspieler ein und grinst.

Derweil geht es auf der Bühne drunter und drüber. Zu alledem tauchen jetzt auch noch Jane Worthingtons Ehemann Ronnie (Thomas Häusler), Schwester Foster (Susanne Hermann), die heimliche Verehrerin von George Picton sowie Mrs. Pamela Willey (Anne Papenfuß) höchst persönlich auf. Als dann der für tot befundene Privatdetektiv, Jack Baker, plötzlich wieder aufersteht und die Intrigen mit seinem zunehmenden Erinnerungsvermögen aufzufliegen drohen, gerät die Situation vollends außer Kontrolle.

Das Publikum zeigt sich überwältigt: „So gelacht habe ich schon lange nicht mehr“, sagt eine Frau später beim Rausgehen, und auch Janna und Lilly Bortsch hat es außerordentlich gut gefallen: „Die Geschichte war richtig abwechslungsreich“, findet Janna (14), und ihre Schwerster Lilly (17) ergänzt: „Die Schauspieler haben das super gemacht und sind sehr authentisch geblieben.

Vor allem mit dem Überraschungsende hätte ich nicht gerechnet.“ Wie dieses nun aussieht, bleibt weiterhin ein Geheimnis der Bühne. Zumindest solange, bis Techniker Frank Schmitz für die Spielfreunde 2010 in Stolberg das Licht abermals aus- und den Spot wieder anschaltet.

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