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Aushilfsstellen bleiben heute oft unbesetzt

Von: Lukas Franzen
Letzte Aktualisierung:
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Schüler und Hausfrauen machen einen Großteil der Aushilfen in dem E-Center von Ender Cevik aus. Über ein Drittel der Belegschaft ist hier geringfügig beschäftigt.
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Keine Seltenheit in der Innenstadt: „Minijob“-Angebote von Stolberger Unternehmen.

Stolberg. „Aushilfe gesucht!“ Wer aufmerksam die Stadt von der Mühle bis zur Altstadt hinauf schlendert, der bemerkt zwischen den zahlreichen „zu vermieten“-Schildern der leer stehenden Ladenlokale noch ganz andere Hinweise in den Schaufenstern.

Mindestens fünf Einzelhändler in der Innenstadt – dies ergab eine Stichprobe in der letzten Woche – nutzen demnach ihre Ausstellungsflächen nicht nur für Produktwerbung, sondern diese auch als wohl kostengünstigste Möglichkeit auf freie Stellen, meist „Minijobs“, aufmerksam zu machen. Ob Becker, Metzger oder Küchenhilfe, alleine im Steinweg springen gleich drei Stellenofferten Stolberger Gewerbetreibender ins Auge – und das auf weniger als 100 Metern. Zufall oder Trend?

Auswahl im Internet

Die digitale Suche bei der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit scheint den Eindruck zu bestätigen, dass Hilfskräfte in Kupferstadt branchenübergreifend gesucht werden. Insgesamt 30 Suchergebnisse weist das Portal in den Kategorien „Stellen für Helfer“ und „Geringfügige Beschäftigung / Minijobs“ im Stadtgebiet aus. Die Art der Tätigkeit reicht dabei vom Produktionshelfer bis zum Pizzaboten, vom Bäcker bis zur Bürokraft, von Reinigungskräften und Hausmeisterservice bis zur Lernhilfe.

Ümran Gümüs, Filialleiterin der Parfümerie Becker, hätte in der Weihnachtszeit durchaus noch zwei weitere Aushilfen einstellen können. Während sie mit ihren Kolleginnen nachmittags vor allem auf den Einsatz von Schülerinnen bauen konnte, war sie morgens auf erwachsene Einpackhilfen angewiesen. Sie fand jedoch nur eine einzige Hilfskraft für diesen Zeitraum – zu wenig im Schlusssport des Weihnachtsgeschäfts.

„Eigentlich hätten wir uns ganz auf die Bedienung und Beratung konzentrieren müssen“, erklärt die junge Filialleiterin. Weil jedoch zu wenig Hilfskräfte zur Verfügung standen, hätten die Waren für die Kundschaft immer wieder zurückgelegt werden müssen. Ältere Mitarbeiterinnen seien einfach schwieriger zu finden, so Gümüs. Vielleicht liege das auch am Stundenlohn, der mit 5,50 Euro nicht gerade üppig ausfalle, gesteht sie ein.

Öffnungszeiten geändert

Ganz andere Dimensionen hat die erfolglose Suche nach Mitarbeitern indes bei dem Büsbacher Friseur Roland Lausberg angenommen. Keine Aushilfe, sondern eine Vollzeit- oder Teilzeitkraft, suchen seine Frau und er seit zweieinhalb Jahren vergebens für ihren Salon. An Bewerbungen, die über die Bundesagentur für Arbeit eingehen, mangelt es nach eigener Aussage nicht. Fehlende Qualität sowie mangelhafte Fachkenntnisse seien viel mehr ein Problem. „Und das trotz Gesellenbrief“, ist Roland Lausberg frustriert. „Weit über 200 Bewerbungen haben uns inzwischen erreicht“, erzählt der Friseurmeister – aber dennoch kein passendes Personal gefunden. Nun hat die Familie reagiert und vorerst die Notbremse gezogen: „Um den Betrieb weiter aufrecht erhalten zu können, werden wir samstags unseren Salon nicht mehr öffnen.“

Jasminka Zudru, Mitarbeiterin der Videothek „World of Video“, führt den Mangel an geeignetem Personal indes auf fehlende Disziplin und Unzuverlässigkeit potenzieller Kolleginnen und Kollegen zurück. „Viele Leute kommen ein- oder zweimal. Danach haben sie einfach keine Lust mehr“, klagt die alleinerziehende Mutter, die seit zwei Monaten in der Videothek tätig ist. Gleich mehrere Zettel im Eingangsbereich und an der Kasse weisen Passanten wie Kunden seit einer Woche auf die vakante Aushilfsstelle auf 450-Euro-Basis hin. Resonanz? Negativ. Kollegialität, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein seien wichtig, meint Zudru, das Alter hingegen unerheblich. „Die jüngste Kollegin bei uns ist 19, der älteste 45. Man sollte einfach Zeit mitbringen und arbeiten wollen.“

Ender Cevik betreibt auf dem Münsterbusch einen großen Edeka-Markt mit 97 Mitarbeitern. 35 bis 40 Personen, also über ein Drittel seiner Arbeitskräfte, sind geringfügig Beschäftige und haben somit den Status einer Aushilfe. „Für uns sind diese Hilfskräfte sehr wichtig. Sie werden in allen Bereichen unseres Marktes beschäftigt“, erzählt Cevik. Über fehlende Bewerbungen kann er sich nicht beklagen. Im Gegenteil. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich mittlerweile die Bewerbungsmappen für geringfügige Beschäftigungen.

„Wir planen meist langfristig mit unseren Aushilfen, mindestens für ein Jahr“, betont der Supermarktbetreiber. „Nicht selten bewerben sich Schüler aber mit dem Argument, dass sie dringend Geld brauchten und kündigen dann nach zwei Monaten wieder, wenn der Führerschein finanziert ist. Das ist sehr schade.“ Die Konsequenz: Eine hohe Fluktuation bei seinem Personal.

Ceviks Mitarbeiter Sven Lohse und Andrea Meisler zählen zu jenen Aushilfen, die laut aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit die Mehrheit, nämlich 70 Prozent, unter den geringfügig Beschäftigten in der Städteregion bilden. Sie gehen ausschließlich dieser einen Tätigkeit nach, während das andere Drittel der über 61.000 nichtsozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse als Nebenjobs fungieren. Beide schätzen die flexiblen Arbeitszeiten in dem Großmarkt und passen dabei genau in die Zielgruppe des Unternehmers: Hausfrauen und Schüler.

„Ich passe vormittags auf mein Enkelkind auf. Nachmittags verdiene ich mir hier noch ein wenig dazu“, erzählt die 48-jährige Andrea Meisler, seit neun Jahren in dem Supermarkt tätig. Sven Lohse ist hingegen erst seit einem halben Jahr dort beschäftigt und noch Schüler. Der 24-Jährige holt nach abgebrochener Ausbildung sein Abitur nach, um anschließend noch studieren zu können. „Bei zwölf Stunden Arbeitszeit in der Woche bleibt noch genügend Zeit für die Schule und ich kann damit meine Wohnung finanzieren“, ist der gebürtige Stolberger froh, nach längerer Wartezeit endlich eine passende Beschäftigung gefunden zu haben.

Eigeninitiative hilfreich

Klaus Jeske, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit in der Region gibt Menschen, deren Suche bis dato noch nicht gefruchtet hat, vor allem einen Tipp mit auf den Weg: „Eigeninitiative ist bei der Suche nach einer Aushilfsstelle meist erfolgreich. Wer sich direkt an die Unternehmen wendet, hat bessere Chancen.“ Mit Blick auf die freien Stellen in der Innenstadt erscheint diese Einschätzung durchaus zutreffend.

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