Stolberg - Ausbildung: Noch Jobs zum anpacken frei

Ausbildung: Noch Jobs zum anpacken frei

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Zum Anpacken: Gute Perspektiven bieten handwerkliche und gewerbliche Berufe. Die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften gestaltet sich jedoch schwierig. Foto: Imago

Stolberg. Entspannte Lage melden die Kammern, und entspannte Lage melden auch die Stolberger Betriebe, zumindest die meisten. Anders als in vergangenen Jahren stehen die Chancen von jungen Leuten auf einen Ausbildungsplatz bestens, heißt es zum Beispiel bei der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), und auch die Handwerkskammer Aachen (HWK) sieht aufgrund verschiedener Maßnahmen gute Möglichkeiten für Jugendliche eine „Karriere mit Lehre” zu starten.

Knapp 200 offene Ausbildungsplätze verzeichnete die Lehrstellenbörse der Kammer Anfang August noch im Bezirk.

In Stolberg wird es dagegen langsam knapp. Nur noch gut eine Handvoll Lehrstellen hat die HWK hier gelistet. Beispiel Einzelhandel: „Wir bekommen mehr qualifizierte Bewerbungen, als wir gebrauchen können”, sagt Georg Goffart, der in Stolberg zwei Rewe-Märkte betreibt. Sieben neue Azubis - Einzelhandelskaufleute sowie Fachverkäufer - bildet er in diesem Jahr aus, alle Stellen sind bereits besetzt. „Wir hatten keine Probleme, neue Auszubildende zu finden.”

Nicht untypisch

Das ist für den kaufmännischen Bereich nicht untypisch. Viele Jugendliche tendierten zu solchen Berufen, sagt Fritz Rötting, einer der Geschäftsführer und Sprecher der IHK. Bei gewerblichen Tätigkeiten dagegen, wo man „mit seiner Hände Arbeit” Geld verdienen muss, ginge das Interesse stetig zurück. Starke Unterschiede hat deshalb auch Dennis Ilic ausgemacht, der bei Leoni Kerpen mit für die Ausbildung zuständig ist. Problemlos sei in der Tat die Auswahl bei den kaufmännischen Berufen gewesen, stimmt er zu. „Das kamen super viele Bewerbungen rein, wir hatten die Qual der Wahl”, sagt Ilic.

Ganz anders sehe es dagegen in den gewerblichen, handwerklichen Berufen aus. „Es war schwer, geeignete Leute zu finden”, sagt Ilic, die Hälfte der Bewerber habe die Einstellungstests bei dem Kabelhersteller nicht bestanden. Dabei reiche zum Beispiel für die Ausbildung zum Maschinen- oder Anlagenführer ein guter Hauptschulabschluss, bei Industriemechanikern ist ein Realschulabschluss gute Eingangsvoraussetzung.

Genaue Zahlen zu Stolberg können weder die Industrie- und Handelskammer noch die Handwerkskammer nennen. „Wir sind gerade dabei, in den Betrieben nach freien Plätzen zu fragen”, sagt IHK-Sprecherin Karla Sponar und verweist auf die Ausbildungsbörse der Kammer, die noch einige freie Stellen vorhält. Und auch Elmar Brandt von der Handwerkskammer sagt, Jugendliche könnten auch jetzt noch etwas finden. Natürlich müsse man für einen Ausbildungsplatz auch mal über den Rand der eigenen Stadt hinausblicken.

Das tun auch die Schornsteinfeger. „Ich habe seit dem 1. August einen neuen Auszubildenden, den das Sozialwerk Aachener Christen empfohlen hat”, erklärt Michael Kutsch, der seit Jahresbeginn einen eigenen Betrieb leitet und zudem einen vom Vorgänger übernommenen Lehrling weiterbeschäftigt. Ein guter Hauptschulabschluss reiche auch hier, dennoch sei es schwerer geworden, geeignete Bewerber für das Handwerk zu finden: „Sagen wir es mal so: Meine Zeugnisse früher waren besser, als das, was ich heute so vorgelegt bekomme”, sagt Kutsch. Neben den Schulnoten in Mathe, Physik, Chemie und Deutsch interessieren den Schornsteinfegermeister aber vor allem gute Umgangsformen. „Da lege ich großen Wert drauf, meine Jungs können das alle.”

Das kann Karla Sponar nur zu gerne unterstreichen. Wer gewisse Regeln der Etikette einhalte, der verbessere seine Chancen auf einen Ausbildungsplatz enorm, sagt die IHK-Sprecherin. Ein Hinweis, den sich jeder Bewerber zu Herzen nehmen sollte.

Noch ausreichend offene Stellen für 2010

„Wir haben noch eine ganze Reihe offener Stellen für das Ausbildungsjahr 2010”, sagt Hildegard Vaßen von der Arbeitsagentur in Stolberg. Vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich und im Handwerk, bei Maurern, Tischlern, Schornsteinfegern oder Möbelbauern seien noch Ausbildungsplätze im Angebot. Auch zahnmedizinische Fachangestellte würden noch gesucht, genau wie Verkäuferinnen und Verkäufer im Lebensmittelbereich. Nicht mehr viele Chancen bestehen dagegen bei den kaufmännischen Berufen, da werden bei der Agentur jetzt schon die Stellen für das Jahr 2011 geführt.

Nicht immer leicht sei es, die Anforderungen der Arbeitgeber mit den Qualifikationen der jungen Leute zusammenzuführen. Deshalb weist Vaßen auf ausbildungsbegleitende Hilfen hin, die von der Arbeitsagentur angeboten und von Trägern ausgeführt werden. Diese ermöglichten es Arbeitgebern, auch schwächere Bewerber einzustellen. Vaßens Aufruf an Ausbildungssuchende: „Es lohnt sich noch, sich bei der Arbeitsagentur zu melden.”
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