Stolberg - Aus tierischem Spaß wird tödlicher Ernst

Aus tierischem Spaß wird tödlicher Ernst

Von: Heike Eisenmenger
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Der Notfall wird simuliert - und Filou hält still: Auch in der Praxis wird beim Erste-Hilfe-Kurs am Hund gezeigt, wie Frauchen und Herrchen ihrem Vierbeiner helfen können.

Stolberg. Von einer Sekunde auf die andere ist der Notfall da: Das Herz schlägt nicht mehr. Bei einem Menschen wissen die meisten, was zu tun ist. Doch wie verhält es sich, wenn der Notfall ein Vierbeiner ist? Wie soll eine Mund-zu-Mund-Beatmung beziehungsweise Mund-zu-Maul-Beatmung vonstatten gehen?

Die Vorstellung ist schon ein wenig merkwürdig, allein aus anatomischer Sicht. „Eine Reanimation beim Hund können Sie in der Regel vergessen. Bei einem Menschen kommt früher oder später der Rettungswagen, aber bei einem Hund ist das nicht der Fall”, erklärt Tierärztin Dr. Nadine Schmitz den Teilnehmern des „Erste-Hilfe-Kurses beim Hund”.

Jeder Hund ist willkommen

Eingeladen hat zu dem dreistündigen Seminar der Schäferhund-Verein (SV) Ortsgruppe Stolberg, dessen Übungsplatz versteckt an der Cockerillstraße liegt. Der Name bleibt zwar bestehen, aber die Ausrichtung ist eine andere, seitdem Anfang des Jahres der neue Vorstand gewählt wurde. „Wir wollen weg vom reinen Hundeschutz und hin zum Breitensport”, berichtet Vesna Werner, Vorsitzende des SV. „Wir wollen ein Verein für alle Hundebesitzer sein. Ob Rassehund oder Promenadenmischung ist völlig egal”, betont die Vorsitzende.

Spaß mit dem Hund zu haben, verschiedene Erziehungsmethoden vorzustellen, in der Gruppe dem Vierbeiner Sozialverhalten und Kommandos beizubringen, aber auch Gesundheitstipps zu vermitteln, sollen fortan das Vereinsleben prägen, fasst Schriftführerin Ulrike Tulka zusammen.

Das Erste-Hilfe-Seminar ist der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die künftig im Turnus angeboten werden. Mit 20 Zuhörern ist dieses erste Kursangebot gut besucht. Es gibt einiges, das Frauchen und Herrchen tun können, um im Notfall Bello helfen zu können.

So sollten ein Druckverband zum Standardausrüstung der Hausapotheke für den Hund gehören beziehungsweise im Auto griffbereit liegen, denn wie schnell ist es passiert, dass durch eine Beißerei oder Stacheldraht Blutgefäße verletzt werden.

Auch Vergiftungen sind ein Thema, das immer für Gesprächsstoff im Kreise von Hundebesitzern sorgt. Laut Dr. Schmitz sind Vergiftungen eher die Ausnahme. „Wenn aber tatsächlich eine Vergiftung vorliegt, ist die Situation meistens sehr ernst.” Bei einer Vergiftung ist die entscheidende Frage, um welches Toxin es sich handelt. Denn nur wenn das Gift bekannt ist, können optimale Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Ohnehin sei es schwierig, eine Vergiftung von einem Magen-Darm-Trakt-Infektion zu unterscheiden, da die Beschwerden ähnlich seien. „Gifte wirken völlig unterschiedlich. Je nachdem, um welches Toxin es sich handelt, ist der Hund apathisch oder aufgedreht und zittert. Es gibt nicht das eine Symptom”, stellt Schmitz klar. Hat der Hund Rattengift genommen, ist Vitamin K die Rettung. Vorausgesetzt, es handelt sich um Rattengift, das die Blutgerinnung hemmt.

Eine Notsituation, die häufiger bei Hunden auftritt, ist das Verdrehen des Magens. Es kann theoretisch schon beim Umhertollen geschehen, dass sich der Magen des Hundes verdreht. Mit dramatischen Folgen: Da die Gase, die durch die Zersetzungsprozesse entstehen, durch das Verdrehen weder durch den Anus noch durch das Maul entweichen können, schwillt der Bauch des Tieres immens an. Das bedeutet akute Lebensgefahr für den vierbeinigen Mitbewohner. „Wenn Sie auf den Bauch des Hundes klopfen, klingt das fast wie bei einer Trommel. Man sieht es aber vor allem daran, dass der Bauch völlig aufgebläht ist”, beschreibt Schmitz die Alarmzeichen.

In einem solchem Moment ist höchste Eile und beherztes Eingreifen geboten. Um Zeit zu gewinnen - der Hund muss sofort zum Tierarzt gebracht werden - solle man mit einer Injektionsnadel in den Bauch stechen. Vor diesem Hintergrund gehört eine sterile Injektionsnadel in jedes Notfallset. Wichtig ist auch, unbedingt vorher die Praxis über die Situation zu informieren, weil keine Zeit bleibt, um von einem Tierarzt zum nächsten zu fahren.

Auch Verbandanlegen ist ein Thema im Seminar. Einen Druckverband anzulegen, wird sogleich am „lebenden Objekt” ausprobiert. Proband ist ein Hund namens Filou, der die Prozedur kreuzbrav über sich ergehen lässt. Dabei schaut er so drein, als wolle er sagen: „Was tut man als Hund nicht alles, um seinen Zweibeiner glücklich zu machen...”
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