Stolberg - Aus einer Rostlaube wird ein rotes Schmuckstück

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Aus einer Rostlaube wird ein rotes Schmuckstück

Von: Sarah-Lena Gombert
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Die „DL 30 Magirus Deutz“ war einst das Drehleiterfahrzeug der Stolberger Feuerwehr. Foto: Gombert
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Winfried Sous steckt viel Arbeit in seine Feuerwehrautos, die er mit Liebe zum Detail wieder herrichtet. Foto: Gombert

Stolberg. Runde Kurven, wie es sie heute kaum noch gibt. Ein paar rostige Flecken auf dem roten Kleid. Eine hölzerne Rückbank, die nicht gerade viel Fahrkomfort verspricht: Dass das Feuerwehrfahrzeug, das der Stolberger Winfried Sous gerade in seiner Garage auf Vordermann bringt, eine bewegte Geschichte hat, sieht man auf den ersten Blick. Und diese Geschichte ist eng mit der Stadt Stolberg verzahnt.

„Das Auto war von 1960 bis 1982 im Besitz der Stadtfeuerwehr“, weiß Winfried Sous zu erzählen, der sich hobbymäßig mit der Restaurierung alter Feuerwehrautos beschäftigt. Die DL 30 ist das zweite Fahrzeug, das er in seiner Werkstatt stehen hat.

„Der Wagen war seinerzeit der erste seiner Art im ganzen Altkreis Aachen“, sagt Sous. Mehr oder weniger durch Zufall ist die Drehleiter in seine Hände gekommen: „1982 ist das Auto auf die Nato-Airbase in Geilenkirchen gekommen“, erzählt er. Dort habe das Fahrzeug bis 2009 gestanden, bis es schließlich an einen privaten Sammler in der Region verkauft worden sei.

Interesse an der Geschichte

Ein bisschen mehr über die Geschichte des Drehleiterwagens verrät auch ein Blick ins Stolberger Stadtarchiv. „Der Wagen mit dem Kennzeichen AC 2160 wurde seinerzeit für 90.000 Deutsche Mark angeschafft“, erklärt Stadtarchivar Christian Altena, der auf Anfrage unserer Zeitung über das Fahrzeug recherchiert hat.

Die Summe entspreche heutzutage etwa dem fünffachen Wert. Auf alten Fotos des Stadtarchivs ist zu sehen, dass die Drehleiter auch den Umzug in die neue Stolberger Feuerwache mitgemacht hat.

„Ende des vergangenen Jahres habe ich das Auto bei diesem Sammler abgeholt“, sagt Sous. Kennengerlernt hatten sich die beiden Männer zufällig über ein Kleinanzeigenportal im Internet, auf dem sich viele Fahrzeugsammler tummeln.

Altes Auto macht viel Arbeit

Seitdem hat er schon viel Arbeit in seine „DL 30 Magirus Deutz 125A Rundhauber“gesteckt. Hilfe hat er dabei vor allem von befreundeten Hobbyschraubern bekommen. Alleine sei das nicht zu bewerkstelligen. „Wir haben den Motor wieder zum Laufen gebracht“, sagt Sous. Die Kupplung funktioniere wieder, auch die Bremsen seien funktionstüchtig. Sogar die Hydraulik für die 30 Meter lange Leiter hat der Stolberger wieder hinbekommen.

„Diese Fahrzeuge verfügen über eine einfache Technik, die sich selbst erklärt“, sagt Winfried Sous, der selbst eine Lehre im Kfz-Bereich gemacht hat, dann aber beruflich ganz andere Wege einschlug. Genau diese einfache Technik sei es auch, was ihn an den alten Fahrzeugen fasziniere: „Die Wagen sind auf eine gewisse Weise ehrlicher als neue Autos. Wenn etwas kaputt ist, kann ich auch sehen, was das ist.“

Winfried Sous kann nicht genau beziffern, wie viele Arbeitsstunden er bereits in das Feuerwehrauto gesteckt hat. Sicher ist nur eines: Es werden noch einige mehr dazu kommen. Nach und nach wird er die Schäden im Fahrzeugblech ausbessern – und zwar nicht mit Spachtel. „Die Teile werden neu verzinnt, das hat man früher immer so gemacht.“ Die Lackierung will er auffrischen – und ein paar neue Reifen braucht die Drehleiter ebenfalls. „Das Fahrzeug hat in den letzten Jahren fast nur gestanden. Die alten Reifen sollte man also nicht mehr nehmen.“

Winfried Sous hat sich fest vorgenommen: Fahren soll der Wagen auf jeden Fall wieder. „Es finden ab und zu sogenannte Blaulichtfahrten statt“, erzählt der Bastler. Dabei kämen Sammler solcher alten Fahrzeuge zusammen. Er möchte gerne mit seiner DL30 daran teilnehmen – und diese vorher so originalgetreu wie möglich wieder ausstatten.

Bei Facebook aktiv

Eine regelrechte Szene für historische Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge gebe es in der Region, auch über die Grenzen hinaus. „So ein Netzwerk ist auch deshalb wichtig, weil man kaum noch an Ersatzteile für diese alten Autos kommt.“ Und ausgetauscht werden muss an alten Fahrzeugen immer wieder irgendetwas.

Winfried Sous hat für seine alten Feuerwehrautos – der Deutz-Wagen ist sein zweites – eine Internetseite eingerichtet, die von Interessierten auch fleißig besucht wird. Auch einen Auftritt im sozialen Netzwerk Facebook gibt es: Alte Feuerwehrwagen Stolberg“. Dort hat Sous immerhin schon 200 Likes für seine beiden Fahrzeuge. „Ich hoffe auch, noch weitere Informationen über mein Auto zu bekommen“, sagt er, und meint damit zum Beispiel den originalen Beladungsplan.

„Mich würde interessieren, was die Feuerwehrleute damals alles dabei hatten, wenn sie auf Einsätze fuhren“, erzählt Sous begeistert. In einer Sache ist er sich sicher: Bequem waren die Fahrten sicherlich nicht. „Und auch die Leistung des Autos würde für heutige Verhältnisse nicht mehr ausreichen“, schätzt er und nennt ein Beispiel: „Wenn so ein Fahrzeug voll beladen war, dann kamen die Feuerwehrleute eine Straße wie den Stolberger Fettberg sicherlich nicht schneller als mit zehn Stundenkilometern hinauf.“

Das wäre nach heutigen Standards in einem Brandfall wohl tatsächlich etwas langsam. Für eine Blaulichtfahrt, wie Winfried Sous sie machen möchte, ist das aber völlig in Ordnung.

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