Aus einer Pelztierfarm wurde ein Abenteuergelände für Kinder

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
15129952.jpg
Wo einst Nerze gezüchtet wurden, ist heute der Verein Tabalingo angesiedelt. Foto: J. Lange

Stolberg. In den 1960er und 1970er Jahren boomte die Pelzindustrie. Besonders begehrt für die Verarbeitung zu Kleidungsstücken war das Fell des Amerikanischen Nerzes, das neben seiner braunen Färbung auch wasserabweisende Eigenschaften besaß. Gleich zwei Nerz-Zuchtstationen hatten einst an der oberen Hastenrather Straße gelegen.

Das Fell des kleinen, rund 35 Zentimeter großen Raubtieres aus der Familie der Marder galt als besonders dicht und weich. Gezüchtet wurde der Amerikanische Nerz in großen Zuchtstationen, die als Pelztierfarmen bezeichnet wurden. In den Stationen an der Hastenrather Straße hatten Metzgermeister Hugo Creutz und Viehhändler Heinrich Willms in den frühen 1960er Jahren auf einer großen, landwirtschaftlichen Fläche zwei Zuchtfarmen für die Haltung von Nerzen angelegt.

Die Nerzfarm Creutz entstand 1961 auf einer rund 10.000 Quadratmeter großen Fläche. Man hielt anfänglich 4000, später 8000 Nerze in überdachten Käfiggassen. In offenen Schuppen, die Wind, Kälte und Hitze ausgesetzt waren. Schon 1959 hatte sich Hugo Creutz, der am Steinweg eine Metzgerei unterhielt, der Pelztierzucht zugewandt.

Eine behördliche Verfügung hatte ihn zur Auslagerung seiner Zucht in das ländlich geprägte Stolberg veranlasst. Ein Wohnhaus entstand auf dem Gelände der Pelzfarm Creutz 1963. Das als „Wärterhaus“ bezeichnete Gebäude – der Wärter war für die Pflege und Fütterung der Nerze zuständig – war anfänglich nur ein kleiner, eingeschossiger Flachbau, der in den Folgejahren aber zu einem großen Anwesen erweitert wurde. Später nahm Creutz dort selbst Wohnung. Das Gebäude verfügte sogar über ein Schwimmbecken.

Das Becken ist dort heute noch vorhanden, wie Ursula Espeter berichtet, die 2011 gemeinsam mit ihrer Familie die ehemalige Nerzfarm Creutz übernahm. Heute werde das leer stehende Becken gelegentlich für die sportlichen Aktivitäten des Vereins „Tabalingo“ genutzt. Wann die Firma Creutz, die am Steinweg auch ein Geschäft für Pelzbekleidung unterhält, die Nerzzucht an der Hastenrather Straße einstellte, ist nicht bekannt. Vermutlich wurde die Pelztierzucht in den frühen 1990er Jahren eingestellt.

Die Familie Stradt wollte dort eine Ferienfahrschule einrichten wollte. Dazu ist es aber nicht gekommen. Bei der Übernahme durch die Espeters im Jahr 2011 waren auf dem weitläufigen Gelände noch die Fundamente der Käfiggassen und Schuppen vorhanden. Die mussten erst mühsam entfernt werden, wie die Tanzpädagogin erzählt. Verbunden mit der Übernahme der ehemaligen Nerzfarm Creutz durch Espeter war auch die Ansiedlung des Vereins Tabalingo dort, der inzwischen 350 Mitglieder zählt. Tabalingo kümmert sich um behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche, die ein vielseitiges, sportliches Angebot erwartet.

Um die sportlichen Aktivitäten durchführen zu können wurden auf dem Terrain der alten Farm, das heute „nur“ 6000 Quadratmeter groß ist, unter anderem zwei mit Kunstrasen belegte Kleinfelder für den Fußballsport, ein Basketballfeld, ein überdachtes Ballspielfeld und mehrere Kletterwände errichtet. Eine ehemalige Produktionshalle wird für Theateraufführungen, dem Tanzen und der Meditation genutzt. Derzeit finden auf der früheren Pelztierfarm die zweiwöchigen Ferienspiele des Vereins Tabalingo statt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert