Augsburger Sängerknaben auf höchstem Niveau

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
12259363.jpg
24 Jungen und zwölf Männer umfasst das Ensemble der Augsburger Sängerknaben, die ihrem Auftritt in Büsbach mit wechselnden Positionierungen von Solisten und Stimmblöcken in der Kirche einen zusätzlichen Reiz gaben. Foto: M.-L. Otten

Stolberg-Büsbach. Was haben Budapest, Büsbach und Beijing gemeinsam? Diese Frage richtete der Augsburger Kulturmanager Josef Paul im Festival-Programm 2016 zu Beginn an die Leser. Pfarrer Jürgen Urth griff sie jetzt bei der Begrüßung auf und verriet, dass der Kammerchor der Augsburger Sängerknaben in all diesen Städten in diesem Jahr konzertier(t)e.

Nach China geht’s von Ende Juli bis Ende August. Und die Augsburger sangen nicht nur in Büsbach, „an der holländischen Grenze gelegen“, auch in Maastricht und Aachen gab es von ihnen hochklassige Konzerte. Dazu kam die Mitgestaltung des Pontifikalamts zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei St. Gertrud (Herzogenrath). Angesichts der hervorragenden Reputation des Ensembles war es denn auch nicht verwunderlich, dass sehr viele Menschen in der Pfarrkirche St. Hubertus dem kirchenmusikalischen Konzert der Sängerknaben beiwohnten.

Von Renaissance bis Moderne

Die sakrale, a-cappella vorgetragene Musik der 24 Knaben und zwölf Männern unter Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler umfasste Werke von der Renaissance über Barock und Romantik bis zur Moderne. Die dabei wechselnden Positionierungen von Knabensolisten und Stimmblöcken in der Kirche gaben den Stücken einen zusätzlichen Reiz.

Den Auftakt machte eine Motette von Johann Sebastian Bach. Im Trostgesang „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ nach Worten des Propheten Jesaja zeigte der achtstimmige Doppelchor gleich seine hohe Stimmkunst. Die Domsingknaben aus Augsburg, die zu den führenden deutschen Knabenchören zählen, wurden ihrem Ruf gerecht. Dank intensiver Stimmschulung bewiesen sie ein konstant hohes Niveau.

Der Hymnus „A solis ortus cardine“ von Johannes Mangon für Altus, Tenor und Bass war den Männern vorbehalten, die das lateinische Gedicht vom Tor der Sonnenbahn mit Höchstspannung darboten. Auch das „Laudate coeli“ von Oratio Benevoli und das „Misere“ von William Byrd waren ein Musikerlebnis der besonderen Art.

Die berühmte Fassung von Psalm 51 von Gregorio Allegri wurde in der Sixtinischen Kapelle in der Karwoche als erster Psalm der Laudes (Morgenlob) gesungen. Da das Kopieren der Partitur und die Aufführung an anderen Tagen verboten wurden, soll es der 14-jährige Wolfgang Amadeus Mozart bei einem Romaufenthalt zum Mittwochsgottesdienst gehört, es später aus dem Gedächtnis aufgeschrieben und somit für die Verbreitung des Kunstwerks gesorgt haben.

Aus der „Missa Papae Marcelli“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina folgte auf das reich gesetzte sechsstimmige Sanctus ein zartes, nur von hohen Stimmen gesungenes Benedictus.

Die Chorwerke Franz Biebls, deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts, bestechen durch Einfachheit und Eingänglichkeit, werden aber auch gerne von professionellen Ensembles genutzt. Sein bekanntestes Werk ist „Angelus Domini“, das – mit einem Vorsänger angestimmt – die Zuhörer in den Bann zog. Nach dem achtstimmigen Renaissance-Schatz von Tiburtius Massano wurde das Publikum in das leuchtende und makellos strahlende Engelterzett „Hebe deine Augen auf“ aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy mitgenommen.

Die sechsstimmige Motette „Abendlied“ von Joseph Rheinberger am Ende war noch einmal eine Herausforderung für die Intonation und die Homogenität des Chorklanges. Der Chor bestand diese mit Bravour. Und wer den Kammerchor der 350 Augsburger Domsingknaben unter der professionellen Leitung von Reinhard Kammler gehört hat, weiß, wie atemberaubend dieser sein kann. Nach lang anhaltendem Applaus folgte als Zugabe eine wunderschöne Vertonung des Gedichts „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert