Stolberg - Auftakt des Musiksommers: Unwiderstehliche Strahlkraft des Tangos

Auftakt des Musiksommers: Unwiderstehliche Strahlkraft des Tangos

Von: Marie-Luise Otten
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Das Quartett „tangoX“ mit Stefan Michalke (v.l.), Johanna Schmidt, David Andres und Stefan Kremer begeisterte das Publikum zum Auftakt des diesjährigen Stolberger Musiksommers im Rittersaal der Burg. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Mit Tango verbindet man im Allgemeinen einen aus Buenos Aires stammenden Paartanz im 2/4- oder 4/8-Takt mit wehmütigen Klängen eines Bandoneons. Anfang des 19. Jahrhunderts erregte die exotische Tanzweise – Schräglage der dicht aneinander gehaltenen Körper, zuckende Bewegungen und katzenartige Schritte – noch Anstoß, doch bald etablierte sich der Tango als Gesellschaftstanz und gehört bis heute zum festen Bestand der lateinamerikanischen Tänze.

Dass der Tango auch konzertant seine Hörer findet, bewies jetzt das Eröffnungskonzert des Stolberger Musiksommers mit „tangoX“ im Rittersaal der Stolberger Burg. Johanna Schmidt (Violine), Stefan Michalke (Piano), David Andres (Bass) und Stefan Kremer (Drums) zeigten, dass dieses Genre – ob klassische Tangostücke oder Eigenkompositionen – nach wie vor eine unwiderstehliche Strahlkraft hat.

Was die Vier auf ihren Instrumenten vorführten, war einfach umwerfend. Stefan Kremer an den Drums als der rhythmische Motor des Quartetts war feinfühlig und dezent in der Begleitung und experimentierfreudig bei solistischen Einlagen. David Andres zeigte bei seinen Improvisationen, welche klanglichen Nuancen im Kontrabass stecken, und sorgte mit dem Zupfen der Saiten für das richtige Fundament. Das sensible Zusammenspiel mit dem virtuosen Pianisten Stefan Michalke und der Frontfrau Johanna Schmidt, die nicht nur herausragend Violine spielte, sondern bei zwei Stücken am Klavier saß und auch moderierte, machte den Tango allgegenwärtig. Die Entführung in die packende und leidenschaftliche Tango-Welt berührte die Zuhörer, die zahlreich an diesem Nachmittag erschienen waren.

Entstanden am Ende des 19. Jahrhunderts in den Hinterhöfen, Mietskasernen, Gasthäusern und Bordellen Argentiniens, wo Menschen verschiedenster Kulturen aufeinandertrafen, war die Tangomusik auf Bandoneon und Klavier das Ventil für Aggression, Verletztheit und tiefer Einsamkeit. So vielseitig der Tango seitdem ist, so vielseitig war auch das Repertoire der Künstler. Neben traditionellen Stücken wie „La Punalada“ (der Dolchstoß) von Pintin Castellanos, „Por una Cabeza“ (notorischer Spieler) von Carlos Gardel und „Romance del barrio“ (Stadtteil-Romanze) von Anibal Troilo präsentierte „tangoX“ auch den Tango Nuevo, eine Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino vom argentinischen Bandoneon-Spieler und Komponisten Astor Piazolla – ein Wanderer zwischen den Welten der Klassik, des Jazz und seiner ursprünglichen Musik.

In „Oblivion“ („Vergessen“), dem klassischen Beispiel eines langsamen Tangos, in „ Adios Nonino“, der Widmung Piazollas an seinen Vater, und in „Libertango“, in dem es um Freiheit geht und nicht mehr um Trauer, entfaltete die Tangoformation eine enorme Farbpracht.

Unbändige Lust am Spiel

Flexibilität und Vielfalt zeigten die Eigenkompositionen. Die synkopischen Rhythmen, die typischen harmonischen Wendungen, die abgehackten Staccati und die messerscharfen Betonungen machten nicht nur den Musikern sichtliche Freude. Vielmehr begeisterte ihre unbändige Lust am Spiel auch die Zuhörer, die sich am Ende mit Beifallsstürmen bedankten. So war eine Zugabe am Ende dieses beeindruckenden Konzertes unumgänglich.

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