Stolberg - Aufmarsch 2011: Neonazis blockieren statt demonstrieren?

Aufmarsch 2011: Neonazis blockieren statt demonstrieren?

Von: Michael Grobusch
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Zuletzt 2008 versuchten Gegendemonstranten, den „Marschweg” der Neonazis zu blockieren. Im April 2011 soll es nun, so die Ankündigung, wieder Blockaden geben. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Gegen den für den 9. April 2011 erwarteten Aufmarsch von Neonazis in Stolberg formiert sich bereits jetzt Widerstand. Ein neu gegründetes Bündnis, das mit dem Namen „Gegen den Naziaufmarsch 2011 in Stolberg” zugleich sein Ziel nennt, ist am Donnerstag erstmals an die Öffentlichkeit getreten und hat angekündigt, die braunen Kräfte mit Sitzblockaden an ihrem Umzug hindern zu wollen.

„Jede Form des Protestes ist berechtigt. Wir sehen uns als Ergänzung zu den Aktionen, die das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus in der Innenstadt plant”, erklärte Frank Taufenbach auf Anfrage unserer Zeitung. Taufenbach ist Sprecher der Eschweiler Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Neonazis” und sieht sich mit ihr als Teil einer „überregionalen, ja sogar internationalen Bewegung”, die Proteste gegen Neonazis beispielsweise in Dresden oder Berlin als Vorbild hat.

„Wenn es dem Stolberger Bündnis gelingt, dass die Nazis nicht durch die Innenstadt gehen dürfen, finden wir das gut. Viele Menschen sind aber der Meinung, dass die Nazis gar nicht durch Stolberg laufen dürfen, erst recht nicht am Rande des Mühlenviertels, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund leben”, so Taufenbach, der auf eine im Internet veröffentliche Unterstützerliste verweist. Sie wird vom Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram angeführt und beinhaltet die Namen zahlreicher Politiker, Verbände und Vereine aus Nordrhein-Westfalen sowie Künstler wie beispielsweise Konstantin Wecker.

Nicht genannt werden allerdings die Namen derjenigen, die als Initiatoren und Organisatoren hinter dem „Bündnis” stehen. „Das sind Vertreter unterschiedlicher antifaschistischer Bewegungen”, berichtet Taufenbach, der selber wiederum in den ersten Abstimmungengesprächen mit der Stadt und dem Stolberger Bündnis als Ansprechpartner aufgetreten ist.

Ausräumen konnte er bei diesen Unterredungen nicht die Skepsis, die offenbar in Reihen der Kupferstädter herrscht. „Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus wird sich nicht an Menschenblockaden beteiligen und auch nicht dazu aufrufen”, stellte Bürgermeister Ferdi Gatzweiler klar. Ähnlich äußerten sich auch die Bündnis-Sprecher. „Wir begrüßen grundsätzlich alle friedlichen Aktionen, die sich gegen die Nazi-Aufmärsche richten, durch die unsere Stadt alljährlich in einen Ausnahmezustand versetzt wird. Peter Bongard, Beatrix Oprée und Anna-Maria Keimes verwiesen darauf, dass das Bündnis grundsätzlich an der bewährten Strategie der vergangenen Jahren festhalten werde - verknüpft mit zusätzlichen Aktionen und einem überregionalen Aufruf.

Geplant ist demnach wieder ein Solidaritätsmarsch durch die Innenstadt. Er hatte letztlich die Polizei dazu veranlasst, einen Aufmarsch der Neonazis in der Stolberger City nicht zu genehmigen. Zudem soll es Infostände und Protestaktionen im gesamten Bereich zwischen Willy-Brandt-Platz und Jordansplatz geben. Unweit der Mühle wird auch wieder eine große Kundgebung stattfinden. „Das Stolberger Bündnis gibt so allen Bürgern, vor allem auch Familien, Kindern und Jugendlichen, Gelegenheit, sich an Protesten gegen Rechtsradikalismus zu beteiligen”, stellten die Sprecher im Gespräch mit unserer Zeitung fest.

Eine besonders spektakuläre Aktion ist derweil schon bekannt: Das Bündnis will „das längste Solidaritätsbanner der Welt” durch die Innenstadt verlegen. „Jeder kann ohne großen Aufwand mitmachen. Benötigt wird nur ein Stück bemalbarer Stoff, Pinsel und wasserfeste Farbe oder dicke Faserschreiber”, rufen die Sprecher auf.

Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus ruft dazu auf, sich am „längsten Solidaritätsbanner der Welt” zu beteiligen.

Da die einzelnen Banner zusammengenäht werden müssen, soll der Großteil der Einzelteile bereits im Vorfeld fertiggestellt werden.

Fertige Banner können ab sofort an der Information des Rathauses abgegeben werden oder per Post an das Bündnis geschickt werden. Die Adresse: Rathaus Stolberg, Rathausstraße 11 - 13, 52222 Stolberg.

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