Auf Kufen durch den Wintertraum

Von: Heike Eisenmenger
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Ein eingespieltes Team: Gotthard Brammertz und seine Huskies. Im Winter durchstreift der Donnerberger mit dem Hundeschlitten fast täglich die Voreifel. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Zweifall. Im Anhänger ist der Teufel los: Es wird gescharrt und gekratzt und kräftig gejault. „Die wollen raus, sie wissen, dass es gleich los geht”, erklärt Gotthard Brammertz. Als er den Verschlag öffnet, erscheint ein eisblaues Augenpaar. Es sind die Augen von Anouk, einem der vier Huskies in seinem Besitz.

Brammertz ist ein so genannter Musher, ein Hundeschlittenlenker. Für den 70-Jährigen gibt es nichts Schöneres, als die winterliche Landschaft mit dem Schlitten zu durchstreifen, zu sehen, wie seine Huskies sich voller Eifer ins Geschirr legen und losrennen.

Zu seinem Hobby fand er vor rund 20 Jahren. Der Dozent für Nachrichtentechnik, Mathematik und Elektrotechnik suchte damals nach einem Ausgleich zu seiner geistig anspruchsvollen Arbeit. Im Bewusstsein, dass es nicht einfach sein würde, den eigenen Schweinehund zu überwinden, legte er sich einen Dackel zu.

„Ob man will oder nicht - mit einem Hund muss man mehrmals täglich spazieren gehen”, schildert der Donnerberger seine Überlegung zu jener Zeit. Die Idee war gut, der Dackel aber nicht willens: „Nach einer Runde um den Block wollte der Hund wieder nach Hause”, erinnert er sich und lacht schallend. Bei einem der kurzen Spaziergänge mit Dackel traf Brammertz zufällig einen Mann mit einem Husky - und war von diesen Tieren fortan fasziniert.

Bis jedoch der erste Husky im Hause Brammertz seine Pfoten über die Schwelle setzen würde, sollte ein ganzes Jahr vergehen. „Der Züchter ließ uns bewusst so lange warten, um sicherzustellen, dass unser Interesse echt und nicht nur eine vorübergehende Begeisterung ist.”

Sein gutes Aussehen ist für den Husky nicht unbedingt von Vorteil. Immer wieder trifft Brammertz Exemplare, die zum Modehund degradiert worden sind und wider ihrer Natur leben müssen. „Ein Husky hat einen immensen Bewegungsdrang. Einer meiner Huskies rennt bis zur totalen Erschöpfung, man muss ihn bremsen, damit er sich nicht völlig verausgabt”, erzählt der Musher und stellt klar: „Ein Husky ist weder etwas fürs Sofa noch als Wachhund geeignet.”

Brammertz selbst hatte einen Husky, der von seinem Vorbesitzer als Wachhund ausgebildet wurde. „Der Hund konnte einem leid tun: Er war völlig orientierungslos und mental kaputt gemacht worden.” Die anderen Huskies hätten ihn in Ruhe gelassen, was untypisch für diese Hunde sei. „Normalerweise wollen Huskies zusammen sein, und solange ich diese Hunde halte, habe ich noch nie eine Beißerei erlebt”, beteuert der 70-Jährige.

Anouk, Zabou, Nayak und Blaind hat Brammertz bereits im Welpenalter bekommen. Er ist ihr „Rudelchef”. Eine Bindung aber, wie sie etwa ein Labrador oder ein Golden Retriever zu seinem Herrchen eingehe, sei einem Husky fremd. „Sie würden mit jedem mitgehen, Hauptsache, sie kommen raus. Auch der Jagdinstinkt ist viel ausgeprägter als bei einem normalen Hund.” Einem befreundeten Züchter seien seine Huskies einmal entwischt. Den letzten aus dem Rudel habe man acht Wochen später bis auf die Knochen abgemagert in der Nähe der tschechischen Grenze aufgelesen.

Neben seinen Huskies gehören noch zwei Border Collies zum Haushalt der Familie Brammertz. „Sie verstehen sich gut. Es passiert immer wieder, dass die Border Collies in ihrer Eigenschaft als Hütehunde die Huskies wie Schafe zusammentreiben”, schmunzelt der Schlittenhundelenker. „Die Huskies lassen sich das auch noch gefallen - wenn sie dann aber zusammengetrieben im Keller sind, wird dann natürlich gejault, weil sie wieder raus wollen.”

Reihenfolge bestimmen

Zurück in den Schnee: In Erwartung der Schlittenfahrt zerren die vier Huskies wie wild an den Leinen, die Brammertz darum sicherheitshalber an einen Baumstumpf festgemacht hat. Welcher Hund im Geschirr nach vorne kommt und wer mit wem Seite an Seite läuft, macht Brammertz daran fest, welche Eigenschaften das jeweilige Tier auszeichnet. „Das Tier, das am besten hört, wird in vorderster Reihe eingespannt. Wer immer schnüffelt und sich leicht ablenken lässt, kommt nach hinten.”

Angetrieben von den Kommandos ziehen die Huskies den Schlitten mit ihrem Musher mit bis zu 30 Kilometer in der Stunde durch den tiefen Schnee in Zweifall. Sie rennen mit einer Begeisterung, wie sie nur ein Schlittenhund aufbringen kann, und es macht einfach Freude, ihnen zuzusehen.

Als die Fahrt durch den verschneiten Wald vorbei ist, gehen Anouk und ihre Kollegen brav zurück in die Boxen des Anhängers. Zur Belohnung bekommt jeder der Huskies ein Schweineöhrchen. Nun kehrt Ruhe ein, wo noch vor eineinhalb Stunde der Teufel los war.
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