Auf der Suche nach dem Sommer 2012

Von: Heike Eisenmenger, Doris Kinkel-Schlachter und Luisa Houben
Letzte Aktualisierung:
Ferienkind Melissa auf ihrem
Ferienkind Melissa auf ihrem „Leih”-Pferd Queen. Foto: H. Eisenmenger, D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Wo bitteschön ist der Sommer? Vielleicht sind wir ja in einer Zeitschleife wie in der Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier” gefangen und durchleben wieder und wieder denselben (verregneten) Tag auf Neue.

Da die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns alle in ein und der selben Zeitschleife befinden, aber eher gering ist, müssen wir uns wohl damit abfinden, dass wir es schlicht und ergreifend mit einem verregneten Sommer zu tun haben.

Für manche bedeutet ein verregneter Sommer nicht nur weniger Spaß, sondern auch weniger im Portemonnaie. Im Gegenzug gibt es einige wenige, die wiederum vom „vergeigten” Sommer profitieren.

Die Redaktion hat sich auf Spurensuche begeben und mit den „Verlierern” sowie den „Gewinnern” gesprochen. Natürlich zeigen wir auch Alternativen, wie man trotz Dauerregen in der Umgebung einen schönen Tag verleben kann - und das teilweise zum Nulltarif.

Verärgert über das Tief „Quintina” sind vor allem die Besitzer von Ausflugslokalen. Sind bei schönem Wetter Scharen von Wanderern und Familien zum Waldspaziergang unterwegs, so kommen jetzt nur vereinzelt kleine Gruppen oder Paare vorbei, um sich mit Kaffee oder Tee ein wenig aufzuwärmen.

Dass aufgrund des schlechten Wetters Besucher wegbleiben, merkt auch die Besitzerin des kleinen Cafés „Op de Hütt” in Schevenhütte deutlich. „Wir tun zwar alles, um das Lokal gemütlich herzurichten, aber es ist verständlich, dass bei Regen kaum jemand durch den Wald spaziert oder sonst etwas in der freien Natur unternimmt”, sagt Siliz Aydin, Inhaberin des Cafés. Gähnende Leere auch auf dem Alter Markt. Im „The Savoy” sitzen ein paar Leute, die Wirtin hat es kommen sehen.

„Ich habe in den 100-jährigen Kalender geschaut, da ist genau dieses Schmuddelwetter”, sagt Marita Matousek. Das Traditionslokal lebt zurzeit von seinen Stammgästen, „aber es ist schon ein Unterschied, ob ich hier drin sechs Tische besetzt habe oder draußen knapp 30”, betont die Gastronomin. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass „irgendwann noch einmal so ein Wahnsinns-Sommer kommt wie 2003, als wir mehr Personal einstellen mussten, das Wasser knapp war und es keine Ventilatoren mehr gab”.

Auch Hermes Rovere hält große Stücke auf den 100-jährigen Kalender. Und dann ist da ja noch die Bauernregel um den Siebenschläfer. „Das Wetter am 27. Juni war schlecht, hoffentlich bleibt das nicht so die nächsten sieben Wochen.” Der Inhaber der gleichnamigen Eisdiele im Schatten des Rathauses freut sich über jeden einzelnen sonnigen Tag. Am Mittwoch hatte es doch tatsächlich einer durch die Regenfront geschafft. Das bescherte dem Rovere-Team auch gleich einen höheren Umsatz. Ansonsten: „Diesen Sommer kann man vergessen!”

Auf Sonnenschein wartet ebenfalls sehnsüchtig die Familie Meyer vom gleichnamigen Reitstall in Schevenhütte. „Bei Regen haben weder Menschen noch Pferde Lust zu einem Ausritt”, erzählt Horst Meyer. Auf die Frage, ob Pferde nicht prinzipiell froh wären, heraus aus dem Stall zu kommen, schüttelt der Mann den Kopf. „Wenn Sie komplett durchweicht sind, gefällt Ihnen das doch auch nicht.”

Durchweicht ist auch der richtige Begriff für die Wandersleut. Erst am Sonntag sind sie bei Dauerregen nach Hürtgenwald „marschiert”. Und dabei hatte sich Wanderführer Manfred Nolden einen schönen Plan zurechtgelegt. „Ich habe gedacht, da kommen vielleicht drei Leute. Denen hätte ich angeboten, dass wir zusammen einen Kaffee trinken.” Von wegen. 15 Unerschütterliche hatten sich versammelt, um dem Wetter zu trotzen. Der Vorsitzende des Eifelvereins, Ortsgruppe Stolberg, kann dazu nur eines sagen: „Wandern ist Wandern, Hauptsache, die Kleidung stimmt!” Man müsse eben nur den inneren Schweinehund überwinden. Das einzige Argument gegen des „Müllers Lust” sei Gewitter, so Nolden, „dann brechen wir natürlich sofort ab”.

„So eine schlechte Saison hatten wir noch nie”, sagt Raymond De Waele. In den letzten Wochen hätten die Mitglieder kaum gespielt und seien einige Medenspiele sprichwörtlich ins Wasser gefallen. „Wir haben keine Ausweichmöglichkeiten, wir leben vom Sommer”, betont der Vorsitzende des Tennisclubs Blau-Weiß, deren Mitglieder zurzeit nicht in den Genuss kommen, auf den schönen Außenplätzen auf dem Hammerberg den Schläger zu schwingen. „Uns trifft das wirklich enorm. Wenn es regnet, können wir nicht spielen, und nach jedem Schauer ist der Platz auch für mindestens eine weitere Stunde nicht bespielbar.”

Sprung ins kühle Nass

Nicht zu den „Verlierern” gehört Heinz Ganser. Der Landwirt des Burgholzerhofes baut wie viele andere Bauern in der Region Getreide an. „Ich habe dieses Jahr ein glückliches Händchen gehabt. Andere Bauern haben mehr Probleme”, stellt er fest. Die Ernte seiner Kollegen habe wetterbedingt größeren Schaden genommen. Optimistisch hofft er jedoch, dass der August wesentlich besser wird, damit keine Qualitätsverluste und hohe Trocknungskosten auf ihn zukommen.

Zu den „Gewinnern” zählt das Hallenbad. Nicht etwa, dass Lutz Gärtner und seine Kollegen im Sommer Zeit zum „Däumchen drehen” hätten: „In der Ferienzeit ist hier im Schwimmbad am Glashütter Weiher viel los. Dann haben wir schon ab 6 Uhr für den normalen Betrieb geöffnet.” Nun sind normalerweise Freibäder eine Konkurrenz, aber angesichts des nasskalten Wetters „ziehen viele das warme Hallenbad vor”, erklärt der Betriebsleiter.

Auch Dominik Spielmann, Besitzer der Sauna am Glashütter Weiher, verzeichnet wetterbedingt mehr Besucher: „Die Leute sehnen sich bei Temperaturen zwischen 13 und 17 Grad Celsius schließlich nach einem warmen Platz und Entspannung!”
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