Auf der Suche nach dem Osterhasen

Von: Valerie Barsig
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Wo ist er nur? Auch diese Wiese am Mahnmal in Zweifall soll ein heißer Tipp für all diejenigen sein, die sich am Wochenende auf die Suche nach dem Osterhasen machen wollen. Die größten Chancen auf Sichtung gibt es in der Dämmerung. Foto: Valerie Barsig
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Die größten Chancen auf Sichtung gibt es in der Dämmerung.
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Am Karmelitinnenkloster: Auf der Suche nach dem Osterhasen kann man auch diesen beiden Schafen begegnen. Foto: Valerie Barsig
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Er weiß, wo die Hasen sind: Bernd Roggenkamp ist bestätigter Jagdaufseher in Stolberg. Foto: Valerie Barsig

Stolberg-Vicht. Es ist ungemütlich im Revier: Regen, Sturm und Hagel werden ihn beim Eier-Verstecken womöglich aufhalten. Ihn, den Osterhasen. Um herauszufinden, ob alle Ostergeschenke rechtzeitig an ihren Platz gebracht werden können, hat unsere Redaktion versucht, den Osterhasen zu finden.

Auf der Suche begleitet hat uns Jagdaufseher Bernd Roggenkamp. Rund 50 Hasen gibt es in seinem etwa 400 Hektar großen Revier, das vom Ortseingang Vicht bis zum Ortsende Zweifall reicht. An diesem Tag schüttet es und der Wind würde jedes Tier mit langen Ohren vermutlich in ein Fluggefährt verwandeln.

Roggenkamp bereitet auf den Ernstfall vor: „Sich einem Hasen zu nähern ist sehr schwierig“, sagt er. Denn: Er ist mit speziellen Fähigkeiten ausgestattet. Neben einem guten Hörsinn sieht er in einem Winkel von nahezu 360 Grad fast alles um sich herum. Seine Schnurrhaare lassen ihn außerdem Erschütterungen im Boden sofort spüren. Wer also einem Osterhasen die Pfote schütteln will, muss lautlos, federleicht und nahezu unsichtbar sein. Im Moment außerdem ein Problem: das Wetter. „Hasen mögen keinen Regen“, sagt Roggenkamp. Sie ziehen sich dann zurück in Gestrüpp an Wegesrändern oder auf Feldern.

Hasen leben auf dem Feld und auf Wiesen. Nur manchmal ziehen sie sich in den Wald zurück. Wenn es viel regnet, kann das sogar eine Gefahr für Jungtiere werden. Von März bis August werfen Hasen mehrmals. Im Schnitt bekommen sie bis zu drei Jungen. Die ersten vier Wochen verbringen sie in Feldmulden und im Gras. Wenn es nass und kalt ist, kann es passieren, dass sie eine Lungenentzündung bekommen. Rund 80 Prozent von ihnen überleben die ersten Wochen nicht. Deshalb werden Hasen in Roggenkamps Revier auch nicht gejagt – denn es gibt einfach zu wenig von ihnen. Osterhasenfans können trotzdem aufatmen: Deutschlandweit haben sich laut Deutschem Jagdverband die Hasenbestände erholt.

Inzwischen ist Roggenkamp am Mahnmal in Zweifall angekommen. Von hier aus hat man einen weiten Blick bis auf den Ort, Wiesen liegen am Hang. Dort, so sagt Roggenkamp, könne man ihn manchmal sehen, wie er sich in der Sonne aalt: den Osterhasen. Zwar reißt die Wolkendecke kurz auf und lässt ein paar Sonnenstrahlen durch, vom Osterhasen ist aber auch hier kein Öhrchen zu sehen.

Wer einen Osterhasen anlocken will, hat ebenfalls schlechte Chancen. „Sie fressen Kräuter, Gräser und im Winter auch Baumrinde. Aber Futter auslegen funktioniert eher nicht“, sagt Roggenkamp. Osterhasen sind scheue Tiere. Auf einer Wiese oder schlammigem Boden sind sie kaum auszumachen, haben mit ihrer braunen Fellfarbe eine perfekte Tarnung. Die brauchen sie auch, denn Füchse, Dachse und Greifvögel machen Jagd auf den Hasen.

Immer weniger Rückzugsraum

Der Klimawandel, der mehr starken Regen bringt, Vermehrung der natürlichen Feinde des Hasen und auch die Landwirtschaft machen es dem Tier zunehmend schwer. „Gerade Flächen, auf denen Mais oder Raps angebaut wird, haben keine Inseln mit Büschen mehr, weil sie Landwirten Fläche nehmen“, sagt Roggenkamp. Aber gerade auf diesen Rückzugsinseln leben Hasen besonders gern. Deshalb arbeiten die Jäger um Stolberg eng mit den Landwirten zusammen und versuchen, Knicke an Feldrändern für die Hasen zu erhalten. Auch, wenn die Felder im Spätsommer gemäht werden, wird es für den Hasen gefährlich. Genauso wie Rehkitze rennen Babyhasen nicht weg, sondern ducken sich nur in ihre Mulden. Wenn dann ein Traktor kommt, wird es heikel. „Deshalb sagen uns die Landwirte vor dem Mähen Bescheid. Dann können wir die Felder abgehen und nach Jungtieren suchen, damit wir sie aus der Gefahrenzone bringen können.“

Roggenkamp ist mit seinem Wagen auf den Weg zum Karmelitinnenkloster in Zweifall abgebogen. Hier, sagt er, sei die heißeste Spur zum Osterhasen. Denn: Rund um das Kloster gibt es viele Wiesen, hinter dem Gebäude sogar ein Wiesenstück, das von Wald umgeben ist. „Für Hasen hochattraktiv.“ Roggenkamp steigt aus seinem Wagen, geht links am Kloster vorbei und dann rechts in den Wald. Durch die Bäume sieht man eine Wiese. Wird er dort zu sehen sein?

Die beste Zeit, den Hasen in Aktion zu erleben ist in der Dämmerung oder in den Abendstunden. Am besten sucht man auf Wiesen, an die keine Straße grenzt. Einen echten Hasen erkennt man daran, dass er braun ist und lange Ohren hat. Ein Kaninchen dagegen ist kleiner, grau und hat kurze Ohren. Einen Osterhasen erkennt man an der Kiepe auf seinem Rücken – mit Glück sind noch ein paar Eier darin.

Beinahe den Hasen gefunden

Durch Gestrüpp geht es auf die Wiese zu. Und da ist etwas: Klein und braun liegt es im Gras. Geduckt. Unbeweglich. Beim näherkommen hört man ein lautes „Bääääh“. „Bäääh?“ Kein Hase lässt sich blicken, dafür aber ein zwei Wochen altes, braunes Osterlamm, das fröhlich neben seiner Mutter herhüpft und neugierig in die Kamera linst. Es hat versprochen, dem Osterhasen zu sagen, dass er alle Geschenke rechtzeitig abliefern soll. Bis dahin: Frohe Ostern.

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