„Auf der Mühle ist der dreckigste Teil der ganzen Stadt“

Von: Ottmar Hansen
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In der Eschweilerstraße stehen etliche Läden leer. Das ganze Viertel bietet keinen besonders einladenden Eindruck. Foto: O. Hansen

Stolberg. Der Gang durch Unterstolberg wird immer gespenstischer. Ein Laden nach dem anderen macht dicht. Wer durch die Straßen des Stadtteils läuft, kommt an etlichen verhängten Schaufenstern vorbei. Auch Wohnungen stehen leer. Hier wird Stolberg zur Geisterstadt.

In der Straße Auf der Mühle könnte es so einladend sein. Die Straße weitet sich zu einem kleinen Platz, auf dem Außengastronomie angeboten werden könnte. Mit Sitzplätzen draußen in der Sonne. Stattdessen hat hier inzwischen jedes Lokal dicht gemacht. Das „Klimbim“ hatte gleich nach Karneval die Türen für immer geschlossen. Am Bistro „Scala“ gleich nebenan sind die Rollläden vor der Türe herunter gelassen. Ein Schild mit „Zu vermieten“ klebt auf der Scheibe des Schankraumes. Der Besitzer des Hauses hat sich bei der möglichen Vermietung festgelegt: „Keine Gaststätte!!!“ heißt es auf einem zweiten Aufkleber auf der Scheibe.

Das Einzige, was in dieser Straße noch geöffnet ist, ist eine Spielhölle. Das Casino wird auch regelmäßig von Automatenfans aufgesucht. Gleich daneben der nächste Leerstand: „Büro- und Geschäftsräume zu vermieten“, bietet eine Reklametafel an. Es geht um 100 Quadratmeter. Wer in die Schaufenster der nächsten Kneipe sieht, blickt auf eine leere Theke und leere Regale. Auch hier hat sich wohl länger nichts mehr abgespielt. Das übernächste Haus, ein Eckhaus, steht zumindest Parterre leer. Nur die Zahnarztpraxis ist noch in Betrieb. Was soll aus diesem Viertel werden?

Wer die Salmstraße überquert und die Untere Eschweilerstraße betritt, findet die Fortsetzung des bedrückenden Bildes. Schon beim Blick von der Brücke auf den Vichtbach. Im Wasser treibt ein Kinderwagen. Irgendjemand muss zudem einen Straßenpoller in den Bach befördert haben. Das Ufer liegt voller Müll (der Mülleimer auf der Brücke ist dafür leer!). Fast jedes Ladenlokal ist verrammelt. Zuletzt hat hier auch die Pizzeria Pascha ihre Türen geschlossen. Die Werbefotos mit einer Pizza und einem halben Hähnchen kleben noch an der Fensterscheibe, die von innen, genauso wie die Eingangstür, mit Zeitungen zugeklebt ist.

Die Erdgeschosswohnung im Haus daneben steht auch leer. Immerhin lässt ein Container vor dem Haus hoffen, dass im Inneren gearbeitet wird und die Räume vielleicht bald wieder bezogen werden. Am angrenzenden Ecklokal sind die verwitterten Rollläden herunter gelassen. Auch die beiden folgenden Läden daneben stehen leer. Genau so wie zwei ehemalige Geschäfte gegenüber. Lediglich ein Spielcasino und ein Grill sind in dieser Straße noch in Betrieb. Und die Stolberger „Tafel“ hat ihre Räume noch in der Unteren Eschweiler Straße. Insgesamt ein trostloses Bild.

Das mancheiner auf die Sperrung der Brücke über die Vicht zurück führt. Als die Brücke noch in Betrieb und die Straße dort befahrbar war, sei das für die Geschäftsleute besser gewesen, bestätigt auch Patric Peters von der Gesellschaft für Stadtmarketing. Peters hält es durchaus für möglich, dass die Straße zumindest einspurig befahrbar sein könnte.

Auf den Bereich Auf der Mühle angesprochen, fällt das Urteil des Marketingexperten vernichtend aus: „Dieser Bereich ist der dreckigste Teil der ganzen Stadt.“ Alles sei mit Unkraut zugewachsen und mache einen ungepflegten Eindruck. Das sei zuletzt bei der „Kehraus“Aktion für eine saubere Stadt wieder einmal deutlich geworden. Peters: „Hier muss die Stadt unbedingt ran. Der Bauhof ist gefordert.“ Es liege jedoch nicht nur daran, dass es kaum noch neue Pächter für die Kneipen gebe. Peters: „Die Zeiten, in denen man man abends sein gepflegtes Bier in der Gastronomie getrunken hat, sind vorbei.“

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