Stolberg - Auf den Spuren des Namensgebers der Kupferstadt

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Auf den Spuren des Namensgebers der Kupferstadt

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Rund vier Stunden Zeit nahm sich Albert Rumbach, Ingenieur und Gruppen-Guide bei KMD (Mitte mit rotem Helm), um unseren 14 Lesern das Werksgelände zu zeigen und sie per vorangegangenem Vortrag umfassend über das Werk, die Geschichte von KMD und die Zusammenarbeit mit den Kollegen in China und Italien zu informieren. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Leuchtend gelbe Warnweste, weißer Helm, Haarnetz – so auffällig bekennen sich unsere Leser in den wenigsten Fällen zum Aboplus-Mitglied.

Leuchtend gelbe Warnweste, weißer Helm, Haarnetz – so auffällig bekennen sich unsere Leser in den wenigsten Fällen zum Aboplus-Mitglied.

Doch im Fall der Führung auf dem Werksgelände der KMD Connectors Stolberg GmbH galt dieser Aufzug nicht als Erkennungsmerkmal für Leser der Stolberger Zeitung und Nachrichten, sondern diente vielmehr der eigenen Sicherheit. Denn 14 Leser, zwölf Männer und zwei Frauen, nahmen im Rahmen unserer Aktion „8 x Sommer in der Kupferstadt“ an der zweiten Besichtigung teil. Und die führte geradewegs über das Werksgelände der KMD. Die blickt – wenn auch nicht immer unter gleichem Namen – auf immerhin schon 440 Jahre Unternehmensgeschichte zurück.

Da gab es für Gruppen-Guide Albert Rumbach und Geschäftsführer Johann Jüsten, der immer mal wieder zur Gruppe hinzu stieß, eine ganze Menge zu erzählen. Ein anderthalbstündiger Vortrag ging der Werksführung voraus und war – das kann man anhand der vielen Leser-Fragen durchaus sagen – in keiner Minute langatmig. Gereicht wurden zudem Wasser und Kaffee und kleine Andenken in Form einer Mini-Taschenlampe, eines Notizblockes und eines als Auto gestalteten Kugelschreibers gab es auch noch. Und so versuchte Rumbach unseren Lesern einen Rundumschlag über das gesamte Unternehmen zu bieten – mit all seinen Facetten und Aufgaben. Mit dem wohl Erfreulichsten begann er: Die Anzahl der Mitarbeiter sei seit Beginn dieses Jahres wieder gestiegen. „Es wurde kräftig eingestellt“, sagt Jüsten. Von einst 230 Mitarbeitern sank die Zahl in den schlechteren Zeiten auf 180. Nun seien es wieder über 250. „Man sieht einen Trend nach oben“, sagt Jüsten. Und das nicht nur in den Einstellungen.

„Das Werk hat Zukunft. Der Weg ist zwar noch lange nicht zu Ende und der Druck ist sehr hoch, aber wir wissen, dass es funktioniert.“ Einfach sei es auf dem Weltmarkt nicht für den Betrieb. Erwartet werde die „Null-Fehler-Quote“ bei den Produkten. Außerdem hole die Konkurrenz langsam auf. „Wir haben hier einige Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Rumbach. Er ist seit 25 Jahren im Unternehmen tätig, arbeitete zwölf Jahre lang im Hauptstandort Osnabrück und weiß: „Kupfer ist als Werkstoff nach wie vor gefragt.“ Vor allem in der Auto- und der Elektroindustrie. In jedem Tablet-PC, Smartphone, bei der Datenübertragung oder der Telekommunikation – überall sei Kupfer verarbeitet. Es habe gute Eigenschaften und „eine hohe Bedeutung – auch noch in 50 Jahren“, sagt Rumbach. Der Bereich des Infotainments im Auto wachse. Und dort werden Steckverbindungen verarbeitet. Und für die wiederum brauche man Kupfer.

Dass es der KMD derzeit so gut gehe, habe demnach auch mit der gut laufenden Automobilindustrie zu tun. „Vor allem in den USA und China läuft der Markt sehr gut“, sagt Rumbach. Auf die vielen Fragen unserer Leser, wie es um die KMD denn in Zukunft stünde, konnten Jüsten und Rumbach demnach positives Feedback geben. Zwar gebe es noch Aufgaben, denen sich das Unternehmen zu stellen hätte, aber auch dem sehen die beiden positiv entgegen. „Es gibt den Trend zur Miniaturisierung“, sagt Rumbach. Das bedeutet so viel wie: kleiner, präziser, effektiver, besser. Ein ständiger Prozess also, der in den vergangenen 440 Jahren jedoch Beständigkeit bewiesen hat.

Wertvolle Materialien

Dann war es endlich an der Zeit, sich von diesem besonderen Werkstoff selbst zu überzeugen. Mit besagter leuchtend-gelber Warnweste und weißem Helm bewappnet, stapfte die Gruppe Albert Rumbach hinterher, geradewegs in das Lager hinein. Dort durften unsere Leser goldglänzende Messingrollen, rosaglänzende Kupferrollen und Reste der wertvollen Materialien bestaunen, die wiederum für die Weiterverarbeitung eingeschmolzen werden sollen. Und dass auf dieses Gelände eine Menge Kupfer passt, lässt sich leicht erahnen: 16000 Quadratmeter Fläche bietet die KMD Stolberg. Derzeit sind dort 253 Menschen beschäftigt, sieben von ihnen befinden sich in der Ausbildung zum Mechatroniker oder Verfahrensmechaniker. „Dieses Jahr hat zum ersten Mal auch eine Frau den Abschluss gemacht“, sagt Rumbach. „Das ist wirklich etwas Besonderes und freut uns sehr.“

Hinzu kommen noch Praktikanten und bald vielleicht sogar Studenten. „Wir möchten gemeinsam mit den Hochschulen in Aachen den Studenten die Möglichkeit bieten, Bachelor- und Masterarbeiten bei uns zu schreiben“, sagt Rumbach. Ein Schritt in die Zukunft – und vielleicht ein Schritt zu jungen talentierten Mitarbeitern. „Wir haben viele langjährige Mitarbeiter“, sagt Rumbach. Einige konnten zuletzt 40-jähriges oder sogar 50-jähriges Dienstjubiläum feiern. Die Erfahrung, die diese Mitarbeiter mitbrächten, sei unbezahlbar. Dennoch sei es manches Mal gar nicht so leicht, Neuerungen durchzusetzen. Sätze wie: „Das haben wir aber sonst anders gemacht“ stünden da an der Tagesordnung. Aber das gehöre dazu. „Wir erlauben uns immer noch, ein bisschen altmodisch zu sein“, sagt Jüsten. Und dazu gehörten eben auch die älteren, aber bewährten Mitarbeiter. Denn die sind es, die tagtäglich die Anlagen bedienen, die unsere 14 Leser an diesem besonderen Tag besichtigen konnten.

Dazu gehörten neben dem Lager unter anderem auch die Glüherei, die Verzinnungsanlage, in der das Material entfettet, gespült, gebeizt, mit Schwefelsäure behandelt und in ein Zinnbad gefahren wird, der Zuschnitt, die Verpackung und der Versand – alles auf einer Ebene, alles in einer riesigen Halle. Aus diesem Grund musste die gelb-leuchtende Gruppe auch immer in der Nähe von Albert Rumbach bleiben. Er suchte Wege um die Gabelstapler herum oder ging ihnen gekonnt aus dem Weg. Da er im Gegensatz zum Rest der Gruppe einen knallroten Helm auf dem Kopf hatte, war es ein Leichtes, ihm zu folgen. Ihn zu verstehen, war manches Mal nicht ganz so leicht. Denn nicht ohne Grund tragen die Mitarbeiter der KMD Ohrstöpsel oder Kopfhörer. Jedes Wort von Albert Rumbach hat man vielleicht nicht verstanden, beeindruckend war die gesamte Anlage der KMD dennoch.

Um keine Antwort verlegen

Doch das, was unsere Leser nach rund vier Stunden Werksbesichtigung und Vortrag am meisten beeindruckt hatte, waren die Sauberkeit im Unternehmen und der offene Umgang mit Informationen seitens des Gruppen-Guides Albert Rumbach und des Geschäftsführers Johann Jüsten. Um keine Antwort verlegen, stellten sie sich den Fragen unserer Leser und nahmen sich sehr viel Zeit dafür.

Gesprochen wurde über den Altersdurchschnitt der Mitarbeiter, der bei „48 Jahren“, liege, wie Jüsten sagte, Transportwege, die Zukunft des Unternehmens und über Ehemalige. Denn mit unter den 14 Neugierigen waren Manfred Podschadel und Franz Breuer, die selbst vor 19 beziehungsweise 18 Jahren noch bei der KMD tätig waren. „Ich habe 31 Jahre hier gearbeitet“, sagt Breuer. „Aber es hat sich total verändert. Es fällt mir schwer, mich hier noch zu orientieren.“ Begeistert sind sie dennoch. Und auch Jüsten wünscht sich: „Ich hoffe, ich kann als Rentner auch mal an einer solchen Führung teilnehmen.“

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