Auf den richtigen Riecher kommt es an

Von: Luisa Houben
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Ein eingespieltes Team: Ulli S
Ein eingespieltes Team: Ulli Saus mit seiner Langhaardackelhündin Dunja vom Fuchshag. Foto: L. Houben

Stolberg. Es wird körperliche Hochleistung von Teckel „Dunja vom Fuchshag” erwartet, als sie und ihr Führer Ulli Sand zur Anschlussstelle geführt werden. Nachdem er diese untersucht und den Richtern gemeldet hat, reinigt er dem Vierbeiner die Nasenschleimhäute mit Wasser - nun kann es losgehen.

Zielstrebig und konzentriert schnüffelt sich der rote Langhaardackel durch das Unterholz des Hürtgenwaldes. Kurze Zeit später meldet Sand den drei Richtern erleichtert: „Schweiß!” Endlich hat er die Bestätigung, dass sein Teckel vorerst auf der richtigen Fährte ist.

An einem Baum macht Dunja ihren Führer auf das erste Wundbett aufmerksam. Hier sollen Haare, Bodenverwundungen und eine größere Menge Blut darauf hinweisen, dass das zu verfolgende Rotwild sich zuvor für kurze Zeit niedergelassen hat.

Die Schweißfährte, die Dackeldame „Dunja vom Fuchshag” und Ulli Saus als ihr Führer folgen müssen, wurde von den zuständigen Richtern Wilhelm Bathelt, Helmut Münter und Hans Otto Thorn für die Bundessiegersuche des Deutschen Teckel-Klub (DTK) simuliert. Zum zweiten Mal richtet die Ortsgruppe Aachen-Dreiländereck des Landesverbandes Rheinland diese Prüfung in den Revieren des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde im Naturpark Nordeifel aus. So haben sich aus den insgesamt 17 Landesverbänden des DTK 15 Teckel für diese Prüfung, die unweit von Zweifall ausgetragen wird, qualifiziert. „Es ist die hochrangigste Prüfung, die ein Teckel ablegen kann,” erklärt Josef Ramacher. Er ist zuständiger Prüfungsleiter und Vorsitzender der Ortsgruppe.

Schweißfährte aufspüren

Die Teckel müssen eine 1000 bis 1200 Meter lange Schweißfährte aufspüren und dieser folgen. Die größte Herausforderung ist dabei die Tatsache, dass die Spur aus Rotwildblut bereits mindestens 40 Stunden alt ist. „In dieser Zeit hat mit Sicherheit im Hürtgenwald lebendes Wild die Fährte gekreuzt, die Spur etwas verwischt oder aber die Witterung die Duftspur beeinträchtigt,” sagt Ramacher.

Dies wird auch „Dunja vom Fuchshag” zum Verhängnis. Zwei Mal kommen der Teckel und sein Führer 70 Meter von der Spur ab und müssen von Obmann Wilhelm Bathelt „abgerufen werden”. Er und seine beiden Kollegen beobachten das Gespann mit etwas Abstand, um die Arbeit nicht zu stören. Dabei bewerten sie nicht nur die präzise Verfolgung der Fährte und den Willen des Teckels, sondern auch die von Gehorsam und Vertrauen geprägte Zusammenarbeit mit dem Jäger. Dieser kennt seinen Teckel, nimmt ihn hoch, um ihn zur letzten eindeutigen Schweißspur zurückzubringen. Von dort starten sie einen weiteren Versuch.

Eigentlich will man als Laie meinen, dass Dackel zu langsam seien, um einen Jäger zu unterstützen - doch ganz im Gegenteil: „Ein Teckel bellt, wenn er einer Fährte folgt - wir Jäger nennen das Spurlaut. So hört das Wild, wie der Dackel langsam immer näher kommt, und bleibt dadurch wesentlich ruhiger. Das hat den Vorteil, dass ein Jäger einen viel präziseren Schuss abgeben kann. Ein großer, schneller Hund würde das Wild in Panik versetzen”, erklärt Josef Ramacher.

Jagd und „Nachsuche”

Hat ein Teckel die Bundessiegersuche bestanden kann er offiziell für die Jagd und „Nachsuche” von verletztem oder angeschossenem Wild eingesetzt werden. „Nicht nur das Bestehen der Prüfungen, sondern vor allem die praktischen Erlebnisse in der Natur bei der Jagd sind mir wichtig,” sagt Langhaardackel-Besitzer Ulli Sand. „Die Freude des Hundes ist auch meine Motivation. Es ist eine Leidenschaft, mit der meine drei Teckel arbeiten. Jeder ist unterschiedlich, und ich muss ganz individuell auf jeden eingehen,” sagt der erfahrene Teckelzüchter aus dem Landesverband Württemberg des DTK.

Ein erhofftes Erfolgserlebnis für Teckeldame Dunja bleibt an diesem Prüfungstag jedoch aus. „Heute hat es leider nicht geklappt. Ein guter Hund in guter Tagesform wäre nötig gewesen. Wildsauen, die über Nacht die Fährte gekreuzt haben, waren eine zu große Ablenkung,” muss Ulli Sand zugeben.

Bundessuchensieger werden am Ende eines für alle Beteiligten anspruchsvollen und anstrengenden Tages die Kurzhaarteckelhündin „Birka von der Stockelheide” mit Führer Rigobert Mandery und Rauhhaarteckelhündin „ Yanni von Schloß Rosenau” mit Führer Gerhard Seibel. Traditionell wird die Siegerehrung von Klängen der Jagdhornbläserkorps zu Ehren der Jägergespanne und des Wilds begleitet.

Als Solojäger dem Fuchs auf der Spur

Das Charaktertier Dackel wird auch als Solojäger für die Baujagd eingesetzt. Dabei muss der tapfere kleine Vierbeiner mit seinem ausgezeichneten Geruchssinn Füchse - früher waren es auch oftmals Dachse - aus ihrem Bau treiben.

Auf seine vielfach leistungsfähigere Nase als die eines Menschen kann sich der Dackel dabei optimal verlassen.

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