Auch in Stolbergs französischen Partnerstädten wird gewählt

Von: Leandra Kubiak
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Im Jahr 2010 wurde eine Brücke in Vicht in die „Pont de Valognes” benannt. Damit sollte die Freundschaft zu der französischen Partnerstadt ausgedrückt werden. Zuvor war bereits ein Parkplatz nach der Partnerstadt Faches-Thumesnil benannt worden. Foto: imago/Rudolf Gigler
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Der gebürtige Franzose Christian Clément in seinem Weinhandel. Er ist davon überzeugt, dass eine mögliche rechtspopulistische Regierung nichts an der Freundschaft zu Deutschland ändern würde. Foto: L. Kubiak

Stolberg. Am Sonntag in einer Woche wählen die Franzosen ihren neuen Staatspräsidenten. Schafft es beim ersten Wahlgang am 23. April keiner der insgesamt elf Kandidaten, die absolute Mehrheit zu gewinnen, so kommt es zwei Wochen später, am Sonntag, 7. Mai, zu einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erzielt haben.

Wir blicken nach Nordfrankreich und in die Normandie, auf die beiden französischen Städte Valognes und Faches-Thumesnil, mit denen Stolberg seit langer Zeit eine Partnerschaft und Freundschaft pflegt. Wie wird die Wahl ausgehen? Und welche Auswirkungen könnte es auf die Städtepartnerschaft haben, sollte Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Front National die Wahl für sich gewinnen?

In Stolberg ist man sich relativ sicher: Dazu wird es nicht kommen. Das sagt zum Beispiel Christian Clément, gebürtiger Franzose, der heute in Stolberg lebt. „Ich denke, dass das im letzten Moment verhindert wird“, sagt er. So sei es ja auch vor fünf Jahren gewesen, als schließlich François Hollande die meisten Stimmen für sich gewinnen konnte. Es sei zumindest seine Hoffnung, so Clément.

Gisela Kopp, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Faches-Thumesnil, ist sich darüber bewusst, dass die Lage in Frankreich derzeit nicht ganz einfach ist. „Unsere französischen Freunde sind geteilt“, sagt sie. Es gebe viele Probleme in dem Land, unter anderem die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Auch Kriminalität sei ein Problem. In der Region um Faches-Thumesnil zum Beispiel gäbe es derzeit viele Einbrüche. „Viele Bürger haben Angst.“ Das spalte die Nation. Gerade deshalb hofft sie aber, dass viele Menschen zur Wahl gehen. „Das sollte eine Bürgerpflicht sein, wählen zu gehen!“, findet sie. In einer Demokratie hätte der Bürger schließlich nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.

Selbst wenn Marine Le Pen gewinnen sollte, und das womöglich sogar den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union bedeuten könnte, ist Kopp überzeugt: „Für unsere Städtefreundschaft hätte das keine Auswirkungen!“ Die Partnerschaft befinde sich bereits im 28. Jahr, das sei einfach eine zu lange Zeit, als dass das Verhältnis von heute auf morgen kaputtgemacht werden könnte. Außerdem werde die Freundschaft zwischen den Städten ja von Privatleuten getragen, und über die vielen Jahre seien enge Freundschaften entstanden.

In den letzten Jahren seien die Wahlen in Valognes klar konservativ ausgerichtet gewesen, sagt Burghard Klein, Stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Valognes. Welches Wahlergebnis sich in diesem Jahr abzeichnen werde, könne er nicht sagen. Aber auch er ist überzeugt: „Das Verhältnis zu der Partnerstadt wird so bestehen bleiben!“

Die Ergebnisse der letzten Präsidentschaftswahl in den beiden Partnerstädten: Im zweiten Wahlgang stimmten in Faches-Thumesnil 54,48 Prozent für den sozialistischen Herausforderer François Hollande. 45,52 Prozent der Stimmen erhielt der damalige Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Insgesamt nahmen in Faches-Thumesnil 76,9 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht wahr.

Etwas knapper fiel das Ergebnis des zweiten Wahlgangs in Valognes aus: Hier erhielt François Hollande 51,51 Prozent der Stimmen, Nicolas Sarkozy bekam 48,49 Prozent. Die Wahlbeteiligung im normannischen Valognes lag bei 82,56 Prozent.

Etwas anders sah die Situation Ende 2015 bei den Kommunalwahlen in den beiden Städten aus. Im ersten Wahldurchgang war es Front National in Faches-Thumesnil gelungen, mit 28,22 Prozent in Führung zu gehen. Im zweiten Durchgang kam Front National auf 30,21 Prozent, die Union der Rechten holte 69,79 Prozent.

In Valognes hatte die konservative Liste im zweiten Durchgang mit 40,69 Prozent der Stimmen einen leichten Vorsprung gegenüber den Sozialisten mit 39,10 Prozent.

Das traditionelle jährliche Treffen des Partnerschaftskomitees Valognes mit den französischen Freunden wird in diesem Jahr wohl nicht in Stolberg stattfinden. „Wir werden in diesem Jahr eventuell einen Kompromiss eingehen und uns in der Mitte – also in Paris – treffen“, sagt Klein. Der Grund ist die 900-Jahr-Feier der Stadt Stolberg, die 2018 stattfindet. Im nächsten Jahr würden die Freunde also sowieso nach Stolberg kommen, und so müssten sie die Strecke von rund 700 Kilometern nicht zweimal hintereinander auf sich nehmen, erklärt Klein.

Auch das Partnerschaftskomitee Faches-Thumesnil freut sich schon auf die Aktionen und Feierlichkeiten zum runden Geburtstag der Stadt. Und auch für das Jahr 2019 gibt es bereits einen Grund zur Freude: Dann feiert die Partnerschaft ihr 30-jähriges Bestehen.

Was die 75-jährige Gisela Kopp an der Verbindung schätzt, ist vor allem der offene Austausch mit den französischen Freunden. Denn schließlich seien es ja auf beiden Seiten die gleichen Themen, die einen beschäftigen und über die man sich gerne austauscht. „Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist unerschütterlich“, ist Christian Clément überzeugt.

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