Auch im Alter weiter aktiv bleiben

Von: Michael Grobusch
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Weit mehr als Kaffeetrinken: Die Evangelische Frauenhilfe Stolberg mit ihrer Vorsitzenden Christa Oberschulte-Beckmann engagiert sich vielfältig für die Interessen ihrer Mitglieder. Foto: M. Grobusch

Stolberg. „Kaffee und Kuchen gehören einfach dazu“, stellt Christa Oberschulte-Beckmann klar. Das mag im ersten Augenblick ein bisschen ironisch klingen, ist aber keinesfalls so gemeint. Denn es sind solche Rituale, die die Teilnehmerinnen besonders am Angebot der Evangelischen Frauenhilfe schätzen.

Die lädt jeden zweiten Mittwoch im Monat zu einem Treffen ins Gemeindezentrum Frankental und einen Tag später ins Seniorenzentrum auf der Liester ein – zu einem gemeinsamen Gebet, zu einem angeregten Plausch und zu einer mitunter auch mal energischen Diskussion über ein aktuelles Thema.

Als Vorsitzende ist Christa Oberschulte-Beckmann bei allen Treffen dabei. Das war eigentlich nie so geplant, „ich bin da eher zufällig reingerutscht“. Als sich 2011 die langjährige Vorsitzende Inge Ellinghaus zurückzog und eine Nachfolgerin gesucht wurde, erinnerte man sich bei der Evangelischen Frauenhilfe an eine engagierte Krankengymnastin, die sich schon seit längerem einmal im Jahr ehrenamtlich mit interessierten Frauen der Gemeinde getroffen hatte, um sie in sportlicher Bewegung anzuleiten. Und weil die damals Angesprochene auch heute noch einräumt, „dass ich ziemlich spontan bin“, bedurfte es nur weniger Überzeugungsarbeit, um die Besetzung des vakanten Postens zu regeln.

Das lag wohl auch daran, dass die neue „Frontfrau“ nicht minder spontan eine ziemlich klare Vorstellung von dem hatte, was sie in der ihr angetragenen Position bewirken wolle. „Ich möchte die versammelten Damen ein bisschen kitzeln, sie dazu bewegen, dass sie sich mit etwas auseinandersetzen und sich im Alter nicht mit Passivität begnügen.“ Das ist, so resümiert Christa Oberschulte-Beckmann, im Großen und Ganzen wohl gut gelungen. Rund zehn Teilnehmerinnen zählt der monatliche Kreis der Frauenhilfe derzeit auf der Liester, mehr als 20 kommen regelmäßig „ins Tal“.

Kurzzeitig gab es die Überlegung, die beiden Gruppen zusammenzulegen. „Doch ich und meine Kollegin Ottilie Bartsch haben gemerkt, dass das nicht so einfach funktioniert, weil die Menschen eben doch verwurzelt sind.“ Wer vom Amselweg dennoch in die Frankentalstraße kommen möchte, wird zu den Treffen abgeholt und wieder zurückgefahren. Auch das gehört zum Angebot der Frauenhilfe, die zwar der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg angehört, gleichwohl aber ein eigener und somit auch unabhängiger Verein ist.

Der unterbreitet seinen Mitgliedern zwischen aktuell 69 und 100 Jahren nicht nur das Angebot für ein monatliches Treffen, sondern organisiert auch weitere Veranstaltungen, die in einem Jahresprogramm zusammengefasst werden. Beispielsweise einen Halbtagsausflug, ein Ferienfrühstück und die Gottesdienstgestaltung zum ersten Advent. Mitmachen können alle Frauen, die dem Verein – für einen Jahresbeitrag von nur zehn Euro – angehören. Das gilt im Übrigen auch für Katholikinnen, wenngleich die deutliche Mehrzahl der Damen evangelisch ist.

Völlig unabhängig von der Konfession werde bei den Monatstreffen über gesellschaftliche Themen und praktische Dinge gesprochen. Daraus ist schon so manche Idee resultiert, die Christa Oberschulte-Beckmann im Auge behält und bei passender Gelegenheit anbringt. Zum Beispiel gegenüber den Politikern, wenn es um die Mobilität älterer Menschen geht, die durch zu kurze Ampelschaltungen eingeschränkt wird. „Gehen sie mal mit dem Rollator durch Stolberg. Sie kommen nicht einmal bei Grün über die Straße.“

Auch der Mangel an öffentlich zugänglichen Toiletten ist vielen Seniorinnen ein Dorn im Auge. Oberschulte-Beckmann hat in Osterode im Harz erlebt, wie man nicht nur älteren Menschen entgegenkommen kann: „Dort haben Gastwirte und Geschäftsleute einen Toiletten-Wegweiser erstellt. Das ist ein hervorragender, kostenloser Service, der ganz nebenbei auch noch den Umsatz der Initiatoren erhöht, weil man vielleicht etwas kauft oder zu sich nimmt.“

Kaufen ist dann auch noch ein weiteres Thema, bei dem es aus Sicht der Vorsitzenden hakt: „Vielleicht wird es gelingen, einen Einkaufswagen zu organisieren, der alte Menschen zu verschiedenen Geschäften bringt und ihnen so den Einkauf ermöglicht.“

Langweilig dürfte es den Mitgliedern der Evangelischen Frauenhilfe alleine schon wegen dieser aktuellen Anliegen nicht werden. Und auch sonst wird es, da ist Christa Oberschulte-Beckmann sicher, genügend Gesprächsstoff geben – in geselliger Runde, und natürlich bei Kaffee und Kuchen.

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