Auch Gressenich spürt den Ärztemangel

Von: Dirk Müller
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Ein Hausarzt misst bei einem Patienten den Blutdruck. Die Praxis von Dr. Kamil Krasny wird künftig auch die Hausbesuche in Gressenich übernehmen müssen. Foto: dpa
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Dr. Kamil Krasny will von Mausbach aus Gressenicher Patienten betreuen.

Stolberg. Das ortsnahe Angebot von Hausärzten stellt sich im Gebiet der Kupferstadt durchaus unterschiedlich dar. Während in manchen Stadtteilen ein oder gleich mehrere Allgemeinmediziner zur Verfügung stehen wie beispielsweise in Breinig, wo rund 20 Prozent der Stolberger Hausärzte angesiedelt sind, gibt es andernorts auch Versorgungslücken.

In Gressenich gibt es seit Anfang des Jahres gar keinen Hausarzt mehr. Davon betroffen sind auch Werth und Schevenhütte. „Damit sind rund neun Prozent der Stolberger, also etwa 5000 Bürger, in drei Stadtteilen ohne Allgemeinmediziner in ihrer Nähe“, sagt Peter Jussen.

Auf Misere angesprochen

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Süd sei von den Einwohnern mehrfach auf die Misere angesprochen worden, so dass der OV zu einer Informationsveranstaltung im Gressenicher Pflegezentrum „Die helfende Hand“ eingeladen habe. Dort war das Interesse groß, als Jussen und sein Parteikollege Josef Hansen sowie Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die Lösung für die arztlosen Stadtteile in Person von Dr. Kamil Krasny präsentierten. „Ich werde den freien Sitz übernehmen“, sagte Krasny, erklärte jedoch, dies von seiner bereits bestehenden Praxis in Mausbach aus zu tun. Einen Arzt in Gressenich wird es also weiterhin nicht geben, einen für Gressenich, Werth und Schevenhütte aber schon.

Krasny stelle einen zweiten Allgemeinmediziner ein, um die hausärztliche Versorgung in den Stadtteilen gewährleisten zu können. Rezepte für zur Neige gehende Medikamente etwa könnten in vielen Fällen auch telefonisch geordert werden, mit dem Apotheker Georg Blatzheim sei bereits vereinbart, dass dieser den Patienten dann die Pharmazeutika noch am selben Tag ins Haus liefere. Da sich kein Hausarzt gefunden habe, der den freien Sitz vor Ort in Gressenich übernehmen möchte, begrüßte auch Gatzweiler den geschlossenen Kompromiss.

Was die derzeitige Situation anbelangt, äußerte der Bürgermeister allerdings Vorbehalte: „Wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen bleiben, wie sie sind, steht zu befürchten, dass wir in vielen Bereichen wohnortnahe weiter Hausärzte verlieren.“

Einwohnerzahl maßgebend

Das zugrunde liegende Problem besteht in der Zulassungsverordnung von Vertragsärzten und der Bedarfsplanung, die von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) umgesetzt wird. „Die Bedarfsplanung differenziert bei der Festlegung von Einzugsbereichen nicht nach einzelnen Vororten und Stadtteilen. Für die Feststellung über die Anstellung von Haus- und Fachärzten wird die Einwohnerzahl der Stadt in Relation zur Anzahl der notwendigen Haus- und Fachärzte insgesamt zugrunde gelegt“, beschreibt Norbert Effenberg, stellvertretender Geschäftsführer der Bezirksstelle Köln der KV Nordrhein den Status Quo.

2012 habe es in Stolberg 32 Allgemeinmediziner gegeben, was einem Versorgungsgrad von 104,6 Prozent in der Kupferstadt entsprochen habe, erläutert Karin Hamacher, Pressereferentin der KV Nordrhein. Grundsätzlich gebe es zwar momentan noch keinen gravierenden Ärztemangel in der Region, aber die Verteilung sei nicht immer optimal, räumt Hamacher ein: „In attraktiven Standorten kommt es bisweilen zu einer Überversorgung. Weniger gefragte, oft ländlichere Gebiete haben es hingegen manchmal schwer, Ärzte zu finden.“

Daher werde als Konsequenz aus dieser Entwicklung noch in diesem Jahr eine neue Bedarfsplanung in Kraft treten. „Bei dem überarbeiteten Konzept werden Neuzulassungen künftig in Gebiete mit Bedarf gewiesen.“ Alteingesessene Ärzte müssten deswegen nicht umsiedeln, wenn sie aber ihren Sitz – etwa aus Altersgründen – abgeben, werde neu entschieden, wo die Nachfolger sich niederlassen dürfen. „Die künftige Bedarfsplanung wird kleinteiliger sein und sich auch auf Regionen beziehen, um eine flächendeckendere Versorgung mit Hausärzten zu ermöglichen“, stellt Hamacher in Aussicht.

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