Atscher Bürger retten ein Stück Geschichte

Von: Toni Dörflinger
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Ein Gerüst musste aufgebaut w
Ein Gerüst musste aufgebaut werden, um die sieben Meter hohen Denkmäler reparieren zu können. Ende dieser Woche hoffen die ehrenamtlichen Helfer, ihre Arbeit abschließen zu können.

Stolberg-Atsch. Es regnet. Das ist aber kein Grund für Jürgen Jansen, Uwe Müller und Marcell Richter, die Kelle aus der Hand zu legen und die Maurerarbeiten zu unterbrechen. „Starkregen können wir aber nicht gebrauchen. Dann wird der Mörtel nicht nur angefeuchtet, sondern förmlich weggeschwemmt”, schränkt Müller ein.

Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er sich die Restaurierung der im Berthold-Wolff-Park gelegenen Schmelzöfen zur Aufgabe gemacht. Sie soll dem fortschreitenden Verfall der um 1800 errichteten Bruchsteinbauten entgegenwirken und zu deren dauerhaftem Erhalt beitragen.

Wasser war in das Mauerwerk eingedrungen und hatte dafür gesorgt, dass sich etliche Steine sich gelöst hatten. „Es war meine Frau Ursula, die den Schaden bemerkt und sofort den Eifelverein Stolberg alarmiert hat, der seinerseits dann auf das Hochbauamt zugegangen ist”, berichtet der Stuckateurmeister, der Erfahrung in der Restaurierung von Baudenkmälern besitzt.

Den Eifelverein hat Ursula Müller nicht nur eingeschaltet weil sie und ihr Mann dort im Vorstand engagiert sind - sie als Naturschutzwartin und er als stellvertretender Vorsitzender -, sondern weil kulturelle Aufgaben generell zu den Schwerpunkten des Vereins gehören. Allerdings fehlte dem Eifelverein für die Restaurierung der althergebrachten Schmelzöfen schlichtweg das erforderliche Geld. Diese Lücke schloss Müller, indem er nicht nur Material und Arbeitskräfte zur Verfügung stellte, sondern auch Fachwissen und Arbeitsstunden einbrachte.

Begonnen haben die ehrenamtlichen Helfer ihre Arbeiten bereits im September, immerhin müssen im rechten oberen Bereich rund neun Quadratmeter Mauerwerk ersetzt werden. „Die Mauer besteht aus zwei Schalen. Am ärgsten betroffen ist die äußere Schale”, erklärt der Fachmann, der in diesem Bereich neue Bruchsteine einsetzt, die er zuvor mit einem aus Trass und Zement bestehenden Spezialmörtel versehen hat.

Die Steine entnimmt Uwe Müller einem am Fuß des technischen Denkmals liegenden Schutthaufen. „Verwendet wird nur das aus den Öfen stammende Originalmaterial”, versichert der 49-Jährige, der beruflich derzeit historisches Baumaterial beim Wiederaufbau zweier regionaler Bauernhöfe einsetzt. Müllers Fürsorge gilt dabei im Berthold-Wolff-Park nicht nur der äußeren, sondern auch der inneren Schale. Schließlich ist auch dort das Mauerwerk brüchig. Um auch diesem Bereich mehr Halt zu geben, hat er im Verlaufe der Arbeiten rund 150 Sicherungsanker aus Edelstahl eingesetzt.

Zu dem in der Atsch gelegenen Müllerschen Betrieb gehören auch die Mitarbeiter Marcell Richter und Jürgen Jansen. Sie stellten sich ebenso wie ihr Chef unentgeltlich für den Wiederaufbau der historischen Öfen zur Verfügung, und „opfern” dafür immer freitags und samstags einige Stunden ihrer Freizeit. „Die städtischen Kassen sind leer. Ohne das Engagement der Bürger sind Erhalt und Pflege der Denkmäler schwierig”, ist Müller überzeugt, dessen Kollege Richter meint: ”Die Öfen sind quasi Zeitzeugen. Sie dokumentieren eine längst vergangene Epoche. Sie für die Nachwelt zu erhalten, ist eine schöne Aufgabe”.

Unterstützt werden die Idealisten von Roland Tauber vom städtischen Hochbauamt. Er stellte Logistik zur Verfügung und hatte die Kollegen des Technischen Betriebsamtes informiert, die dann ihrerseits die Umgebung der alten Schmelzöfen von störenden Bewuchs befreiten. Auch wenn für Ende dieser Woche der Abschluss der Bauarbeiten geplant ist, hat Uwe Müller noch Pläne für die Zukunft. „Ein Rundweg sollte dafür sorgen, dass die Öfen nicht nur von vorne, sondern auch von hinten besichtigt werden können”, schlägt er vor. „„Dazu gehört für Führungen auch eine Öffnung und Beleuchtung des Innenraumes.”

Die Kelle müssen die fleißigen Handwerker am frühen Nachmittag schließlich doch noch aus der Hand legen. Der Regen ist stärker geworden und erfordert zumindest für diesen Tag eine vorzeitige Beendigung der Sicherungsarbeiten. Die unvorhergesehene Pause sorgt zwar für eine Verzögerung, den Erfolg der Maßnahme aber kann sie nicht gefährden. Die Ehrenamtler werden ihr ebenso ehrgeiziges wie vorbildliches Ziel erreichen und die historischen Baudenkmäler vor der Zerstörung retten - ganz ohne städtische Gelder.
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