Stolberg - Artibus wird spannender und euregionaler

Artibus wird spannender und euregionaler

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Die Stolberger Burg hat Renomee. Als ein Ort mit Atmosphäre für Konzerte wie für Ausstellungen von Rang und Namen genießt das Wahrzeichen der Kupferstadt über die Grenzen hinaus eine Anerkennung, die während der zurückliegenden Jahrzehnte erarbeitet wurde.

Der Vermerk in einer Ausstellung - früher im Rittersaal, später in der Galerie der Burg - machte sich schon seit jeher gut in der Künstler-Biografie.

In jüngerer Zeitrechnung waren in der Kupferstadt schon renommierte Aussteller zu bewundern, die kurze Zeit später wichtige Preise der Szene einheimsten: Gu Liming, Chen Xin, Christoph Platz, FD Schlemme, Judith Sturm oder Rolf Mallat sind solche Namen, die eine junge Ausstellungsreihe in der Galerie der Stolberger Burg den Stempel verlieh, qualitativ hochwertige zeitgenössische Kunst zu präsentieren. 2007 feierte die „Artibus”-Reihe ihre Premiere.

„Interessante Herausforderung”

Ins Leben gerufen wurde sie von Max Krieger, der wenige Monate zuvor mit der Aufgabe des Kulturmanagements für Stolberg betraut worden war. Für die künstlerische Leitung hatte Krieger für drei Jahre die Eschweiler Galeristin Anita Engert gewonnen, die mit Artibus neue Kunstkreise für die Kupferstadt interessierte. Während sich Engert weiter in Richtung Mönchengladbach orientierte, übernahm im vergangenen Jahr Karl-Heinz Oedekoven die Organisation bei „Artibus”.

Im Frühjahr 2008 hatte Ehefrau Christa Oedekoven mit der „Steinweg-Galerie” in der Fußgängerzone eine weitere Perle in der Kette der kulturellen Aktivitäten im Schatten der Burg eröffnet. Und mit Oedekoven, der bereits in den 80er Jahren mit den „Kleinen Kunstausstellungen im Kupferhof Grünenthal” Akzente gesetzt hatte, rückte für den befreundeten Dr. Dieter Boeminghaus die Kupferstadt immer stärker ins Visier des Interesses.

Der emeritierte Professor für Design an der Aachener Fachhochschule ist selbst künstlerisch aktiv, arbeitet im heimischen Monschau und ist Präsident der „Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen” - kurz EVBK - mit Sitz in Prüm: Dort ruht in der Abtei Kaiser LotharII., ein Enkel Karls des Großen, dem sich die Künstler aus der deutschen, belgischen und luxemburgischen Eifel eng verbunden fühlen, denn seit 1958 loben sie den Kaiser-Lothar-Preis und seit 1993 auch einen Förderpreis aus.

„Ebenso international gewandt wir erfahren mit der Kunstszene” ist denn auch Prof. Dr. Dieter Boeminghaus, den Kulturmanager Max Krieger als neuen künstlerischen Leiter der Artibus-Reihe in der Stolberg vorstellte. In Kooperation mit der Steinweg-Galerie wird Boeminghaus nun die Fäden auf der Burg nicht nur bündeln, sondern sie auch stärker als bisher euregional aufstellen.

„Das ist ein interessantes Projekt”, sieht Boeminghaus seine neue Aufgabe durchaus als eine positive Herausforderung an. „Stolberg bietet eine einzigartige Situation”, lobt der neue Artibus-Macher und blickt gleich über die Zinnen hinaus. Die Galerie der Burg biete mehr als einen Raum, in dem Kunst professionell präsentiert werden könne.

Das Ambiente des von den Stolbergern hoch geschätzten Wahrzeichens biete noch jede Menge Mehrwert - für Aussteller wie Besucher - mit ihrer Altstadt, ihrer Gastronomie und ihrer Kunstszene. Für Boeminghaus ein Ensemble, das peu a peu entwickelt werden will: „Ich habe eine Fülle von Ideen und jede Menge Vorstellungen”, sagt der Professor - und doch würden sich solche Details wie im Rahmen eines Schaffensprozesses zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführen lassen.

Ein Bild, das auch für das neue Ausstellungskonzept der Artibus-Reihe passt. Sie wird euregionaler, sie wird vielfältiger, sie wird unterschiedlicher in den präsentierten Techniken, sie wird musikalischer, sie wird spannender und sie wird über den Raum der Galerie hinaus ausgedehnt, verspricht Boeminghaus.

Fünf Ausstellungen mit neun Künstlern aus vier Nationen, die am Ende zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk werden sollen, verdeutlichen schon einmal den Anspruch. Aus einer Reihe von Ausstellungen wird ein Schaffensprozess auf dessen Weg sich das Ziel noch wird finden müssen. Weil das eine ganz schön spannende Geschichte sein kann, will Boeminghaus auch das Publikum stärker an die Kunst heranführen und es intensiver beteiligen. „Wie erlebt man Kunst” wird quasi als fünfbändiges Erläuterungs-Lexikon bei den Ausstellungen parallel geschrieben und bei den Einführungen vor Ort mit Leben gefüllt. „Wir werden auf diesem Weg zum Kunsterlebnis jedes Mal einen Schritt mehr machen”, möchte Boeminghaus die Besucher kontinuierlicher zur Burg locken.

Außerdem korrespondieren die Ausstellungen mit weiteren publikumsintensiven Veranstaltungen: dem Tag der offenen Galerien am 1. Mai, der Aktion Kunst rund um am 28.August und der Museumsnacht am 5. November.

Zu großer Resonanz beitragen soll auch eine kleine Exklusiv-Kollektion, die jeder Künstler eigens für Artibus kreieren soll. „Neben den großen Exponaten soll es eine Serie kleinerer, exquisiter Exponate geben, die auch für Normalsterbliche erschwinglich sind”, schwebt Boeminghaus eine Auflage von jeweils zehn Werken vor. Will man die Artibus-Kollektion 2011 komplett haben, wird man wohl bei allen fünf Ausstellungs-Eröffnungen dabei sein müssen.

Neben diesem „interessanten Projekt” wird man aber auch musikalisch belohnt: Ales Vega, als Fotograf selbst Aussteller der aktuellen Artibus-Reihe, wird mit seiner Kombo in unterschiedlicher Besetzung jede Vernissage auch musikalisch untermalen. Auch dies gilt als spontaner Schaffensschritt auf dem Weg zu einem Gesamtkunstwerk.

Neun Künstler aus vier Nationen

Ihren Beitrag dazu leisten wird beispielsweise die Luxemburger Malerin Martine Marson mit figürlichen Farbzeichnungen. Drei ebenso farbintensive wie unterschiedlich gestaltete Grüße aus Brasilien tragen Simone Campos, Adria Moura und Lucia Hinz bei - allesamt berühmte Künstlerinnen nicht nur in ihrem Heimatland.

Beim dritten Termin treffen großformatige Stahlkonstruktionen, die den Anschein der Leichtigkeit vermitteln, aus der Hand von Peter Henn aus Konzen auf die großformatigen Fotografien des in Aachen lebenden Italierners Ales Vega, während beim vierten Termin farbintensive, großformatige Gemälde von Gudrun Engelke aus der Eifel sie mit den feinen und detailreichen Bronzeskulpturen und ihren Ton-Matritzen von Klaus Gehlen aus Mützenich die Ausstellungsflächen teilen. Mit den faszinierenden Möglichkeiten, mittels Computer dem Wahrhaftigsten auf die Spur zu kommen, füht Spiritaner-Pater Heinz Sand aus dem Kloster Knechtsteden den finalen Part in das Gesamtkunstwerk der Artibus-Reihe 2011 ein.

Vorpremiere am 21. Februar

Wie dieses am Ende aussehen könnte, davon kann man sich bei einer Vorpremiere auf die Ausstellungsreihe schon einmal einen ersten Eindruck verschaffen. Denn erstmals wird im neuen Artibus-Jahr eine Einführungsveranstaltung angeboten, an der alle neun Künstler teilnehmen sollen. Die Appetithappen auf Artibus werden serviert am Montag, 21. Februar, um 19 Uhr in der Galerie der Stolberger Burg.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert