Arndt Kohn ist der erste Stolberger im EU-Parlament

Von: Sarah-Lena Gombert
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Stolberg/Brüssel. Der Weg zur Arbeit wird für Arndt Kohn in den kommenden Jahren ein wenig komplizierter als bisher: Seitdem klar ist, dass Martin Schulz aus Würselen bei der Bundestagswahl im Herbst als Kanzlerkandidat der SPD antreten wird, hat sich der Vichter darauf vorbereitet, seinen Sitz im Europaparlament einzunehmen. Anfang März war Dienstantritt in Brüssel für den 36-Jährigen.

Für seine Partei sitzt Kohn seit 2014 im Stolberger Stadtrat, steht unter anderem dem Kinder- und Jugendausschuss vor. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbands und Beisitzer im SPD-Unterbezirksvorstand in der Städteregion. Seit wenigen Tagen ist er als Koppelkandidat von Martin Schulz – mindestens bis zur Europawahl im Jahr 2019 – außerdem Europaparlamentarier. Ein erstaunlicher Karrieresprung für einen, der in seiner politischen Karriere bislang eher im Hintergrund gewirkt hat. Mit unserer Zeitung hat Arndt Kohn über seine neue Aufgabe gesprochen.

„Dass Sigmar Gabriel sich gegen die Kanzlerkandidatur entschieden hat, hatte mich schon etwas überrascht“, sagt Arndt Kohn, der bislang hauptberuflich als Finanzbeamter tätig war. Doch die Entwicklungen innerhalb der Partei, die Umfragen und auch die vielen neuen Mitglieder sieht er als Zeichen dafür, dass es die richtige Entscheidung von Gabriel war.

„Mit dieser Entscheidung wurde es auch schnell konkret und ich wusste, dass ich bald den Platz von Martin Schulz im Europaparlament einnehmen werde“, sagt Kohn. Es folgten mehrere Besuche in Brüssel und in Straßburg, um schon einmal mit Kollegen und Mitarbeitern der Fraktion in Kontakt zu kommen. Eine Rede des österreichischen Präsidenten Alexander van der Bellen vor dem Parlament habe ihn sehr beeindruckt.

Mit Europa ist Kohn als ein Kind der Grenzregion aufgewachsen, wie er erzählt. „Ob ich nun zu meiner Großtante nach Spa gefahren bin oder zum Einkaufen in die Niederlande – Europa nimmt man ja hier bei uns mit der Muttermilch auf“, sagt Kohn. Und die EU beginnt für ihn schon mit den kleinen Dingen des Alltags, die aber eine große Wirkung haben: „Es ist für unsere Region eine enorme Erleichterung des Alltags, dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt und nur noch eine Währung.“

Früher hatten viele Menschen aus Stolberg immer auch ein paar belgische Francs oder niederländische Gulden im Portemonnaie. „Das ist Geschichte“, sagt Kohn. Genauso wie es bald die Roaming-Gebühren für das Telefonieren mit dem Handy im europäischen Ausland sein werden. „Schon aus diesem Grund ist die Europäische Union für mich etwas unglaublich Wertvolles.“

Kohn wird neben der Arbeit im Parlament selbst auch in zwei Ausschüssen vertreten sein: Im Haushaltskontrollausschuss sowie als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz. „Ich denke schon, dass mir meine berufliche Erfahrung als Finanzbeamter bei meiner Arbeit gute Dienste leisten wird“, sagt der Familienvater. Doch er ist sich auch sicher, dass er mit seinen Aufgaben wachsen wird. Beim Einarbeiten in den neuen Job kann ihm Kanzlerkandidat Schulz derzeit nicht wirklich helfen, räumt Kohn schmunzelnd ein, der habe andere Sachen zu tun. „Aber wir telefonieren regelmäßig.“

Kohn nimmt seine Aufgabe im Parlament in einer Zeit war, in dem die Europäische Union mehr denn je um Rückhalt in den Mitgliedsstaaten kämpfen muss: Brexit, die Griechenlandkrise und die Uneinigkeit der Länder im Zuge der Flüchtlingskrise oder auch die Debatten um Freihandelsabkommen sind da nur einige Stichworte. Skepsis der Bürger kann Kohn grundsätzlich nachvollziehen, „und nicht jeder, der die EU kritisiert, ist gleich ein Populist.“ Um die Menschen dennoch für die Idee Europa zu begeistern, seien für ihn zwei Dinge wichtig. „ Erstens muss die Europäische Union als solche handlungsfähig sein. Dafür müssen nationale Interessen nun einmal etwas in den Hintergrund rücken.“

Beispielsweise müssen die Nationalstaaten in der Flüchtlingspolitik endlich an einem Strang ziehen, auch in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik sowie im Welthandel. Zweitens könnten aber auch viele Dinge sicherlich vor Ort besser umgesetzt werden, weil dort die Expertise liegt. „Auf kommunaler Ebene weiß man eben am besten, wofür beispielsweise Fördermittel eingesetzt werden sollten“, sagt er. Der Dorfladen in Vicht sei für ihn ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Europa für die Menschen vor Ort sein kann.

Auch wenn er in den kommenden Monaten und Jahren viel im belgischen und französischen Ausland unterwegs sein wird: Stolberg wird Kohn auch politisch weiterhin treu bleiben. „Brüssel und Straßburg sind wirklich zwei faszinierende Städte. Aber mein Amt als Stadtrat werde ich weiter fortführen“, sagt er, „schon um darüber informiert zu bleiben, was die Themen in meiner Heimatstadt sind und wo bei den Leuten der Schuh drückt.“

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