Arbeitsrichter entscheiden über den Fortgang bei CAE

Von: Jürgen Lange
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Wollen die Stolberger CAE mit
Wollen die Stolberger CAE mit neuen Projekten zukunftsfähig aufstellen: Personalleiter Thies Sander (l.) und Geschäftsführer Ulrich Aderhold. Foto: J. Lange

Stolberg. Der Betriebsrat möchte zügig Gewissheit erreichen über das Schicksal der Belegschaft, die Geschäftsführung ebenso für ihre Personalplanung zur Restrukturierung der CAE Elektronik GmbH.

Doch der Weg dorthin ist zwischen beiden Seiten strittig, obwohl sie konsequent ihre ständige Gesprächsbereitschaft betonen. „Wir haben jetzt die Einigungsstelle angerufen, um das Verfahren zu beschleunigen und dem Ablauf ein klares Korsett zu geben”, argumentiert Personalchef Theis Sander. Das weitere Prozedere des geplanten Abbaus von 145 Arbeitsplätzen, etwa einem Drittel der Belegschaft des Rüstungsspezialisten, wird in Kürze die Arbeitsrichter beschäftigen. „Trotzdem stehen wir jederzeit für Verhandlungen offen und haben immer wieder Gespräche angeboten”, betont Geschäftsführer Ulrich Aderhold.

„Wir möchten aber auf gleicher Augenhöhe mit der Geschäftsführung sprechen”, sagt Martin Peters. Der Sekretär der IG Metall verweist auf den von Arbeitnehmerseite eingesetzten Sachverständigen, der die wirtschaftliche Lage des Stolberger Unternehmens beleuchten soll. „Ist der Abbau der Beschäftigten in dem Ausmaß überhaupt notwendig oder gibt es Alternativen”, beschreibt Erich Meyer die Aufgabe.

Doch der gemeinsam mit der Belegschaft erarbeitete Fragenkatalog des Sachverständigen sei in Kernpunkten von der Geschäftsführung bis jetzt noch nicht komplett beantwortet worden; erst vergangenen Freitag sei ein vorläufiger Jahresabschluss für 2010 vorgelegt worden. „Immer wieder wurden uns von der Geschäftsführung Termine diktiert, um über einen Interessensausgleich zu verhandeln, aber wir können darüber erst diskutieren, wenn alle Informationen auf dem Tisch sind”, macht der Vorsitzende des Betriebsrates deutlich.

Die Lesart der Geschäftsführung ist eine andere: „Wir haben alle erforderlichen Informationen geliefert, aber teilweise wurden Daten angefordert, die uns gar nicht vorliegen”, sagt Sander. „Wir halten nichts hinter dem Berg”; die Geschäftsführung sei bemüht, die gewünschten Zahlen zu liefern. Inwieweit dem gesetzlichen Informationsbedarf genüge getan ist und beide Seiten über einen Interessensausgleich zu sprechen haben, entscheidet nun das Gericht.

„Die Stimmung in der Belegschaft ist schlecht”, betont Meyer. Junge wie lang gediente Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, sagt der Betriebsratsvorsitzende auch mit Blick auf das Weihnachtsfest.

Zu diesem Zeitpunkt wünschen sich Aderhold und Sander Klarheit zu haben. Zwar sei das angestrebte Ziel der Restrukturierung der CAE der 31. März, aber das avisierte Ausscheiden von Mitarbeitern richte sich nach dem Abschluss der auslaufenden Projekte.

„Rückfall in die 80er Jahre”

„Das wird bei manchen sicherlich bis Mai dauern”, prognostiziert Aderhold, weil Investitionsentscheidungen der Kunden sich verzögert hätten. Erich Meyer sieht den Grund dagegen in einem Projektbeginn „in Unterzahl”. Der Betriebsrat wirft der Unternehmensleitung vor, zu spät auf die absehbare Entwicklung beim Hauptkunden Bundeswehr reagiert zu haben. „Man hätte schon früher neue Märkte erschließen müssen”, registriert Meyer auch einen zunehmenden Konkurrenzdruck.

Den nimmt nicht nur die Geschäftsführung in Stolberg, sondern auch der kanadische Mutterkonzern in Montreal wahr. Und reagiert darauf: Von Stolberg aus erfolgt der Vertrieb der CAE-Produkte in Europa, Afrika, Türkei und Rußland. Aber „Neuentwicklungen werden nun global in Kanada generiert”, erklärt Ulrich Aderhold. „Wir passen die Produkte hier den speziellen Anforderungen der Kunden vor Ort an” - in erster Linie für den deutschsprachigen Raum.

Sicherlich würde die Stolberger CAE auch weiterhin auf Kundenwunsch gerne individuelle Entwicklungsarbeit leisten. Allein der Markt dafür sei gering. „Wenn wir uns dem Wettbewerb stellen müssen, müssen einfach wir kostengünstige Lösungen finden”, unterstreicht Aderhold. Und die biete nun einmal das kanadische Mutterhaus dank einer spürbaren staatlichen Förderung.

Als große Chance biete insbesondere die Bundeswehr-Reform der CAE aber die Gelegenheit, ihr Know-how als Dienstleiter einzusetzen: Als Entwickler und vor allem Betreiber von Simulations- und Trainingszentren, die das Militär zunehmend outsource. Diese Unternehmenssparte biete für die Zukunft lukrative Geschäftsfelder neben dem Kerngeschäft des Simulatorbaus, verweist Aderhold auf eine Internationalisierung von Gefechtssimulationen und der Ausbildung von Heeresfliegern sowie auf Kompetenzzentren für Tornado- und Marineflieger-Piloten und neue Märkte im Bereich des Sanitätswesens und der unbemannten Flugobjekte, aber auch auf zunehmend zivile Nutzungen. Beispielsweise die Simulation von Katastrophen-Szenarien für Führungskräfte und Notfallrettung.

Ein simulationsgestütztes maritomes Ausbildungs-, Schulungs- und Trainingszentrum wird projektiert. „Die Stolberger CAE hat eine gute Zukunftsperspektive”, ist sich Aderhold sicher, aber sie werde nur mit einer geringeren Anzahl von Mitarbeitern - mit rund 400 - erlebbar werden, wobei bereits Aufträge einkalkuliert seien, für die noch kein Zuschlag erteilt wurde.

„Verändert man bei den Zukunftsprognosen auch nur ein Prozent, erhält das zahlreiche Arbeitsplätze”, hält diesen Perspektiven Betriebsrat Meyer entgegen. Und Sekretär Martin Peters macht unmissverständlich klar, dass das Ziel der Gewerkschaft der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze in Stolberg ist. „Die Zahl 145 ist zu hoch gegriffen”, sagt Peters: „Das ist eine politische Zahl, um die Profiterwartungen der kanadischen Muttergesellschaft zu erfüllen.” Am Montag wird ein vorläufiges Gutachten des Sachverständigen der Arbeitnehmer mit der Geschäftsführung abgestimmt. „Wir werden nicht blinden Auges in weitere Verhandlungen gehen”, betont Erich Meyer. Wobei sich beide Seiten in einem Punkt wieder einig sind.

Bei der Zahl der abzubauenden Arbeitsplätze - es sollen 85 in der Produktion und 60 im administrativen Bereich sein - werden Eigenkündigungen und befristete Arbeitsverhältnisse abgezogen bevor über Vorruhestand und Kündigungen auf Basis der Sozialauswahl verhandelt werde. Gut 20 Mitarbeiter haben sich bereits einen neuen Arbeitgeber gesucht.

Und während Ulrich Aderhold die Belegschaft lobt, weil sie trotz des Personalabbaus „positiv und toll mitarbeitet”, beklagt Erich Meyer das Fehlen von „Wertschätzung, Motivation und sozialer Veranwortung”. Für den Betriebsrat ist die neue Unternehmensstruktur ein Rückfall in die 80er Jahre, als kanadische Produkte für den europäischen Markt umgebaut wurden. „Damals haben wir hier für die UH-1D einen Simulator mit zwölf Hubschraubern entwickelt, mit dem man sogar den Verbundflug trainieren kann”, erinnert sich Meyer. „Mit solchen Herausforderungen wurde seinerzeit das Tor zur Zukunft aufgestoßen”.
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