Aachen/Stolberg - Anwälte vor Gericht: Gewerbsmäßige Untreue bestritten

Anwälte vor Gericht: Gewerbsmäßige Untreue bestritten

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Rechtsanwälte
Die Stolberger Rechtsanwälte Günther J. (l.), Christoph W. (2.v.r.) sollen Gelder ihrer Mandanten veruntreut haben. Elke D. wird vorgeworfen, bei der Vertuschung geholfen zu haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Stolberg. Wenn Anwälte dort sitzen, wo sich ansonsten ihre Mandanten befinden, nämlich auf der Anklagebank, steht ihnen ähnlich deutlich der Schweiß auf der Stirn. Nicht anders erging es dem Hauptangeklagten, Rechtsanwalt Günther J. (65) aus Stolberg, der nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in den Jahren 2009 bis 2014 rund 110.000 Euro an Mandantengeldern sowie Geldleistungen an Sachverständige oder Gerichte unterschlagen haben und für private Zwecke genutzt haben soll.

Der Jurist bestritt am Dienstag vor der 1. Große Strafkammer (Vorsitz: Richter Markus Vogt) die angeblichen Taten vehement und nachdrücklich, führte später in seiner Einlassung zur Sache aus, dass ihr einstiger Mitarbeiter, ein Jurist mit Professur, ihnen nach dessen Kündigung erheblich habe schaden wollen. Bei seinem erzwungenen Abschied habe jener gedroht, er werde diese „Kanzlei zerstören und ihnen die Behörden auf den Hals schicken“.

Als weiteren Mittäter führte die am Dienstag von Oberstaatsanwalt Burchard Witte verlesene Anklageschrift den Sozius der Kanzlei, den Anwalt und Notar Christoph W. (61), auf sowie die langjährige Fachangestellte Elke D. (56). Christoph W. soll für 32.000 Euro veruntreute Gelder verantwortlich sein, die Fachangestellte habe in wenigen Fällen, hier ging es um einen Betrag von 4500 Euro, Beihilfe geleistet.

Die beiden Anwälte betrieben ihre umfangreiche Kanzlei bis 2016 in Aachen, dort in der Oppenhoffallee. Als die Vorwürfe publik wurden, ließen sie sich in ihrem Heimatort Stolberg nieder, wo sie nach wie vor als Anwälte tätig sind.

Der Vorsitzende der Kammer, Richter Markus Vogt, hatte am ersten Verhandlungstag noch vor dem Eintritt in die Beweisaufnahme ein Angebot „aus dem Hut gezaubert“: Falls die Beklagten ein umfängliches Geständnis ablegten, sei man von Seiten des Gerichts zu der Vereinbarung bereit, für beide eine zweijährige Bewährungsstrafe anzusteuern, für Elke D. sei sogar, präzisierte Staatsanwalt Witte, sogar nur „einen Geldstrafe“ drin.

„Nicht annehmbar“

Auf das Angebot erwiderte unmittelbar J.‘s Verteidiger Norbert Hack: „Das ist nicht annehmbar“, sagte er brüsk. Und sein Mandant machte deutlich, dass man in dieses Strafverfahren getrieben worden sei, obwohl man „die Polizei und die Staatsanwaltschaft frühzeitig auf die besonderen Umstände der Sache hingewiesen“ habe.

Für die Anwälte steht viel auf dem Spiel, nicht nur ein Berufsverbot wäre denkbar, sondern ihr Ruf wäre unwiderruflich dahin. Denn die Vorwürfe wiegen auf den ersten Blick schwer.

Danach soll die Angeklagten für die Veruntreuung von Geldern in 43 Fällen verantwortlich sein, die sie eingenommen und nicht vollumfänglich an die Adressaten weitergegeben haben sollen. Die Anwälte hätten Kanzleikonten und Fremdgeldkonten vermischt, ein sogenanntes Anderkonto sei zunächst überhaupt nicht vorhanden gewesen.

Die zu Unrecht einbehaltenen Gelder seien zu persönlichen Zwecken verwandt worden, so beispielsweise 1700 Euro als Beitrag von Günther J. für einen Aachener Golfclub. Immer wieder ging es in der Anklageschrift um Gelder, die aus vielfältigen Aktivitäten für umfangreiche Rechtsstreite unter Firmen oder aus Einzelforderungen resultierten.

„Nicht weitergeleitet“

Da soll die Kanzlei, beispielsweise in einem Fall von 2013, mal 20.000 Euro für die Mandantschaft eingenommen, dann aber nur rund 16.000 Euro weitergeleitet haben. Da gab es laut Anklageschrift Forderungen von Sachverständigen, die zu spät beglichen wurden, immer wieder tauchten Unfallsachen auf, deren Abrechnung nicht korrekt gehandhabt worden sei.

Günther J. bestritt dies: „Bei diesen Fällen sind teilweise Freunde und mein Nachbar darunter. Sie sprechen noch alle mit mir, ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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