Ansturm auf Abwrackprämie ist riesengroß

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
autoschrott-bu
Besitzer von Pkw, die mehr als neun Jahre alt sind, stehen bei ihm Schlange: Rainer Bonnie verschrottet Altautos wie diesen Daihatsu und zertifiziert diesen Vorgang für den Erhalt der Umweltprämie. Foto: K. Linden

Stolberg. Rainer Bonnie kann sich vor Kundschaft im Moment kaum retten. Jeden Tag stehen Leute auf seinem Hof in der Steinfurt, die ihr altes Auto verschrotten lassen möchten. 2500 Euro Abwrackprämie verspricht die Bundesregierung für jeden mindestens neun Jahre alten Wagen, wenn dessen Besitzer sich zugleich für den Kauf eines Neuwagens oder unter bestimmten Umständen auch eines Jahreswagens entscheidet.

Gerade ist ein Ehepaar aus Eschweiler da. Knapp zwölf Jahre ist ihr blauer Honda Civic alt - nun wollen die beiden gerne die Abwrackprämie der Bundesregierung haben. Einen Neuen haben sie schon, es ist ein Hyundai I20, der in zwei Wochen geliefert wird.

Glaubt man Wolfgang Büscher, dann müssen sich die beiden Eschweiler allerdings schon beeilen, um dann noch die Prämie abstauben zu können. „Hammermäßig” sei nämlich das, was sich seit einigen Tagen in seinem Autohaus an der Würselener Straße abspielt: „Das ist wie bei Aldi an der Kasse.”

Viele Kollegen hätten schon gar keine Kleinwagen mehr, sagt Büscher, denn diese seien besonders gefragt - als Neuwagen, Tageszulassungen oder Jahreswagen.

Wenn der Run auf die Autos weiter anhält, glaubt Büscher, dann ist der 1,5 Milliarden Euro schwere Topf für die Prämien schon in 14 Tagen aufgebraucht. Und wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Kleinhändler profitieren weniger

Bei den Händlern, sagt Büscher, profitieren die, die große Lager haben, denn interessant seien Fahrzeuge, die sofort verfügbar sind. „Wenn angestrebt war, die Lagerbestände bei den Händlern zu räumen, dann ist das gelungen”, sagt er. „Kleinhändler haben allerdings weniger davon.”

Seit Dienstagnachmittag, 14 Uhr, sind die Anträge auf Erhalt einer Umweltprämie zu haben. Sie können von der Homepage des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) heruntergeladen werden. Der Ansturm auf die Seite dürfte enorm sein, wenn man sieht, was sich bei Rainer Bonnie so alles stapelt.

„Im Moment haben wir kaum noch Kapazitäten, weil so viele Leute kommen”, sagt der Autoverwerter, der selbst von dem Ansturm überrascht wurde: „Ich hatte nicht damit gerechnet, aber für uns ist das ein Segen.”

Und deshalb wird auch kein Kunde abgewiesen, obwohl die Regale voll sind. „Das ist eine Wahnsinnsarbeit, die vielen Teile zu lagern und zu verarbeiten.” Es wird eng auf dem Hof, mit Hochdruck machen sich die Arbeiter an die Verwertung.

Einen Nachteil hat der Ansturm aber auch, wie immer gibt es eine Kehrseite der Medaille. Denn die Erlöse aus den Schrottpreisen, die sich zwischenzeitlich einmal erhöht hatten, sind wieder in den Keller gefallen.

Zwar hat Bonnie jetzt jede Menge Material, aber die Nachfrage von Stahlwerken, sonst zuverlässige Schrottabnehmer, sinkt dank Wirtschaftskrise weltweit. „Da hat die Rezession voll eingeschlagen”, so Bonnie.

Die Autofahrer, die ihre alten Schüsseln hier vorbeibringen, interessiert das nicht. Sie freuen sich, wenn sie zusätzlich zum Verschrottungszertifikat noch ein paar hundert Euro für ihr Wrack bekommen.

Zwischen neun und 15 Jahren sind die meisten alt, sagt Bonnie. „Da sind durch die Bank alle Sorten bei.” Viele Autofahrer trennten sich auch von größeren Fahrzeugen, hat der Händler beobachtet, um dann auf Kleinwagen umzusteigen.

Der nächste Kunde betritt das kleine Büro auf dem Schrottplatz. Diesmal keiner, der sein Auto loswerden möchte. Der Ford-Händler aus Herzogenrath braucht ein paar Ersatzteile, und auch er hat schon Erfahrungen mit dem Kundenansturm gemacht: „Vorige Woche ist der Run losgegangen”, erzählt er. Große Fahrzeuge hat aber niemand gekauft, „bisher nur Fiestas”.

Auch das Ehepaar aus Eschweiler hat sich für einen Kleinen entschieden. Der Hundai I20 kostet neu 13000 Euro - abzüglich der Abwrackprämie ein echtes Schnäppchen.

Bis er in zwei Wochen geliefert sein wird, wollen sie ihren alten Honda aber noch behalten. Dann heißt es hoffen, dass es die Prämie noch für sie gibt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert