Anstehen für Niclas: Tausende wollen Stammzellen spenden

Von: Heike Eisenmenger
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Registrierung: Hunderte von Freiwilligen ließen sich in Stolberg registrieren, um als möglicher Spender von Stammzellen für den 19-jährigen Niclas in Frage zu kommen. Foto: Heike Eisenmenger
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Ist an einer aggressiven Form von Blutkrebs erkrankt und braucht dringend eine Stammzelltransplantation: der 19-jährige Niclas aus Stolberg.

Stolberg. Ein Lebensretter braucht kein Superman-Kostüm. Er braucht lediglich zwei Wattestäbchen, die er sorgsam über seine Schleimhäute reibt. Für Niclas ist es eine Frage auf Leben und Tod, dass viele Menschen bereit sind, den „Wattestäbchen-Test“ zu machen. Der 19-jährige Stolberger leidet an einer höchst aggressiven Form von Blutkrebs und benötigt dringend eine Stammzelltransplantation.

Freunde und Familie starteten einen Aufruf, der eine unglaubliche Resonanz auslöste: 4500 Menschen strömten am Freitag in die Aula des Goethe-Gymnasiums in Stolberg, um sich typisieren zu lassen.
Das Bild, das sich bereits eine Stunde nach Start der Aktion bot, verursachte bei vielen eine Gänsehaut: Gleich mehrere Warteschlangen reichten vom Pausenhof bis zur Aula – eine Welle der Hilfsbereitschaft für Niclas. In der Aula wurden die Massen von den Profis der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und Ehrenamtlern in Empfang genommen.

Die Ehrenamtler arbeiteten in zwei Schichten mit je 50 Leuten. Das Besondere an diesem Aufruf ist, dass nur eine Woche Zeit für die Organisation blieb. Dass die Aktion quasi aus dem Boden gestampft wurde, macht die dramatische Lage des 19-Jährigen deutlich. „Normalerweise rechnet die DKMS mindestens mit vier Wochen Vorbereitungszeit, aber diese Zeit hat Niclas nicht. Denn drei weitere Wochen dauert es allein, um die Typisierung abzuschließen“, erzählt Claudia Maschke. Sie ist eine enge Freundin der Familie und hat die Aktion maßgeblich mit ins Leben gerufen. „Ich will und kann nicht tatenlos mit ansehen, dass Niclas stirbt.  Wir können es uns einfach nicht leisten, darauf zu warten, dass ein Wunder passiert, wir müssen selbst etwas tun“, sagt die 41-Jährige.

Sie ist der DKMS zutiefst dankbar, dass für Niclas eine Ausnahme gemacht wurde und aufgrund der dringlichen Lage binnen einer Woche die Typisierungsaktion stand. „Normalerweise rechnet die DKMS angesichts der kurzen Vorlaufzeit mit höchstens 500 Personen.“ In Stolberg haben sich am Freitag bis zum späten Nachmittag schon mehr als 2800 Menschen typisieren lassen. „Einfach ein Wahnsinn! Und vielen, vielen Dank an alle“, sagt Claudia Maschke und verschwindet wieder im Getümmel.  
Von dieser enormen Resonanz aus der Bevölkerung ist selbst Bettina Steinbauer vom DKMS-Team überrascht. Die tolle Resonanz freut auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der spontan die Schirmherrschaft übernommen hatte und sein Netzwerk für die gute Sache nutzte. „Ich bin selten sprachlos, aber als ich sah, was hier los ist, fehlten mir die Worte“, sagte er gerührt.

Etschenberg hat aber nicht nur die Werbetrommel für die Aktion gerührt, sondern ist auch auf Geldgebersuche. Eine einzige Typisierung kostet 50 Euro, und bislang sind erst 8000 Euro eingegangen. Unabhängig vom Spendenaufkommen werden die Typisierungen in jeden Fall abgeschlossen und hoffentlich findet sich nicht nur für Niclas der passende Spender. Von der Aktion profitieren auch andere Kranke, die auf eine Stammzellenspende warten.
Niclas konnte bei der Typisierungsaktion nicht dabei sein: Er ist erneut im Klinikum, seine Familie ist wie immer an seiner Seite. „Wir schicken Niclas schon die ganze Zeit Fotos, damit er sieht, was hier los ist und wie viele Menschen zu ihm stehen“, erzählte Claudia Maschke.  „Die Gewissheit, dass so viele Menschen für ihn heute hier sind, gibt ihm ganz viel Kraft – und genau die braucht Niclas.“
Bis 19 Uhr sollte die Aktion am Freitag dauern, wegen des enormen Andrangs wurde es erheblich später, ehe feststand: 4500 Frauen und Männer haben sich als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen!

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