Stolberg - Anna-Klöcker-Straße: Viele Anwohner wollen einfach nur noch weg

Anna-Klöcker-Straße: Viele Anwohner wollen einfach nur noch weg

Von: Kolja Linden
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Die Reaktionen reichten von Kopfschütteln bis zu Entsetzen: Anwohner begutachten die Pläne des vorgeschlagenen Sanierungskonzeptes, das zahlreiche Bohrungen vorsieht. Foto: K. Linden

Stolberg. Nicole und Sascha Sobotka wollen eigentlich nur eins: einfach nur noch weg. Elke und Ingo Malejka wollen auch nur noch eins: weg. Egal, wen man fragt an diesem Nachmittag, die Anwohner, die sich in der Friedrichsecke eingefunden haben, wollen irgendwie alle weg. Sie sehen für sich keine Zukunft mehr - zumindest nicht in der Anna-Klöcker-Straße.

„Unsere Kinder sollten da irgendwann mal leben”, sagt Nicole Sobotka, doch dieser Traum werde sich wohl nicht erfüllen. Sie spricht von dem Haus, dass sie und ihr Mann im März 2008 bezogen haben. Anna-Klöcker-Straße 30, im August 2007 hatten sie angefangen zu bauen.

Gefahrenpotenzial 2003 erkannt

Zu dem Zeitpunkt gab es schon ein Gutachten - es stammt aus dem Jahr 2003 - das ein Gefährdungspotenzial durch früheren Bergbau an diesem Ort ausgemacht hatte. Beim Kauf des Grundstückes, so sagen die Sobotkas, habe man ihnen von diesem Gutachten nichts gesagt.

Heute wissen sie, dass sich unter ihrem Haus drei von insgesamt vier Schächten im Baugebiet „Am Lindchen” befinden. Diese so genannten Ganglager hatte die von der VR Bank beauftragte Bochumer Ingenieurgesellschaft für Bodenmanagement und Geotechnik (IBG) bei Bohrungen in dem Gebiet gefunden.

Die VR Bank ist die Veräußerin der Grundstücke. Und am Mittwochnachmittag hatte sie die betroffenen Anwohner in die Gaststätte Friedrichsecke geladen, um über die Gutachterergebnisse zu informieren.

Einen schwierigen Stand hatte Wolfgang Hülsdorf. Der Bochumer Ingenieur, erfahren im Umgang mit Bergbaufolgen im Ruhrgebiet, gab sich alle Mühe, die Skizzen und Karten, die er an die Wand projizieren ließ, zu erklären. Die Schächte, die Bohrungen. Und schließlich auch das Vorhaben, durch Verfüllen von Schächten mit Pressluftbohrungen Sicherheit zu schaffen.

Immer wieder jedoch wurde er unterbrochen von den rund 20 Anwohnern, konfrontiert mit Fragen, mit Vorwürfen. Schnell wurde deutlich: Das Vertrauen ist weg. Warum? Weil seit Beginn der Sicherungsmaßnahmen, die seit Juni von einer Fachfirma aus Ascheberg ausgeführt werden, Risse in den Häusern und Garagen der Menschen entstehen. Das Haus Nummer 30, das der Sobotkas, sinkt um 1,5 Zentimeter ab. Die Malejkas entdecken Risse in ihrer Garage, bei anderen Nachbarn ist es nicht anders.

„Ein Bewegungspotenzial ist nach wie vor da”, sagt Hülsdorf, doch er sagt auch: „Ein Abrutschen des ganzen Konstrukts schließen wir aus.” Täglich arbeite er an solchen Baustellen im Ruhrgebiet. „Wir sichern die Dinge so, dass sie bebaut werden können und nie nie mehr Gefahr für Leib und Leben besteht.” An der Straße und dem Kinderspielplatz, so Hülsdorf, werde es nie mehr ein Absacken geben.

Was er noch sagt, gefällt den Anwohnern dagegen gar nicht: Probleme, die außerhalb des Bergbaus entstehen, könnten auch baugrundliche Probleme sein.

Das heißt nichts anderes, als dass an manchen Grundstücken nicht der Bergbau, sondern der Baugrund das Problem sein könnten. Warum die Risse dann erst seit Juli 2010 aufgetreten seien, als die Sicherungsarbeiten begannen, obwohl manche Häuser schon seit sechs Jahren dort stehen - ganz ohne jeden Schaden?

Diese Frage der aufgebrachten Anwohner wird ein Schadensgutachten klären müssen; wer damit beauftragt wird, darüber müssen sich die Parteien, Anwohner und VR Bank, noch einigen.

Für fast alle Betroffenen ändert das nichts an der Tatsache, dass sie dort nicht mehr leben wollen: „Wir haben hier investiert, aber für mich hat das Haus jetzt nicht mehr den Wert, den es haben sollte”, sagt Elke Malejka. Sie will erreichen, dass die VR Bank eine Wertminderung einräumt und ihr Geld zurückzahlt. Dazu wollen sie und ihr Mann Ingo Sicherheit mit Brief und Siegel für das Haus, um einen Käufer zu finden.

Für die Sobotkas gilt das Gleiche: „Wir haben jeden Tag nur noch ein Thema, das kriegt man einfach nicht mehr aus dem Kopf”, sagt Sascha Sobotka. Ausgestanden ist die Sache für die Betroffenen noch lange nicht.
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