Anlieger wollen weiterhin weniger zahlen

Von: -jül-
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Tempo 30, wie gefordert, wird nur selten gefahren auf Derichsberger und Werther Straße. Nur im Bereich Diepenlinchener Straße ist ein Gehweg (noch) verkehrssicher ausgebaut.

Stolberg. „Es besteht Handlungsbedarf“, fasste Bernd Kistermann noch einmal die Eckpunkte des geplanten Ausbaus von Werther- und Derichsberger Straße zusammen. Es müsse entsprechend der Richtlinien ein verkehrssicherer Zustand auf der ganzen Breite des öffentlichen Raums hergestellt werden, erklärte der Fachbereichsleiter. Die Verwaltung versuche Fördermittel zu erhalten und habe eine Ausbau-Variante „ohne Luxus“ vorgelegt. „Es kann nur noch teurer werden“, prophezeite der Fachbereichsleiter.

Aber bei der gut besuchten Bürgerversammlung teilten nicht alle Anwesenden seine Auffassung. Drei Lager ließen sich an dem Abend ausmachen. Ein schweigender Teil, der mit den Vorschlägen zufrieden zu sein scheint – was Gesprächen nach dem Ende der Versammlung zu entnehmen war. Ein weiterer Teil, der die Möglichkeit nutzte, über Details der Planung – wie Einfahrten, Querungshilfen, Parkplätze – diskutieren wollte. Sowie ein drittes Lager, die Anliegerkosten möglichst minimieren wollte.

Als Konsequenz einer ersten Bürgerversammlung hatte die Verwaltung ihre Planung bereits abgespeckt, die Baukosten von 2,545 auf 2,348 Millionen Euro reduziert. Weil die Anlieger nur zu den Kosten der Nebenanlagen herangezogen werden sollen, konnte so der umlagefähige Anteil im Bereich Derichsberger Straße um ca. 19 Prozent auf 551 000 Euro gesenkt werden. Dies bedeutet eine Beitragseinheit von 11,75 Euro/m2; an der Werther Straße liegt sie bei 9,75 Euro/m2 (siehe Box). Als weiterhin zu hoch bezeichneten einige Anlieger die avisierten Kosten. Einer von ihnen hatte auf der Basis von Kölner Sätzen die Baukosten auf 1,6 Millionen Euro (ohne Querungshilfen) geschätzt. Dem hielt die Verwaltung entgegen, dass sie mit den Erfahrungswerten der hiesigen Region bislang recht exakt kalkuliert habe und vor allem, dass stets „nur die tatsächlich entstandenen Kosten abgerechnet werden“, so Kistermann.

Zur weiteren Kostenreduzierung kam aus dieser Ecke der Teilnehmer der Vorschlag, den Umfang des Ausbaus der Nebenanlagen weiter zu reduzieren, möglichst sogar auf ihn zu verzichten. Die Anzahl der eingeplanten Stellplätze wurde als überhöht betrachtet, weil auf den Grundstücken ausreichend Parkmöglichkeiten bestünden. Und wenn schon die Stadt einen Ausbau über die Breite des gesamten Straßenraums hinweg vornehmen müsse, dann möge sie in überbreiten Fahrbahnbereichen verbleibende Flächen einfach mit Schotter belegen anstelle sie zu pflastern. Eigentlich, so war auch der Tenor auf der ersten Anhörung, reiche dieser Gruppe von Anwohnern eine Sanierung der Fahrbahn, zu deren Kosten sie nicht herangezogen werden.

Allerdings befinden sich die nahezu einzigen verkehrssicheren Gehwege im Bereich der Einmündung der Diepenlinchener Straße., während entlang der Derichsberger Straße kein durchgängiger Bürgersteig vorhanden ist, und dort, wo einer ist, befinde sich dieser überwiegend in einem maroden Zustand. An der Werther Straße fehlt ein Gehweg fast komplett, so die Verwaltung. Eine sichere Führung von Fußgängern sei aber vorgeschrieben. Dem trage auch die abgespeckte Ausbauvariante Rechnung, bei der Gehwege auf die Mindestbreite reduziert und nur an den erforderlichen Stellen vorgesehen seien. Ebenso reduziert worden seien Breite und Anzahl an Parkflächen. Berücksichtigt wurden der Verzicht auf zwei Kreisverkehre; die Anzahl der Querungshilfen wurde von elf auf vier minimiert. Diese seien aber erforderlich, damit zukünftig nicht zu schnell auf der verkehrswichtigen Straße, die ein Industriegebiet erschließt, gefahren werde.

Die genaue Lage von Einbauten in die Straße, von Zufahrten, Bushaltestellen, etc. werde bei einer späteren Detailplanung mit den betroffenen Anliegern abgestimmt, sicherte die Verwaltung zu. Die vorgestellte Entwurfsplanung diene als Grundlage für den Zuschussantrag bei der Bezirksregierung. Dort eingeplant ist eine 60-prozentige Förderung für das Jahr 2014, nachdem die Stadt den geplanten Ausbau im Jahr 2007 angemeldet hatten. Heute auf den Ausbau zu verzichten könne für Anlieger und Stadt nur teurer werden, so Kistermann.

Herangezogen werden die Anlieger erst, nachdem die Stadt nach Fertigstellung die Straße abgerechnet hat, so dass bereits Geld dafür auf Seite gelegt werden kann, so die Verwaltung. Grundsätzlich bestünde bei einer Offenlage der Finanzen auch die Möglichkeit zu einer Stundung. „Es ist immer ärgerlich, wenn man für etwas zahlen muss, was man nicht haben will“, signalisierte Ausschussvorsitzender Josef Hansen Verständnis für die Sorgen.

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