Anerkennung für die prägende Arbeit der beiden Schulleiter

Von: Lukas Franzen
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Oldtimer-Qualitäten wurden „Ritze”-Schulleiter Burghart Klein bei seiner Verabschiedung auf plakative Weise bescheinigt. Foto: L. Franzen

Stolberg. Es gibt viele Parallelen zwischen aus dem Dienst scheidenden Schulleitern, die in den wohl verdienten Ruhestand versetzt werden, und einem Oldtimer. Hinter ihnen liegt ein langer Weg, auf dem sie viel geleistet, bewegt und erreicht haben.

Und natürlich haben beide in der Regel auch schon einige Jahre „auf dem Buckel”. Doch viel entscheidender ist: Sie haben Charakter, fallen auf und sind einzigartig. Und sie hinterlassen Spuren. Im Falle der Oldtimer bei Ihren Besitzern und auf der Straße, im Falle der Schulleiter bei den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und dem Lehrerkollegium.

Eine passendere Symbolik als die des Oldtimers und dessen TÜV-Abnahme hätte das Lehrerkollegium des Ritzefeld-Gymnasiums bei der Verabschiedung ihres langjährigen Schulleiters Burghart Klein deshalb nicht wählen können. „Batterie noch fast wie neu”, diagnostizierten die drei Kollegen des Lehrerrates in ungewohnter TÜV-Montur, während sie akribisch an einem Bobbycar auf der Bühne der Aula herumschraubten und es genauestens unter die Lupe nahmen. „Gewiss schon viele Kilometer auf dem Tacho und immer noch schwer zu bremsen”, prophezeiten die Kollegen ihrem „Oldtimer”-Schulleiter jedoch noch viele große Fahrten. Vielleicht ja auch mit einem passenden Kindersitz auf der Rückbank, will sich der 62-Jährige doch jetzt verstärkt seiner Familie und vor allem seinem kleinen Enkelkind widmen.

Ortswechsel, gleicher Anlass: Auch Stefanie Luczak wurde am Wochenende in den Ruhestand verabschiedet - als Schulleiterin des Goethe-Gymnasiums. Sichtlich bewegt erhielt die 64-Jährige im pädagogischen Zentrum ihre Entlassungsurkunde, überreicht von Schuldezernent Paul Palmen.

Zweifellos lässt sich das Oldtimer-Bild auch auf Stefanie Luczak, übertragen, erfüllt das Goethe-„Urgestein” doch das vorgeschriebene Mindestalter von 30 Jahren für das historische „H”-Kennzeichen mit ihrer 34-jährigen Tätigkeit am Goethe-Gymnasium problemlos. Bereits an einem Düsseldorfer Goethe-Gymnasium hatte Luczak ihr Abitur abgelegt, bevor sie in Berlin und Freiburg Deutsch und Sozialwissenschaften studierte. 1976 blieb sie dem großen deutschen Dichter treu und kehrte als Lehrerin an ein Goethe-Gymnasium, diesmal in Stolberg, zurück. 1999 übernahm sie die Leitung der Schule.

„Unbequemer Schulleiter”

Zurück zum „Ritze”: „Wenn Sie mich wählen, bekommen Sie einen unbequemen Schulleiter”, soll Burghart Klein gesagt haben, als er sich dem Schulträger, der Stadt Stolberg, damals vorstellte. Nahezu alle Redner hoben auf seiner Verabschiedung die hohe Durchsetzungskraft, Energie und Zielstrebigkeit Kleins hervor. „Wir gucken, was geht. Und dann machen wir das”: Dieser Wille zur Veränderung habe seine neunjährige Amtszeit an der Schule zu einem Erfolgsmodell und zu einer „prägenden Ära” gemacht, unterstrich Paul Kirch als Vertreter der Schulpflegschaft.

Eng verbunden mit seiner Arbeit an der Schule seien die zahlreichen Erneuerungsmaßnahmen der letzten Jahre wie die naturwissenschaftlichen Räume, der Umbau der Aula sowie der neue Anbau der Schule, die Einrichtung der Mensa, die Einführung des gebundenen Ganztags und die vorgezogene Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre.

„Kaum ein Schuljahr verging ohne eine Baustelle auf dem Schulgelände”, lobte auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die sichtbaren baulichen Erfolge des Physikers.

Mit einem permanenten Wandel wird auch Stefanie Luczaks Amtszeit in Verbindung gebracht. Erziehung und Vermittlung von Fachwissen seien immer gleichberechtigte Ziele der Schulleiterin gewesen, betonte Hildegard Nießen als Vertreterin des Schulträgers. Unter Luczaks Leitung wurde das bilinguale Gymnasium zu einer Europaschule.

Auch auf den Wandel zur Ganztagsschule und das Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage” ist die gebürtige Leipzigerin sehr stolz. Sie habe immer ein offenes Ohr für berufliche und private Belange gehabt, lobten Vertreter des Lehrerkollegiums die scheidende Oberstudiendirektorin.

Neben musikalischen Beiträgen der Schülerschaft führten auch Schauspieleinlagen verschiedener Theatergruppen durch den Vormittag - ein Bezug auf Luczaks große Leidenschaft für das Theater, die sie stets an die Schüler in ihrer Theater-AG weitergab. Luczak selbst bedankte sich in einer bewegenden Abschiedsrede neben ihren Schülern, Kollegen und Eltern auch ausdrücklich bei ihrer Familie und stellte ihre tiefe Verwurzelung in der Region heraus. Natürlich sei dies auch ein schwerer Tag nach 34 Jahren Goethe-Gymnasium, machte Luczak deutlich. Aber: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”, bediente sich Luczak eines Gedichtes von Hermann Hesse. Sie freue sich nun auf einen neuen Lebensabschnitt, in dem sie sich verstärkt ihrer Familie und der Literatur widmen möchte.
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