„Anderen zu helfen, macht einfach Freude“

Von: Ottmar Hansen
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Andrea Brück hat bereits viele Ausbildungsschritte bei der Feuerwehr auf städtischer Ebene und auf Städteregionsebene durchlaufen. Sie engagiert sich mit Leib und Seele bei der Freiwilligen Feuerwehr. Foto: O. Hansen

Stolberg. Flammen schlagen aus dem Haus, die Stolberger Feuerwehr ist aufs Äußerste gefordert. Mit Atemschutzgeräten dringen die Wehrleute in das Gebäude ein, um das Feuer zu bekämpfen. Unter den Helfern ist auch Andrea Brück von der Löschgruppe Donnerberg. Jeder Handgriff sitzt. Die erfahrene Feuerwehrfrau hat seit ihrer Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr, Löschgruppe Donnerberg, bereits etliche Brände mit gelöscht.

Andrea Brück gehört zur wachsenden Zahl von Frauen in der Stolberger Feuerwehr. Ihre gefährliche Aufgabe macht ihr Spaß. Obwohl die 31-Jährige unlängst Mutter wurde, möchte sie den Einsatz für ihre Mitbürger in der Stadt nicht mehr aufgeben.

Neugierig gemacht

Vor zwölf Jahren kam Andrea Brück zur Löschgruppe Donnerberg. „Ein Bekannter hat damals viel über die Feuerwehr erzählt und mich neugierig gemacht“, erinnert sich die junge Mutter. „Ich hatte die Herausforderung gesucht, dann Gefallen an der Tätigkeit gefunden und bin dabei geblieben.“ Seither hat Andrea Brück alle Ausbildungsblöcke der freiwilligen Feuerwehr durchlaufen. Sie gehört inzwischen zur Gefahrgutgruppe, die bei Einsätzen mit gefährlichen Gütern heran gezogen wird. Das „technische Modul“ durchlief sie auf Städteregionsebene. Ebenso den Erste-Hilfe-Kurs und den Atemschutzlehrgang, bei dem man lernt, mit dem zwölf bis dreizehn Kilogramm schweren Pressluftgerät auf dem Rücken umzugehen.

Viele Samstage hat die 31-Jährige bereits für die Ausbildung bei der Feuerwehr geopfert. Hinzu kommen Übungsabende mittwochs und montags. Da muss der Ehemann, mit dem die Feuerwehrfrau seit sechs Jahren zusammen ist, manchmal zurück stecken. Brück: „Mein Mann hat mich so vor unserer Ehe kennen gelernt. Er hat sich schon daran gewöhnt.“ Auch daran, dass manchmal nachts der „Pieper“ zu einem Einsatz ruft und Andrea Brück aus dem Bett springt, um zum Feuerwehrhaus der Löschgruppe zu eilen. Dort hängt die schwere Montur, die die 31-Jährige überziehen muss, bevor es zum Brandort geht.

Die Löschgruppe Donnerberg hat momentan 34 Mitglieder, darunter sind fünf Frauen. Ist die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Feuerwehr nicht zu anstrengend für eine Frau? Andrea Brück: „Wer einen Kasten Sprudel aus dem Ersten Obergeschoss nach unten tragen kann, hat genügend Kraft, bei uns mitzumachen.“ Das Gerätehaus am Donnerberg wurde vor zwei Jahren umgebaut und erweitert. Bei dieser Gelegenheit wurden dann auch separate Duschen und Toiletten für Frauen eingerichtet. Eine eigene Umkleide für die Damen gibt es nicht. Doch wenn es zum Einsatz gehe und jede Sekunde zähle, achte niemand darauf, wie Sie oder Er sich gerade in die Feuerwehruniform werfe, so Brück.

Ganz gleich, ob man zum „Angriffstrupp“ gehört, der beim Brand gegen die Flammen im Haus vorgeht oder zum „Wassertrupp“ und „Schlauchtrupp“, der für das nötige Löschmittel sorgt, oder auch zu der Einsatzgruppe, die bei einem schweren Verkehrsunfall angefordert wird – der Einsatz der Feuerwehr stellt jedes Mal eine neue Herausforderung dar. Auch in psychischer Hinsicht. „Ich hatte bisher das Glück, im Einsatz noch keinen Todesfall erleben zu müssen“, sagt Andrea Brück. „Doch jeder Brand ist für die Betroffenen schlimm. Nicht nur, wenn sie mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus müssen. Auch wenn nur die Wohnungseinrichtung ein Raub der Flammen wurde. Da geht es oft um Werte und Erinnerungen, die mit weg sind. Praktisch das ganze Leben.“

Andrea Brück ist gelernte Tischlerin, dann hat sie ein Studium des Bauingenieurwesens aufgenommen. Nachdem sie vor Ort alle Lehrgänge der Wehr absolviert hat, hätte sie in Münster, am Institut der Feuerwehr, in Gruppenführung ausgebildet werden können und womöglich auch die Leitung einer Löschgruppe übernehmen können. Doch dann kam vor gut zwei Jahren Töchterchen Luisa zur Welt. „Wenn nachts der Alarm kommt, muss ich inzwischen oft abwägen, ob ich los fahren kann. Ich kann die Kleine ja nicht alleine lassen, wenn der Vater zur Frühschicht muss.“ Das gleiche Problem kann natürlich im Grunde auch auf Feuerwehrmänner zukommen, die sich mit ihrer Frau bei Einsätzen absprechen müssen, was die Kinder angeht.

Trotzdem appelliert Brück an interessierte Frauen, doch einmal bei einem Übungsabend der Feuerwehr vorbei zu schauen. Und vielleicht in die Löschgruppe einzutreten. Anderen Menschen in Not helfen zu können, sei einfach befriedigend und mache Spaß.

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