Andenken an die Roma-Opfer ist nicht erloschen

Von: Christoph Hahn
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Das Vergangene ist für sie nicht ganz vergangen: Mit kreisförmig ausgelegten roten Nelken erinnerten Stolberger Bürger, hier der CDU-Fraktionsvorsitzende Jochen Emonds (gebeugt) und der stellvertretende Bürgermeister Patrick Haas (SPD), am Samstag bei der Gedenkstunde der „Gruppe Z“. Foto: Christoph Hahn

Stolberg. Manchmal, da ist die Teilnehmerzahl halt kein Kriterium. 20 bis 30 Menschen werden es wohl gewesen sein, die sich da am frühen Samstagnachmittag rund um das Denkmal für die am 2. März 1943 aus der Kupferstadt deportierten und ermordeten Roma auf dem Gustav-Wassilkowitsch-Platz vor dem Stolberger Hauptbahnhof versammelt haben.

Doch die Anwesenheit dieser Menschen, darunter auch der stellvertretende Bürgermeister Patrick Haas (SPD) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Jochen Emonds, dokumentierte vor allem eines: Das Andenken an diese Opfer des Nazi-Regimes ist nicht erloschen.

Es waren vor allem die stillen, eindrücklichen Gesten, auf dem von dieser Zusammenkunft bleiben. Denn gegen Ende des offiziellen Teils der Feier traten die Anwesenden nach und nach zum Denkmal auf dem Platz und legten rote Nelken nieder – kreisförmig wie das Rad, das uralte Symbol der Roma, das sich auch auf der Stele wiederfindet. Und noch etwas: Die Würde, die Stille, die sichtbare Haltung – das wird von dieser halben Stunde bleiben.

Dann macht es auch nichts, dass sich die Technik bockig zeigt. Auch wenn die Lautsprecher Sprache zum undefinierbaren Geräusch verkommen lassen – die Umstehenden begleiten die Worte der Redner mit großer Aufmerksamkeit. Die Opfer, dieser Opfer der NS-Diktatur sind ihnen wichtig. Und so wirkt das Niederlegen der Nelken alles andere als aufgesetzt. Eine ganz andere Dimension, nämlich das Bemühen, aus der Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen, sprach aus den Worten der Redner.

Patrick Hass formulierte das sogar sehr direkt: „Wir wissen, dass sich die Geschichte heute wiederholt“, rief der Sozialdemokrat aus und wies darauf hin, dass Minderheiten wie die der Roma auch und vor allem etwas Positives zur Gesellschaft beisteuern. Sein Kritikpunkt: Erst spät, am 17. März 1982, habe der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Massenmord an Roma und Sinti öffentlich anerkannt und gewürdigt.

„Ma Bistar!“, „Vergesst nicht!“ lautete das der Roma-Sprache entlehnte Motto über der Rede von Ralf Dieter Dallmann von der Stolberger „Gruppe Z“, deren Mitglieder sich auch gegen rechte Ideologien von heute wehren und das Andenken an Opfer der Hitler-Diktatur pflegen. Dallmann betonte, worum es bei der Gedenkstunde eigentlich geht: „Hier, am Mahnmal, wollen wir die Erinnerung an die Opfer wach halten und ihnen ein Stück ihrer Würde zurückgeben, indem wir uns an sie erinnern.“

Darüber hinaus schlug er einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Das Asylrecht wurde aus den Erfahrungen der Nazizeit heraus ins Grundgesetz aufgenommen“, schilderte der Sprecher und schloss kritisch an: „Rechten Tendenzen Rechnung tragend, wird dieses Asylrecht aber immer weiter ausgehöhlt.“

Udo Beitzel vom Verband der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten in Aachen schließlich zeichnete die systemattische Ermordung von Roma und Sinti ab 1943 noch einmal aus historischer Perspektive nach. Zu den Opfern zählte auch Gustav Wassilkowitsch, der dem Platz am Hauptbahnhof den Namen gab. Als er in Auschwitz ermordet wurde, war er erst 18 Monate alt.

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