An Schulbezirken scheiden sich die Geister

Von: Michael Grobusch
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Für eine ausgewogene Mischung
Für eine ausgewogene Mischung von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund: Der Zugang zu Bildung dürfe nicht von der Herkunft und der sozialen Stellung abhängen, so Peter Kronenberg. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Das Thema ist ausgesprochen sensibel, die Positionen liegen zum Teil weit auseinander: An der möglichen Wiedereinführung der Schulbezirke scheiden sich in Stolberg die Geister.

Offiziell und öffentlich ist das heiße Eisen noch nicht angefasst worden, hinter den Kulissen diskutieren die Grundschulleiter aber offenbar ebenso intensiv wie kontrovers. Der Fokus der Debatte richtet sich dabei auf die Innenstadt.

Für diese hat nach Informationen unserer Zeitung Peter Kronenberg ein Konzept entwickelt. Kernpunkt ist, durch eine Leitung der Schülerströme eine ausgewogenere Besetzung der drei innerstädtischen Grundschulen in der Hermannstraße, Grüntalstraße und auf dem Donnerberg zu erreichen. „Das ist ein laufendes Verfahren”, erklärte der Leiter der Grüntalschule am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass er sich derzeit nicht detailliert äußern möchte.

Immerhin bestätigte er aber, dass er eine Veränderung beim Anmeldeverfahren zumindest in der Innenstadt befürworte und dies mit Blick auf die eigenen Schüler für eine „gesellschaftspolitische Notwendigkeit” halte. Dabei komme statt der generellen Rückkehr zu den Schulbezirken auch die Begrenzung der Zügigkeit für einzelne Einrichtungen in Frage. Hintergrund sind dem Vernehmen nach nicht nur die tendenziell rückläufigen Schülerzahlen in der Grüntalschule wie auch in der Hermannschule - bei gleichzeitig großer Nachfrage an der Grundschule Höhenstraße.

Vielmehr leitet Kronenberg zudem aus der Zusammensetzung der Schülerschaft mit einem außergewöhnlich hohen Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte aus pädagogischer Sicht einen Handlungsbedarf ab. In Gesprächen mit Kollegen und dem zuständigen Schulrat der Städteregion, Christoph Esser, hatte Kronenberg nach Informationen unserer Zeitung in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der Zugang zu Bildung nicht von der Herkunft und sozialen Stellung der Kinder abhängen dürfe und es für ein erfolgreiches Lernen Sprachvorbilder geben müsse - was wiederum eine ausgewogene Mischung von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund erfordere.

Seine Kollegin Renate Krickel sieht dies mit einer gewissen Skepsis, auch wenn sie davon ausgeht, dass die Wiedereinführung der Schulbezirke oder ein regulativer Eingriff der Stadt durch die Festlegung von Zügigkeiten sich auf die Anmeldungen an der Hermannschule auswirken würde. „Wir müssen uns der Realität stellen. Unsere Schule liegt in einem internationalen Viertel, in dem viele Leute einen Migrationshintergrund haben. Wir sind eine Schule mit einem besonderen Anforderungsprofil, das wir weiterentwickeln wollen. Und wir haben viele ambitionierte Schüler und Eltern auf der Mühle, mit denen wir sehr erfolgreich arbeiten”, betont die Schulleiterin.

Auf deutliche Ablehnung stößt die mögliche Änderung des Anmeldeverfahrens bei Birgit Weiß-Schröder. „Eine Begrenzung der Zügigkeit würde die Grundschule Donnerberg grundlegend verändern”, sieht die Leiterin das pädagogische Konzept mit seinem jahrgangsübergreifenden Unterricht gefährdet. „Wenn diese Pläne umgesetzt werden sollten, wären wir in Zukunft nur noch zweizügig. Und dann müssten in zwei großen Klassen mit kleinen Räumen jeweils 30 Kinder untergebracht werden.” Weiß-Schröder spricht sich für die Beibehaltung der derzeit gängigen Praxis der freien Schulwahl aus und erteilt anders ausgerichteten Konzepten wie dem des Kollegen Kronenberg eine Absage. „Einer solchen Argumentation kann ich nicht folgen.”

Es gibt also noch reichlich Gesprächsbedarf. Der dürfte sich auch noch bei der Politik ergeben. Denn sie wird letztlich darüber entscheiden müssen, wie die Regelung der Zukunft aussehen soll
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