Amtsgericht benennt Notvorstand für Zweifaller Karmel

Von: Michael Grobusch
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Sie wollen das Kloster Zweifal
Sie wollen das Kloster Zweifall nicht freiwillig verlassen und kündigen Widerstand gegen mögliche Maßnahmen des Bistums an: Schwester Katharina (l.) und Subpriorin Schwester Maria Regina. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Zweifall. Es hat so einige Gewitter gegeben in den vergangenen Tagen und Wochen, und sie waren in der Regel vorher angekündigt worden. Dieser Blitz aber, so formuliert es Schwester Maria Regina, hat sie aus heiterem Himmel getroffen: Das Amtsgericht Aachen hat mit sofortiger Wirkung einen Notvorstand für den Karmelitinnen e.V. Stolberg bestellt.

In der Begründung wird darauf verwiesen, dass der Verein seit dem Tod von Priorin Schwester Maria Helene am 27. Juli 2006 ohne Vorstand und somit ohne rechtlichen Vertreter sei. Die beiden in Zweifall verbliebenen Schwestern fürchten nun, dass sie das Kloster verlassen werden müssen und die Immobilie samt Liegenschaften verkauft wird.

Im Gespräch mit unserer Zeitung haben sie am Donnerstag allerdings ihren Widerstand angekündigt, und das überrascht wenig. Denn schon seit 2004 schwelt der Konflikt zwischen der Ordensführung und dem Bistum Aachen auf der einen und den Schwestern und dem Freundeskreis des Karmels auf der anderen Seite.

Solidaritätskundgebungen gab es zwischenzeitlich ebenso wie einen nächtlichen Polizeieinsatz aufgrund eines Notrufes der Schwestern, die sie sich vom damals auf Bistumsseiten für das Kloster zuständigen Dompropst Herbert Hammans bedrängt gefühlt hatten.

Offiziell seit 2008 geschlossen

Offiziell ist das im Dezember 1955 gegründete Karmel bereits seit Frühling 2008 geschlossen, auf das praktische Leben haben aber weder der entsprechende Beschluss des Vatikans noch die Anordnung von Bischof Heinrich Mussinghoff eine Auswirkung gehabt. Gottesdienste werden in der Klosterkapelle oberhalb von Zweifall bis heute ebenso gefeiert wie Kunstausstellungen und Konzerte veranstaltet.

Jetzt aber droht der Streit erneut zu eskalieren. Subpriorin Maria Regina und Schwester Katharina sehen in den beiden benannten Notvorstandsmitgliedern - es handelt sich um zwei Karmelitinnen aus Auderath und Düren - lediglich „Abgesandte” des Bischofs. „Und der nimmt keine Rücksicht auf die beteiligten Personen, sondern will aus dem Verkauf des Klosters nur möglichst viel Profit schlagen”, zeigt sich Schwester Maria Regina überzeugt. Möglich mache das die Satzung des Vereins, in dessen Besitz das Kloster ist. Beschließt der Notvorstand, dessen Bestellung das Bistum bereits 2007 zum ersten Mal beantragt hatte, die Vereinsauflösung, fällt der gesamte Besitz an das Bistum Aachen.

Die Subpriorin spricht „vom Tatbestand der Vorteilsnahme” und wählt auch mit Blick auf die Zukunft deutliche Worte: „Ich werde das Kloster nur in einem Sarg verlassen.” Wie das Bistum zur neuen Sachlage und zu derartigen Äußerungen steht, ist noch offen.

Pressesprecher Franz Kretschmann kündigte auf Anfrage unserer Zeitung am Donnerstag an, die Angelegenheit zunächst prüfen und sich erst dann äußern zu wollen. Weniger wortkarg zeigte sich derweil Johann Ehlen. „Ich fürchte, das ist das Ende des Klosters”, erklärte der Sprecher des Freundeskreises. „Zumindest juristisch ist der Kampf verloren, weil alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind.” Vor dem Amtsgericht Aachen hatte sich bereits das Oberlandesgericht Köln mit dem Fall beschäftigt.

Ob die Mitglieder erneut, wie schon mehrfach geschehen, versuchen werden, die Öffentlichkeit zu mobilisieren, weiß der Sprecher noch nicht. Unabhängig davon geht Ehlen mit der Kirche und namentlich mit dem Bischof geht Ehlen hart ins Gericht. „Unser kirchliches Leben wird zerstört. Einen Pfarrer haben wir schon seit vier Jahren nicht mehr. Und jetzt will man uns auch noch unser Kloster wegnehmen.”
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