Ambulant betreutes Wohnen: SKM Stolberg startet neues Projekt

Von: Michael Grobusch
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„Wir wollen Menschen helfen, ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können“, sagt SKM-Geschäftsführer Jörg Manfred Lang. Foto: M. Grobusch
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Wo die Möglichkeiten von Jobcentern und Sozialämtern enden, möchte der SKM Stolberg mit dem ambulant betreuten Wohnen ansetzen. Foto: stock/blickwinkel

Stolberg. Der Name ist auf den ersten Blick etwas irreführend: Der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) will im Rahmen eines neuen Projektes ein „Ambulant betreutes Wohnen“ aufbauen. Allerdings richtet sich das Angebot, das vom Landschaftsverband Rheinland finanziert wird, weniger an Senioren, denen ein Verbleib in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden soll.

Es zielt vielmehr auf Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten ab, die von Obdachlosigkeit bedroht sind oder nach dem Aufenthalt in einer geschlossenen Einrichtung wieder eine Wohnung finden müssen.

„Viele Biografien in unserer Gesellschaft sind geprägt von Sozialhilfebedürftigkeit, Verschuldung, gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Gewalt“, weiß Jörg Manfred Lang aus langjähriger Erfahrung. „Dabei weisen die betroffenen Menschen oftmals eine Kombination dieser sozialen Schwierigkeiten auf“, sagt der Geschäftsführer des SKM Stolberg. Und das führe oft zu einer sozialen Ausgrenzung und zu einer Notsituation, die nur mit professioneller Hilfe überwunden werden könne.

Genau hier will der Sozialdienst Katholischer Männer ansetzen. „Ziel des ambulant betreuten Wohnens ist die Wiedererlangung der Selbstständigkeit.“ Denn die sei bei den Hilfsbedürftigen vielfach verloren gegangen. Und damit werde es sehr schwer, den Alltag zu bewältigen.

Das ambulant betreute Wohnen umfasst laut Lang weit mehr als die Unterstützung beim Umgang mit Verwaltungen und Behörden. Ein wichtiger Schwerpunkt sei vor allem die persönliche Betreuung und Begleitung des Ratsuchenden. „Und zwar in allen Lebensbereichen“, wie der Geschäftsführer betont. Das freilich setzt die Bereitschaft voraus, sich auf das Angebot des SKM einzulassen und diesem zu erlauben, „in die Privatsphäre einzudringen“, wie es Jörg Manfred Lang formuliert.

Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird in einem ersten unverbindlichen Gespräch sondiert. „Für eine effektive soziale Unterstützung ist es unerlässlich, die persönliche Situation ganz offen und ehrlich zu erläutern“, weiß Lang. Dies geschieht, wenn der Hilfesuchende den Kontakt zum SKM halten möchte, bei einem zweiten Treffen. Dann geht es um die Stärken und Schwächen, die konkreten Lebenszusammenhänge und die damit verbundenen Probleme.

Das ambulant betreute Wohnen basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. „Wie bei Sozialhilfeleistungen kann der Kunde jederzeit sagen, dass er diese Unterstützung nicht mehr wünscht.“ Allerdings ist das Ziel natürlich ein anderes: die Rückgewinnung der uneingeschränkten Selbstständigkeit. Zwölf Monate sind dafür im Maximum angesetzt, in denen der Landschaftsverband Rheinland die Kosten übernimmt. „Das mag vielleicht kurz erscheinen. Die Erfahrung zeigt aber, dass dieser Zeitraum in der Regel ausreichend ist“, berichtet Lang.

Kontaktaufnahme

Doch wie kann es zur Kontaktaufnahme mit dem SKM kommen? Eine ganz wichtige Adresse sind die Jobcenter, deren Mitarbeiter Hilfsbedürftige auf das neue Angebot aufmerksam machen können. Gleiches gilt auch für Sozialämter, Suchtberatungen, Gerichtspfleger, Tafeln und Träger von Arbeitsprojekten. „Bei ihnen werde ich in den kommenden Wochen vorstellig werden, um unser neues Projekt vorzustellen“, kündigt der Geschäftsführer an. Noch nicht kommunizieren kann er den Namen der Kollegin bzw. des Kollegen, der sich um das ambulant betreute Wohnen kümmern wird. Klar ist bis dato nur, dass sich der zeitliche Umfang zunächst zwischen einer halben und einer dreiviertel Stelle bewegen soll. Wobei die Finanzierung fallbezogen sein wird. Für eine halbe Stelle kalkuliert Jörg Manfred Lang sechs Fälle. Sollte der Bedarf höher sein, ist eine Aufstockung nicht ausgeschlossen.

Auch wenn mancher Hilfsbedürftige durch das ebenfalls vom SKM betreute Übergangswohnheim am Kelmesberg und den dort tätigen Sozialarbeiter Andreas Dittrich auf das neue Angebot aufmerksam werden könnte, soll grundsätzlich eine klare Trennlinie zum ambulant betreuten Wohnen gezogen werden. „Das sind zwei unterschiedliche Projekte“, betont Geschäftsführer Lang. Auch deshalb wird die neue Stelle in der Geschäftsstelle in der Foxiusstraße angesiedelt sein.

Den Schwerpunkt der Arbeit soll das Stolberger Stadtgebiet bilden. Doch mit dem Landschaftsverband Rheinland sei ausdrücklich vereinbart worden, dass der SKM in Not geratene Menschen aus der gesamten Städteregion helfen dürfe, erklärt Jörg Manfred Lang. Ob dies der Fall sein wird, werden die nächsten Monate zeigen. Beim SKM ist man in jedem Fall gespannt, wie sich die Nachfrage entwickeln wird.

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