Am Wochenende erstrahlt das Weihnachtshaus der Familie Völtz

Von: Sarah-Lena Gombert
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Margit Völtz aus Stolberg-Atsch bereitet das Weihnachtshaus für den Advent vor. Unterstützung gibt es von Katze Bella. Foto: S.-L. Gombert
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Das Haus der Familie Völtz verwandelt sich jedes Jahr in das „Stolberger Weihnachtshaus“ - hier ein Bild von 2015. Foto: dmp presse

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Überall rund ums Weihnachtshaus gibt es für die Besucher kleine animierte winterliche Szenen zu entdecken.

Stolberg-Atsch. Mit Blaumann und Kappe hockt Margit Völtz im Vorgarten ihres Hauses an der Straße „In den Sandgruben“ im Stolberger Ortsteil Atsch. Die sympathische Frau ist mit Werkzeug bewaffnet und gerade dabei, noch ein paar Lichternetze an der Hausfront anzubringen und alles für das Knusperhäuschen links daneben vorzubereiten.

Hier soll bis Sonntag eine arktische Winterlandschaft entstehen – mitten in der Atsch? Ja, denn das Wohnhaus der Familie Völtz verwandelt sich auch in diesem Jahr ab dem 1. Advent in das „Stolberger Weihnachtshaus“. Das Grundstück der Völtz‘ wird damit zum vorweihnachtlichen Treffpunkt für die Nachbarschaft, den Stadtteil, für Stolberg. Und das alles für einen guten Zweck.

„Angefangen hat alles mit dem Tod meiner Mutter im Jahre 2001“, erzählt Margit Völtz im Gespräch mit unserer Zeitung. Damals habe ihr Sohn den Wunsch geäußert, die Familie solle doch zu Weihnachten ein Licht am Haus anbringen, damit die Oma mitfeiern kann. „Und aus einer dezenten Beleuchtung ist schließlich unser Weihnachtshaus geworden“, sagt Margit Völtz.

Das gemütliche Heim der Familie erstrahlt Jahr für Jahr aber nicht bloß in vorweihnachtlichem Licht. „Mir geht es darum, von dem Wohlstand, den wir hier bei uns haben, etwas abzugeben“, betont Margit Völtz. Und diesen Wohlstand, so ist sich die handwerklich begabte Atscherin sicher, kann man auf ganz unterschiedlichen Wegen teilen.

Zum Einen geht es Margit Völtz vor allem um Kinder: „Alles an unserem Weihnachtshaus ist auf Kinder ausgerichtet.“ Mit viel Liebe zum Detail hat die Familie in den vergangenen Wochen Fenster dekoriert: Mit kleinen, animierten winterlichen Szenen, mit Watte, Kunstschnee und Beleuchtung sind in Wohnzimmer und Küche richtige Miniatur-Landschaften entstanden, in denen es eine Menge zu entdecken gibt. Das Klettern auf die Gartenbank vor dem Haus ist Kindern ausdrücklich erlaubt, damit sie in die Fenster spinksen können.

Ein kleines „Knusperhaus“ hat Margit Völtz direkt neben dem echten Wohnhaus aufgebaut. Auch hier lohnt sich der Blick in die Fenster. „Erwachsene müssen allerdings in die Hocke gehen, um zu sehen, was sich hier abspielt“, verrät sie mit einem Augenzwinkern.

Warum verbringt eine berufstätige Familienmutter mehrere Wochen vor Weihnachten mit dem aufwendigen Dekorieren ihres Hauses? Und wieso heißen die Völtz‘ an jedem Adventssonntag jeden, der mag, mit kostenlosem Glühwein und Kakao auf ihrem Grundstück willkommen?

„Wenn ich in die Gesichter der Kinder blicke, die unser Haus besuchen, dann weiß ich, dass es mir das wert ist“, erklärt Margit Völtz ihr außergewöhnliches Projekt. Die Kinder seien regelrecht entschleunigt, wenn sie sich eine Weile die vielen Details rund um das Weihnachtshaus angeschaut haben. „Das gilt übrigens auch für die Eltern“, sagt Margit Völtz, und sieht dabei selbst sehr zufrieden und entspannt aus.

Das, was Familie Völtz rund um ihr Heim geschaffen hat, ist im Atscher Dorfleben eine feste Größe geworden. In diesem Jahr hat sich auch die Interessengemeinschaft der Atscher Vereine bei der Familie gemeldet. Wegen des Umbaus der Sebastianusstraße kann deren Weihnachtsmarkt nicht an gewohnter Stelle stattfinden. „Nun kommt der Nikolaus die Kinder eben bei uns besuchen“, sagt Margit Völtz.

Bekannt ist das Atscher Weihnachtshaus jedoch nicht nur als ungezwungener, beliebter Treffpunkt an den Dezemberwochenenden. Und die Atscher Kinder, die mit ihren Familien zum Haus kommen, sind nicht die einzigen, die Margit Völtz zum Strahlen bringt. Denn hinter dem Weihnachtshaus steckt auch in jedem Jahr eine Benefizaktion für Kinder – vor allem Stolberger Kinder.

Margit Völtz erklärt, wie das funktioniert: „Wir schenken an jedem Adventssonntag kostenlos Glühwein und Kakao an unsere Gäste aus.“ Von den Nachbarn gebe es auch oft Waffeln und Kekse für die Besucher. „Wer möchte und finanziell dazu in der Lage ist, der darf aber gerne etwas spenden.“ Auf diese Weise hat Margit Völtz in den vergangenen Jahren jeweils vierstellige Summen einsammeln können.

Im vergangenen Jahr konnte die gesamte Atscher Grundschule auf diese Weise einen Ausflug ins Bubenheimer Spieleland finanzieren. Aber auch schon in die Sanierung des Atscher Spielplatzes und andere Stolberger Projekte sind Mittel geflossen. „Ich bringe das Geld immer persönlich in bar vorbei“, erklärt Margit Völtz, „so bleiben die Verwaltungskosten aus und das Geld kommt direkt, ohne Umwege, den Kindern zugute.“ In diesem Jahr hat die Familie die Stolberger über Facebook abstimmen lassen, welchem Zweck das Geld zugute kommen soll.

All das macht Familie Völtz seit Jahren auf Eigeninitiative. Ohne Vereins- oder sonstige Strukturen im Hintergrund. Sie besorgen Lichterschläuche, Lichterketten, Dekoartikel und alles weitere auf eigene Kosten. Sie bauen das Haus auf, reparieren defekte Elemente. Nach den Weihnachtstagen folgt der Abbau, das Jahr über lagert alles in insgesamt drei Garagen.

Doch Hilfe gibt es trotzdem für die Familie, vor allem aus der Nachbarschaft. So bringt der ein oder andere schon Wochen vor dem Advent kistenweise Glühwein oder Milch für den heißen Kakao vorbei. „Unsere Nachbarn haben zum Teil auch schon angefangen, ihre Grundstücke mitzudekorieren“, sagt Marion Völtz mit einem Lächeln auf den Lippen.

Generell ist ihr das Verhältnis zu den Nachbarn sehr wichtig: „Wir wollen nicht, dass sich hier irgendjemand durch unser Haus gestört fühlt“, betont sie. Darum wird auch jeden Abend um 22 Uhr die Beleuchtung ausgeschaltet. Und etwas wild blinkendes wird man am Haus der Völtz‘ auch nicht finden. „Wir wollen eine adventliche Atmosphäre schaffen, das hier ist die Atsch und nicht Las Vegas“, sagt Margit Völtz lachend.

Was die Familie besonders freut: Viele der Kinder, die die ersten Jahre des Weihnachtshauses erlebten, seien mittlerweile selbst Eltern geworden und kommen wiederum mit ihren Kindern vorbei. „Und jeder hört immer wieder gerne die Geschichte unseres Weihnachtshauses“, sagt sie.

Sogar Fanpost bekommt die Familie mittlerweile: „Immer wieder finde ich Briefe im Briefkasten von Leuten, die sich bei uns bedanken. Und wenn eine Oma sich über die strahlenden Augen ihrer Enkel freut, dann geht mir das Herz auf. Dann weiß ich wieder, dass sich die ganze Arbeit hier wieder gelohnt hat“, sagt Margit Völtz.

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