Stolberg - Am Mittwoch startet die Weihnachtsaktion der Stolberger Tafel

Am Mittwoch startet die Weihnachtsaktion der Stolberger Tafel

Von: Laura Laermann
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Vier Engel für Stolberg: Renate Schönen, Rosi Ludwig, Barbara Mager und Josi Krämer (v. links) arbeiten ehrenamtlich bei der Stolberger Tafel. Vormittags bereiten sie die Warenauslage für den Verkauf vor. Foto: Laura Laermann

Stolberg. Ein Griff unter die Theke und schon hält Renate Schönen ihren Weihnachts-Haarreif in den Händen bereit. Die Rentnerin ist gut vorbereitet auf ihre Kunden – vor allem auf die Kinder. „Die freuen sich besonders, wenn sie die blinkende Mütze sehen“, sagt Schönen. Doch eigentlich kommen sie mit ihren Eltern aus einem anderen Grund: Sie möchten Essen kaufen, zu einem kleinen Preis in der Stolberger Tafel.

Derzeit ist besonders viel Trubel in den Räumen in der Eschweilerstraße. Denn am Mittwoch, 13. und Donnerstag, 14. Dezember, steht wieder die Weihnachtspaketaktion an. Dabei soll jeder Kunde der Tafel, vom Single bis zur Großfamilie, ein vollgepacktes Lebensmittel-Paket erhalten mit allem, was zu einem Weihnachtsmenü dazugehört.

Damit alle Kunden bedacht werden können, müssen rund 750 Pakete am Mittwoch im Museum Zinkhütter Hof zusammenkommen. Daher sind die Stolberger wieder gefragt: Jeder kann ein Paket spenden und dabei frei entscheiden, ob er ein Päckchen für eine oder mehrere Personen zusammenstellt. Zu beachten ist nur, dass das Paket offen abgegeben wird, damit die Waren von den Mitarbeitern der Tafel überprüft werden können. Denn leicht verderbliche Lebensmittel wie Käse, Milch oder Fleisch haben nichts in den Kisten zu suchen. Wer dennoch der Meinung ist, dass diese Lebensmittel zu einem Weihnachtsmenü dazu gehören, kann auch einen Gutschein hinzufügen. Möchte man die kleinen Kunden mit Spielzeug bescheren, ist auch das möglich, sollte aber gesondert vom Paket abgegeben werden.

Neben Privatpersonen machen auch Schulen, Kitas, Pfarrgemeinden, Vereine und Kirchen bei der Weihnachtsaktion mit. Schon im September beginnt die Vorsitzende der Tafel, Gisela Becker-Bonaventura, alle Institutionen zu kontaktieren. „Die Weihnachtsaktion ist sehr aufwendig, aber auch der Jahreshöhepunkt für uns.“ Daher hat Becker-Bonaventura auch schon vor Wochen den Bürgermeister eingeladen. Ebenso müssen die Räume im Zinkhütter Hof, wo die Aktion stattfindet, rechtzeitig reserviert werden, die Verpflegung der Mitarbeiter muss organisiert und die Webseite aktualisiert werden. All das gehört dazu.

100 Mitarbeiter

Doch am wichtigsten ist, dass die Ausgabe der Pakete am Aktionstag selbst geregelt abläuft. Damit das funktioniert, ist jeder Kunde einer Gruppe zugeordnet, die zu einer bestimmten Zeit an der Reihe ist. Zwischen 9.45 und 15 Uhr können Stammkunden ihre Pakete abholen, danach die Kunden, die sich nur für das Weihnachtspaket angemeldet haben.

Wenn am Ende noch Pakete übrig bleiben, haben auch Nichtkunden, die aber berechtigt sind, die Möglichkeit, noch ein Paket zu ergattern. „Leider mussten wir vor zwei Jahren auch schon mal einige Kunden wegschicken“, erzählt Alfred Baldes, der stellvertretende Vorsitzende der Stolberger Tafel. „Das war schrecklich. Man fühlt sich schlecht, wenn man die Menschen enttäuschen muss.“

Damit es nicht wieder zu einem Engpass kommt, hofft man auch in diesem Jahr auf eine hohe Beteiligung der Bürger. Ohne die, aber auch ohne den Einsatz der Ehrenamtler ist die Aktion nicht zu stemmen. Insgesamt 100 Mitarbeiter helfen unentgeltlich bei der Tafel. Viele von ihnen sind Rentner, aber auch junge Menschen engagieren sich dort. Im täglichen Betrieb braucht die Tafel die Arbeitskraft von insgesamt zehn bis zwölf Personen, die im Verkauf helfen, bei der Organisation oder als Fahrer die Waren von Supermärkten abholen.

Bei der Weihnachtsaktion werden sogar neun Fahrer in Stolberg unterwegs sein, die den Menschen die Pakete nach Hause bringen, die keine Möglichkeit haben, zum Zinkhütter Hof zu gelangen.

Der Einsatz lohnt sich

Doch der Einsatz lohnt sich, denn die Hilfe kommt da an, wo sie dringend nötig ist. Die Ehrenamtler der Tafel erleben es jeden Tag. „Die Leute erzählen viele private Geschichten. Das geht einem schon mal sehr nahe“, sagt Renate Schönen, die seit drei Jahren in der Eschweilerstraße mitwirkt. Vor allem wenn die Rentnerin andere Menschen in ihrem Alter sieht, die von der Tafel abhängig sind, ist das schwer für sie. Zu den Hauptkunden der Tafel gehören vor allem Rentner und Harz-IV-Empfänger.

Der Großteil davon sind Singles, aber auch Paare oder meist vier- aber auch bis zu zwölfköpfige Familien. Vielen ist der Besuch bei der Tafel unangenehm, erklärt der Vorsitzende Baldes. Manchmal müsse er auch Überzeugungsarbeit leisten, bevor sich jemand dazu durchringen kann, das Angebot der Tafel anzunehmen.

Am Ende verlassen die Kunden die Tafel aber meist wieder mit einem Lächeln. „Die Leute freuen sich, uns zu sehen und bedanken sich für unsere Arbeit“, weiß Schönen. Für sie überwiegen die schönen Momente: „Die Atmosphäre hier ist angenehm, man kennt sich – wie in einer Familie.“ Und wenn dann doch mal jemand mit trauriger Mine an der Ladentheke steht, setzt Renate Schönen einfach ihr Weihnachtsmützchen auf.

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