Am Kelmesberg ist es ruhig geworden

Von: Michael Grobusch
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Verzeichnen deutliche Erfolge ihrer Arbeit am Kelmesberg: Monika Kreder (v.l.), Katharina Oebel und Peter Nießen. Foto: M. Grobusch

Stolberg. In den vergangenen Jahren sind viele Geschichten über den Kelmesberg erzählt und auch geschrieben worden. Eines hatten sie fast immer gemeinsam: Es waren traurige Geschichten.

Umso mehr freuen sich die verantwortlichen der Stadt jetzt, dass sie endlich eine Erfolgsgeschichte präsentieren können. Denn um die Obdachlosenunterkünfte in Büsbach ist es ruhig geworden. Und das ist durchaus ein gutes Zeichen.

„Man muss die Menschen ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Dann regeln sich viele Dinge ganz von alleine”, stellt Peter Nießen fest. Seit dem 1. Februar ist er der verantwortliche Hausmeister der insgesamt 36 Wohnungen, die mittlerweile nicht selten mehr als eine Übergangsunterkunft für ihre Nutzer sind.

Mit Nießen hat sich einiges geändert in den Häusern, die wunderschön gelegen sind und dennoch einen wenig schönen Ruf genießen. Drogen, Schlägereien und Polizeieinsätze prägten die öffentliche Meinung von den Unterkünften und den Menschen, die dort leben. Mittlerweile bekommt die Stadt Briefe, in denen das äußere Erscheinungsbild und auch das Auftreten der Wohnungslosen gelobt werden.

Von der Zielgruppe akzeptiert

„Es hat sich gezeigt, dass eine halbe Stelle zu wenig ist für diesen sensiblen Bereich”, blickt Katharina Oebel vom Stolberger Sozialamt zurück. Mit Peter Nießen haben die Bewohner jetzt nicht nur einen Vollzeit-Hausmeister und Gärtner zugeteilt bekommen, sondern auch einen wichtigen Ansprechpartner gefunden.

Gemeinsam mit Sozialarbeiterin Monika Kreder ist ein Team entstanden, das gut funktioniert und von der Zielgruppe am Kelmesberg akzeptiert wird. „Die Menschen haben alle eine schwierige Vergangenheit, die auch die Gegenwart nicht einfach macht. Da ist es nachvollziehbar, dass sie nicht immer ausgeglichen sind”, weiß Katharina Oebel.

Umso wichtiger sei es, die richtige Ansprache und den richtigen Umgang zu finden. „Man muss den Ton finden, der eine Wertschätzung, aber auch eine gewisse Abgrenzung zum Ausdruck bringt”, sagt Nießen.

Weniger Gewalt und Drogen

Das scheint zu gelingen und die gewünschte Wirkung zu haben, denn nicht nur die Gewalt- und Drogendelikte sind stark rückläufig; auch die vielen Sachbeschädigungen, die früher an der Tagesordnung waren, gelten inzwischen als Ausnahme. „Im vergangenen Jahr sind etliche Türen eingetreten worden. Das kommt jetzt fast nicht mehr vor”, erzählt Monika Kreder. Und seitdem sich die Bewohner Glühbirnen für ihre Lampen beim Hausmeister abholen können, bleibt die Beleuchtung in den Kellerräumen von Zerstörung und Diebstahl verschont.

Nicht verschont bleiben derweil immer mehr Stolberger von der Zwangsräumung ihrer Wohnung. Der negative Trend, der erstmals vor zwei Jahren in seiner Deutlichkeit festgestellt worden war, hat sich mittlerweile etabliert. Trennungen und Drogenprobleme zählen darüber hinaus zu den Hauptgründen, die Menschen in die Wohnungslosigkeit führen. Der „klassische” Obdachlose, der nachts auf einer Parkbank aufgegriffen wird, tritt derweil kaum noch in Erscheinung.

Auch Familien müssen nur noch selten untergebracht werden. „Es sind vor allem junge Männer und Frauen, mit denen wir es zu tun haben”, hat Monika Kreder einen weiteren Trend ausgemacht. Sie stellen die klare Mehrheit der momentan 36 Personen, die am Kelmesberg wohnen. Hinzu kommen fünf Asylbewerber.

Während Letztgenannte in der Regel gut vermittelt werden können, haben aus der Gruppe der 36 einige nach Aussage von Katharina Oebel nur geringe Chancen, eine „reguläre” Wohnung zu finden. Die schwierigen persönlichen Verhältnisse und die Weigerung vieler Eigentümer, Wohnungslose als Mieter anzunehmen, schmälern die Chancen erheblich.

Auch daran wollen Monika Kreder und Peter Nießen gemeinsam arbeiten. „Wir versuchen, den Menschen Hilfestellungen zu geben, damit sie ihr Leben irgendwann wieder selbstständig führen können”, sagt die Sozialarbeiterin, und Nießen ergänzt: „Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass wir Vertrauen schaffen.” In dieser Hinsicht ist in der Zwischenzeit einiges erreicht worden. Und so ist es nicht auszuschließen, dass die Erfolgsgeschichte in Zukunft fortgeschrieben wird.
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