Am Freitag folgen die nächsten Warnstreiks

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Sieht eine hohe Bereitschaft bei den Mitgliedern, für eine bessere Einstufung zu kämpfen: Joachim Paul, Verdi-Vertrauensleute-Sprecher der Stadtverwaltung Stolberg. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die nächsten Verhandlungen wird es am 9. April geben. Doch solange wollen die Mitarbeiter der städtischen Kitas in Stolberg nicht warten. Bereits am kommenden Freitag werden sie sich an einem erneuten regionalen Warnstreik beteiligen.

Dann sollen 15 von 19 städtischen Einrichtungen geschlossen bleiben. Über den Tarifkonflikt im öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst hat sich Verdi-Vertrauensleute-Sprecher Joachim Paul im Gespräch mit Michael Grobusch geäußert.

Wie bewerten Sie das Ergebnis der zweiten Verhandlungsrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)?

Paul: Es hat keinerlei Fortschritte gegeben. Das einzige Ergebnis ist ein Ablaufplan für die weiteren Verhandlungen.

Vielen Menschen ist nicht klar, worum es in dieser Tarifauseinandersetzung geht.

Paul: Es geht um die Aufwertung der Arbeit, den die Kolleginnen und Kollegen leisten. Die aktuell gültigen Eingruppierungen in der Entgelt-Tabelle stammen aus dem Jahr 1994. Das heißt, dass sie seit 21 Jahren nicht verändert worden sind, obwohl die Arbeit deutlich umfangreicher und anspruchsvoller geworden ist. Die zunehmende U3-Betreuung, die Familienzentren und die Inklusion bringen ganz neue Aufgaben mit sich und machen regelmäßige Qualifizierungen notwendig. Und mit dem Kibiz ist zudem ein hoher Dokumentationsaufwand eingeführt worden. Bei den Eingruppierungsmerkmalen findet das allerdings bislang keine Berücksichtigung.

Bei der größeren Wertschätzung und Anerkennung geht es aber letztlich auch um mehr Geld.

Paul: Natürlich. Wir haben es zwar nicht mit einer Entgelt-Tarifrunde zu tun, aber unterm Strich ist es unser Ziel, das eine bessere Eingruppierung auch zu einer besseren Bezahlung führt. Im Durchschnitt geht es hier um eine Größenordnung von zehn Prozent. Auch wenn die VKA immer von 20 Prozent spricht.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp hat mit seiner Aussage für Aufregung gesorgt, dass höhere Eingruppierungen zu höheren Elternbeiträgen führen könnten.

Paul: Das ist doch reine Stimmungsmache. Erstens muss man sehen, dass beispielsweise ein Kita-Platz in Stolberg gerade mal zu 14 Prozent über Elternbeiträge finanziert wird. Und zweitens lässt sich eine bessere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst durchaus ohne Anhebung der Beiträge finanzieren. Das ist eine Frage der Prioritäten. Und des richtigen und sinnvollen Einsatzes der Steuergelder. Mal abgesehen davon, dass wir dafür plädieren, die Elternbeiträge gänzlich abzuschaffen.

Für Freitag sind bereits die nächsten Warnstreiks angekündigt. Was ist zu erwarten?

Paul: Mit zunehmender Dauer der Verhandlungen gewinnt, solang es kein akzeptables Ergebnis gibt, der Protest immer mehr an Dynamik. Am Montag haben wir zwölf Kitas bestreikt, am Freitag sind es 15. Und wenn es sein muss, werden wir den Warnstreik in einem nächsten Schritt auch auf alle 19 städtischen Kindertagesstätten ausweiten. Die Kampfbereitschaft ist groß. Auch wenn es zu einem Erzwingungsstreik kommen sollte. Von den 230 Angestellten in den Kitas der Stadt Stolberg sind rund 80 Prozent bei Verdi gewerkschaftlich organisiert. Weitere 15 Prozent gehören der Komba an. Wir haben also einen Organisationsgrad von 95 Prozent. Damit lässt sich einiges machen.

Welche Kitas werden am Freitag betroffen sein?

Paul: Anders als beim letzten Mal werden wir die Namen der Einrichtungen diesmal nicht im Vorfeld kommunizieren. Wir werden aber dafür Sorge tragen, dass die betroffenen Eltern die Chance haben, sich auf die Situation einzustellen.

Drohen auch Einschränkungen in den Osterferien?

Paul: Nein, für die Osterferien sind keine Warnstreiks geplant. Schon alleine deshalb, weil die meisten Einrichtungen in einer der beiden Ferienwochen geschlossen bleiben. Sollte es aber bis Mitte April zu keinen wesentlichen Fortschritten in den Verhandlungen kommen, wird es sicherlich weitere Aktionen geben.

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