Am Amselweg setzt sich die Hängepartie fort

Von: Michael Grobusch
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Die Zukunft ist weiter ungeklÀ
Die Zukunft ist weiter ungeklärt: Zwar liegt mittlerweile eine Wirtschaftlichkeitsstudie für das Seniorenzentrum Amselweg vor, eine Analyse der Ergebnisse steht aber noch aus. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Am Freitag wurde kräftig gefeiert: Das 35-jährige Bestehen des Seniorenzentrums am Amselweg bot eine gute Gelegenheit, auf die Gegenwart anzustoßen und die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Natürlich wurde zu diesem Anlass auch über die Zukunft von Stolbergs größter Alteneinrichtung geredet. Doch die ist, das hat Sascha Saßen auf Anfrage bestätigt, weiterhin ungewiss.

Dem Geschäftsführer der Betriebsführungsgesellschaft war die eigentlich gute Laune am Morgen zumindest kurzfristig vermiest worden: Wenige Stunden vor den Feierlichkeiten hatte die Landesentwicklungsgesellschaft einen für Anfang kommender Woche anberaumten Gesprächstermin abgesagt.

Die Hängepartie setzt sich somit fort: Zunächst ließ das ursprünglich für Anfang des Jahres erwartete Wirtschaftlichkeitsgutachten bis Anfang Mai auf sich warten. Und dann verzögerten sich die Beratungen über die Ergebnisse dieser Expertise, die Saßen und die Stadt Stolberg als hundertprozentige Anteilseignerin der Betriebsführungsgesellschaft mit der LEG als Pächterin führen wollten.

Mit dem Ersttermin wird es nun vorläufig wieder nichts, Sascha Saßen machte am Freitag aber deutlich, dass er auf einen baldigen Ersatz drängen wird, denn: „Uns läuft die Zeit davon.” Die Feststellung dürfte weniger der Tatsache geschuldet sein, dass das derzeitige Pachtverhältnis im Oktober 2013 endet - eine weitere Verlängerung gilt nicht als großes Hindernis.

Handlungsbedarf besteht vielmehr, weil mit Inkrafttreten der Novellierung des Landespflegegesetzes für Nordrhein-Westfalen eine Frist bis 2018 gesetzt worden ist, bis zu der der Anteil der Einzelzimmer in Pflegeeinrichtungen auf 80 Prozent erhöht werden muss - eine Quote, die sich am Amselweg im (veralteten) Bestand nicht realisieren lässt.

Saßen fordert deshalb bereits seit längerem den Neubau einer Pflegestation. Und auch die besagte Wirtschaftlichkeitsprüfung legt nach Informationen unserer Zeitung in ihrem Ergebnis diesen Schritt als den mit Abstand sinnvollsten und sichersten nahe. Über eine mögliche Umsetzung und deren Finanzierung aber müsste intensiv gesprochen werden. „Da gibt es einen erheblichen Klärungsbedarf”, betont der Geschäftsführer.

Saßens Vorstellung darüber, wie das Seniorenzentrum der Zukunft aussehen könnte, sind derweil schon sehr konkret. „Das klassische 80-Betten-Altenheim will heute eigentlich niemand mehr”, ist er sicher und beschreibt das aus seiner Sicht grundsätzliche Problem: „Pflege wird immer noch zu sehr am Bedarf geplant. Ich fordere aber, dass mehr nach den Bedürfnissen geplant wird.” Nicht mehr die stationäre Pflege dürfe länger im Vordergrund stehen, wichtig seien vielmehr „ambulante Wohnformen mit einem höheren Maß an Selbstständigkeit”.

Im Seniorenzentrum Amselweg mit seinen derzeit 152 Appartments gäbe es dafür beste Voraussetzungen, das Haus könne intern zusätzliche Leistungen von der Rufbereitschaft über die Tagespflege bis hin zum Übergang auf die (neue) Pflegestation bieten. „Die Frage der Bezahlbarkeit ist vom Gesetzgeber deutlich verbessert worden”, verweist Sascha Saßen auf das sogenannte Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz, das der Bundestag am 29. Juni verabschiedet hat und das zum 1. Januar 2013 in Kraft treten wird.

Wie es um die Bezahlbarkeit einer neuen Pflegestation steht, kann oder will derzeit hingegen niemand sagen. 65.000 bis 80.000 Euro pro Platz müssen dem Vernehmen nach für einen Neubau kalkuliert werden, zwischen 60 und 80 Plätzen dürfte die Kapazität in dem anvisierten Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haupthaus liegen. Doch wer könnte der Investor sein? Theoretisch käme die LEG in Frage, deutlich wahrscheinlicher erscheint, dass die Suche nach einem privaten Investor noch einmal zu forciert wird.

Selbst die Stadt Stolberg als potenzielle Bauherrin ist nicht völlig auszuschließen. Allerdings dürfte dieser Fall nur in Betracht gezogen werden, wenn sich tatsächlich kein Investor finden und als Alternative nur noch die Schließung der Pflegestation bleiben sollte.

Dass sich die Situation auf diese beiden Möglichkeiten zuspitzen wird, hatte Sascha Saßen schon Ende vergangenen Jahres gegenüber unserer Redaktion vorausgesagt. Seine Einschätzung hat auch heute noch Gültigkeit: „Entweder wird ein neues Pflegeheim gebaut, oder wir müssen den Pflegebereich aufgeben.”
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