Altes Ehepaar brutal in den Keller gezerrt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Stolberg/Aachen. Überfälle auf zwölf Discounter-Filialen in der Region und ein dreister Raubüberfall auf ein wohlhabendes älteres Ehepaar in einem Haus im Stolberger Ortsteil Zweifall sollen laut Anklage der Staatsanwaltschaft auf das Konto zweier Männer aus dem belgischen Grenzort Kelmis gehen.

Die Beute soll sich insgesamt auf etwa 320.000 Euro belaufen.

Die zwei Angeklagten Tahir G. (27) und Nexhemedin K. (32) sind seit Freitag vor der 6. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung und erpresserischem Menschenraub angeklagt, für das Verfahren unter Vorsitz von Richter Harald Brandt sind neun Verhandlungstage vorgesehen.

Besonders brutal gingen die mutmaßlichen Räuber Anfang April 2009 in Stolberg-Zweifall vor, als sie - wahrscheinlich mit einem unbekannten Dritten - in ein Haus durch ein gekipptes Fenster einbrachen. Dort fielen sie über ein älteres Ehepaar her. Der 74-Jährige und seine 72-jährige Frau hatten zu allem Unglück ihren achtjährigen Enkelsohn zum Übernachten da, als sie überfallen wurden.

Die überraschte Frau saß im Wohnzimmer im Bademantel, als die maskierten Räuber kamen. Der ermittelnde Leiter des Aachener Raubdezernates, Harald Minderjahn, berichtete am Freitag dem Gericht, dass die 72-Jährige mit einem lauten Angstschrei sowohl den bereits schlafenden Mann wie auch ihren kleinen Enkelsohn weckte.

Als sich der Mann weigerte, so der Kommissar weiter, den Standort des Haustresors preiszugeben, seien die Einbrecher brutal mit einem eisernen Brecheisen auf ihn losgegangen.

Das konnte anscheinend der Junge nicht mit ansehen und verriet den Standort des Tresors im Keller des Hauses. Mit brutaler Gewalt zerrten die Einbrecher, so die Anklage, die drei Personen in den keller, die Frau wurde die Treppe hinuntergestoßen. Dort unten musste der 74-Jährige den Tresor öffnen. Bargeld und zahlreiche Schmuckstücke wie Uhren, Ketten und Ringe packten die Täter in eine schwarze Sporttasche.

Die Familie ließen sie eingeschlossen unten im Keller zurück. Nachbarn wurden durch Schreie aufmerksam und befreiten die Opfer. Ein aufmerksamer Schäfer, der seine Herde in Zweifall kontrollierte, hatte sich die belgische Nummer des Fluchtwagens gemerkt, sie half später bei der Überführung.

Eine schwarze Sporttasche war auch bei den Raubzügen in diversen Discountmärkten in der Region dabei. Die brutale Vorgehensweise blieb immer die gleiche. In der Phase nach Ladenschluss warteten die Räuber auf das Personal des Marktes, um dann die überraschten Geiseln mit Gewalt zum Tresor des Ladens zu treiben. Dort zwangen sie die Schlüsselträger, den Tresor aufzuschließen.

Dann nahmen sie das Kleingeld an sich. Für den großen Batzen der Tageseinnahmen im separaten Innentresor hatten sie einen schweren Hammer dabei, mit dem sie das Gehäuse aufschlugen. Dort lagen in gesicherten Packen die gesammelten Geldscheine aus den Tageseinnahmen. Sie flogen in die schwarze Sporttasche, die die Räuber zu allen Überfällen, die auch im Sauerland oder in Dortmund verübt wurden, mitnahmen. Die Beute belief sich regelmäßig auf Summen zwischen 20.000 bis 40.000 Euro.

Besonders brutal setzten sie einem stellvertretenden Filialleiter in Aachen zu, als er Ende November 2009 abends seinen Markt in der Aachener Schlossparkstraße verlassen wollte. Mit vorgehaltener, aber ungeladener Waffe stießen sie ihn zurück in den Laden. Er fiel so hart hin, dass er sich das Becken brach. Trotzdem zerrten sie ihn zum Tresor und zwangen ihn laut Anklage, „unter starken Schmerzen” den Panzerschrank zu öffnen.

Zum Verhängnis wurden ihnen die Telefonate einer Lebensgefährtin aus dem Kreis der Bande, die ihrer Tante und dem Vater am Telefon Details über die Raubüberfälle berichtete. Während der kommenden Verhandlungstage werden Zeugen und Opfer der Überfälle gehört. Viele von ihnen leiden noch heute unter den traumatischen Erlebenissen. Der Prozess wir am 1. März fortgesetzt.
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