Alternative Bürgerliste: „Die große Erbsensuppe muss vom Herd“

Von: Michael Grobusch
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Von seiner Terrasse aus hat Bert Kloubert das Rathaus bestens im Blick. Jetzt will er die Politik aber wieder mehr aus der Nähe mitbestimmen und hofft deshalb, nach fünfjähriger Abwesenheit wieder in den Rat gewählt zu werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Weniger ist manchmal mehr. Findet Bert Kloubert. Und bekennt sich freimütig dazu, dass „seine“ Alternative Bürgerliste Stolberg (ABS) bei den Kommunalwahlen am 25. Mai nur in sechs von 22 Wahlbezirken mit einem Direktkandidaten antreten wird.

 „Wir wollen nicht einfach irgendwen aufstellen und haben deshalb beschlossen, nur Kandidaten zu nominieren, die Stolberg im Stadtrat auch angemessen vertreten können“, erklärt Kloubert, der selbst wieder als Spitzenkandidat ins Rennen geht.

„Durch die Vielfalt der sich bewerbenden Parteien ist es schwer, geeignete Leute zu finden“, räumt der Vorsitzende ein. Dies treffe auch auf die Bürgermeister-Wahl zu. „Eine Stadtverwaltung wird immer mehr zu einem Wirtschaftsunternehmen. Man muss eine entsprechende Qualifikation haben und die Strukturen im Rathaus kennen, um diesen Job vernünftig machen zu können.“ In Reihen der ABS traut sich das niemand zu – auch Bert Kloubert nicht, der sich 1999 immerhin schon einmal als Bürgermeister-Anwärter dem Votum der Stolberger gestellt hatte und damals 1,4 Prozent der Stimmen erhielt.

Diesmal will sich die ABS auf den Stadtrat konzentrieren. Mit einem kleinen Team, aber durchaus großen Zielen. „Die Koalition von SPD und CDU ist sich zwar in vielen Punkten einig. Aber in den wichtigen Bereichen beschränkt sich diese Einigkeit auf den Stillstand“, moniert Bert Kloubert. Und weil er dafür bekannt ist, dass er seine Meinung auch gerne schon mal etwas plakativer zum Ausdruck bringt, fügt er hinzu: „Diese Hängematten-Koalition muss dringend abgelöst werden.“

Die Alternative Bürgerliste Stolberg will ihren Teil dazu beitragen. Vielleicht wieder als Mitglied einer Gestaltungsmehrheit, wie sie die Kupferstadt in der vorletzten Legislaturperiode erlebt hat. „In den Jahren 2004 bis 2009 sind viele wichtige Beschlüsse gefasst worden“, ist Kloubert überzeugt und nennt als Beispiele den derzeit laufenden Ausbau der Aachener Straße und den Kreisverkehr am Nachtigällchen.

Mit Blick auf die Zukunft hat sich die ABS derweil auf sieben inhaltliche Schwerpunkte festgelegt. So plädiert sie für die Schaffung einer eigenen Infrastruktur für die Stromversorgung. „Durch die Nutzung von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie kann die Stadt Stolberg ihre Ausgaben deutlich reduzieren und sich zudem aus dem Klammergriff der großen Energieversorger lösen.“

Zwar seien die erforderlichen Investitionen hierfür groß. „Das Geld ist aber sehr gut angelegt, das würde sich sehr schnell rentieren.“ Einen ähnlichen Zusammenhang sieht Kloubert im Bereich Bildung. „Man darf nicht an der falschen Stelle sparen“, fordert er eine weitere Modernisierung der Stolberger Kindergärten und Schulen. „Nur so können wir unseren Kindern eine gute Ausbildung und damit ein gesichertes Einkommen ermöglichen.“ Was sich, so der ABS-Vorsitzende, letztlich auch positiv auf die Steuereinnahmen und die Sicherung der Sozialsysteme auswirken würde.

Zudem plädiert die ABS für eine stärkere Einbeziehung der Vereine in den offenen Ganztagsbetrieb der Schulen, die Förderung des Zusammenschlusses weiterer Sportvereine, eine vorausschauende und an Kompetenzen orientierte Personalpolitik in der Verwaltung sowie eine Entwicklung des Neubaugebietes auf dem Donnerberg, die eine wohl überlegte Verkehrsführung ebenso beinhaltet wie das Angebot von bezahlbarem Baugrund vor allem für junge Familien. Schließlich beschäftigt sich die ABS auch mit der Zukunft der Innenstadt. Bert Kloubert sieht die Ära des Steinwegs als Einkaufsmeile beendet und in der Schaffung von Wohnraum die Alternative für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Auf den zunehmenden Wegfall von Geschäften will er dabei mit der Schaffung eines gemeinnützigen Liefernetzwerkes insbesondere für ältere Bürger reagieren. „Auf diesem Wege wird dann auch der soziale Zusammenhalt in dem Viertel nachhaltig gestärkt.“

Ob‘s am Ende dazu kommen wird und ob die ABS tatsächlich in den neuen Stadtrat einziehen kann, bleibt abzuwarten. Bert Kloubert jedenfalls ist zuversichtlich. Und er denkt, wie er betont, vor allem an Stolberg, wenn er mit Blick auf die aktuelle Mehrheit sagt: „Die große Erbsensuppe muss vom Herd.“

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