Alter Steinweg auf dem Weg zu neuem Glanz

Von: Jürgen Lange
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Sanierung läuft: Einige Eigen
Sanierung läuft: Einige Eigentümer haben begonnen, andere sollen folgen, damit es mit dem Steinweg aufwärts geht. Foto: J. Lange

Stolberg. Wenn man Gerüste im Steinweg sieht, ist das ein gutes Zeichen. In diesen Tagen darf man sich über zwei Gerüste freuen. Im oberen Steinweg gibt Angelika Stockhausen ihrem Haus ein frisches Outfit, nahe der Kortumstraße saniert Monika Lück das ehemalige Modehaus Fister, in dem seit vielen Jahren auch nicht mehr der Billig-Discounter „Urban” präsent ist.

Für Monika Lück ist es das vierte historische Objekt in der Innenstadt, dem sie wieder neues Leben einhaucht. Nach dem Kupferhof Rosental, dem Hotel an der Grüntal- und dem Bistro an der Sonnentalstraße hat die agile Unternehmerin ihr Herz für den Steinweg entdeckt.

Da freut es Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, dass neben den jahrelangen städtischen Bemühungen nun eine unternehmungslustige Investorin mit die Werbetrommel für Stolbergs „Sorgenkind” rührt, in dem so langsam schon seit der vergangenen Monate neues Leben keimt.

Eine Handvoll privater Eigentümer hat mit der Sanierung repräsentativer Objekte begonnen; eine Handvoll Geschäfte haben neu eröffnet: Fotograf, Friseur, Nagelstudio, Second-Hand-Artikel, Babysachen, Beauty-Outlet, Gastronomie und auch Dekobedarf für Floristik zählen zu den jungen Adressen der alten Einkaufsstraße, deren Entstehen Anfang des vorigen Jahrhunderts zu großen Sorgen der Geschäftsleute in der damaligen Einkaufsstraße des Ortskerns, der Klatterstraße, geführt hatten.

Heute sind es eher auf einst grünen Wiesen entstandene große Einkaufszentren, Internet und ein verändertes Kundenverhalten, die Einzelhändlern in Innenstadtlagen und Stadtplanern Sorgen bereiten. Aber es ist auch der Zustand und nicht mehr zeitgemäße Zuschnitt der alten Gebäude, die Interessenten davon abhalten, sich gewerblich oder privat am Steinweg niederzulassen - obwohl der Trend zurück in die Stadt geht.

Dass die Sanierung alter Gebäude sich für die Eigentümer rechnet, beschrieb beispielhaft eine Informationsveranstaltung, zu der Monika Lück und die Stadt in den Kupferhof Rosental eingeladen hatte, zu der auch eine Reihe Interessenten kamen, unter denen aber nur zwei Steinweg-Eigentümer zu finden waren.

„Gerade im Steinweg klaffen bei Altimmobilien Fiktion und Wirklichkeit weit auseinander”, beschrieb Marc Müller die Schere zwischen Verkehrswerten auf Basis alter Gutachten und tatsächlich erzielbarem Verkaufspreis.

Dort seien aufgrund unattraktiver Wohnungsgrundrisse nur wenig attraktive Mieten zu erzielen, aber ohne Erhöhung erscheine eine Sanierung nicht rentabel. Aber es sei „privates Investment” gefragt, um den Wert des Gebäudes zu erhalten und wieder zeitgemäß zu steigern.

Unterschiedliche Finanzierungsmodell, vor allem aber die Möglichkeiten, zinsgünstige Kredite und Zuschüsse zu Sanierungsvorhaben zu erhalten, skizzierte Jörg Grevenstein von der Stolberger Sparkasse.

Gefördert werden von der öffentlichen Hand vor allem Investitionen in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbaren Energie, Wohnraum-Modernisierung und altersgerechte Umbauten.

In jedem Fall soll vor der Entscheidung zu einer Investition eine qualifizierte Beratung stehen, riet Michael Stephan von dem Verein „Altbau plus”. Geplante Sanierungsmaßnahmen müssten aufeinander abgestimmt sein. Förderprogramme privater und öffentlicher Anbieter könnten kombiniert werden.

So bietet auch die EWV Unterstützung bei energetischen Verbesserungen mit Contracting und Förderprogrammen, wie Gerd Mühlenberger erläuterte. „Drei Viertel aller Häuser im Steinweg gelten als sanierungsbedürftig.”

Das fasst Monika Lück als Herausforderung auf. Seit einigen Wochen ist sie bereits unterwegs, „um Seelenmassage” zu betreiben. „Ich glaube an den Steinweg und suche weitere Optimisten”, sagt die Investorin. „Und wenn ich mit jemandem lange genug gesprochen habe, glaubt der auch wieder an den Steinweg”. Sie will die Fußgängerzone wieder beleben. „Wenn es wieder mehr Geschäfte gibt, lohnt es sich für die Leute in den Steinweg zu kommen”, ist Lück überzeugt.

Weitere Geschäftsleute folgen ihrem Beispiel. Familie Rauscheid wird neben der Renovierung im Inneren die Fassade ihres Geschäftshauses sanieren, und im mittleren Steinweg arbeitet Dieter Kaesmacher an einer neuen Präsentation seines Möbel-Portfolios - damit der Steinweg nicht mehr das von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler beschriebene „Potemkinsche Dorf” ist.
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