Stolberg-Donnerberg - Altbergbau unproblematischer als vor sieben Jahren gedacht

Altbergbau unproblematischer als vor sieben Jahren gedacht

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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So präsentierte sich im Winter vor sieben Jahren das Neubaugebiet: Der Untergrund wurde verpresst. Foto: J. Lange
Altbergbau
Impressionen aus dem Sommer im Jahr 2010: Verpresste Löcher, Bohrer und Debatten zwischen den Anwohnern, der Stadt und auch den Bankenvertretern sorgen für einige aufgeregte Tage.Jetzt soll in der Anna-Klöcker-Straße wieder gebaut werden. Foto: J. Lange
Altbergbau
Impressionen aus dem Sommer im Jahr 2010: Verpresste Löcher, Bohrer und Debatten zwischen den Anwohnern, der Stadt und auch den Bankenvertretern sorgen für einige aufgeregte Tage.Jetzt soll in der Anna-Klöcker-Straße wieder gebaut werden. Foto: J. Lange
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Impressionen aus dem Sommer im Jahr 2010: Verpresste Löcher, Bohrer und Debatten zwischen den Anwohnern, der Stadt und auch den Bankenvertretern sorgen für einige aufgeregte Tage.Jetzt soll in der Anna-Klöcker-Straße wieder gebaut werden.

Stolberg-Donnerberg. Sieben Jahre nach dem großen Aufschrei auf dem Donnerberg muss man wohl sagen, dass die Problematik des Altbergbaus im Neubaugebiet Anna-Klöcker-Straße „viel heißer gekocht wurde, als gegessen wird“, sagen jetzt Anwohner.

Aus dem mit Datum vom 27. September dieses Jahres vorgelegten Gutachtens des Aachener Ingenieurbüros Heitfeld-Schetelig geht nicht nur hervor, dass der frühere Erzabbau in einem weitaus geringeren als gemutmaßten Umfang auf dem Areal betrieben worden ist, sondern dass auch relativ einfache Vorsichtsmaßnahmen bei der Gründung von Neubauten ausreichend sind und gewesen wären.

Die Würselener VR-Bank und die BAG Bankaktiengesellschaft in Hamm hatten das Baugebiet nochmals auf bergbauliche Hinterlassenschaften untersuchen lassen. „Die Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass die Standsicherheit des Geländes gegeben ist“, bilanziert Ralf Schröter als Bereichsleiter des Vorstandsreferats der BAG: „Bei neuen Bauvorhaben sollte in der Ausführungsphase aber wegen der in der Region üblichen Inhomogenität des Bodens zwingend eine Baugrunduntersuchung vorangehen.“

Wie berichtet, wurden die Anwohner durch die Bank bereits informiert. Sie bespreche derzeit mit der Stadt Stolberg den Endausbau der Straße. Zudem laufe wieder die Vermarktung der Immobilien an der Anna-Klöcker-Straße an.

Im Juli 2010 war der Traum vom Eigenheim für die Bewohner des Neubaugebietes zum Alptraum geworden, nachdem sie eigentlich auf den längst überfälligen Ausbau ihrer Erschließungsanlagen gehofft hatten. Aber laut eines wenige Tage zuvor im Auftrag der VR-Bank, die das Neubaugebiet vermarktet hatte, und der Bankaktiengesellschaft BAG, des eingeschalteten genossenschaftlichen Spezialisten für Krisenfälle, vorgelegten Gutachtens eines anderen Ingenieurbüros stehen mindestens fünf Gebäude in einem Bereich „der von Bebauung freizuhalten und gegen Betreten zu sichern ist“.

Schächte und Folgeschäden der Bergbauaktivitäten in den Feldern „Wolfeter Hoffnung“ und „Hammerberg“ sind demnach die Ursachen. Der Straßenausbau wird aus Angst vor Erschütterungen aufgeschoben. Risse in einigen Gebäuden schüren die Ängste von Bewohnern, die sich durch die Bank getäuscht sehen, weil Bergbauaktivitäten verschwiegen worden seien. Juristische Auseinandersetzungen gegen Bank und Stadt beginnen. Sieben Immobilien hat die Bank mittlerweile von ihren Kunden zurück erworben, fast zwei Dutzend unbebaute Flurstücke befinden sich weiterhin im Besitz der BAG. Teile des 2,2 Hektar großen Areals sind mittlerweile durch ein Verpressen des Untergrundes saniert worden.

Im Frühjahr beauftragten VR-Bank und BAG das renommierte Aachener Büro Heitfeld-Schetelig, um noch einmal genau Vererz­ungszonen, Schächte, Pingen und Lagerstätten zu erkunden. Die Dokumentation liegt nun auf gut 90 Seiten vor.

Das Fazit zusammengefasst: Für Stolberger Verhältnisse wurde nichts Außergewöhnliches gefunden, nicht einmal nennenswerte Hohlräume im Untergrund.

Allerdings lokalisiert wurde eine rund 2750 m2 große Pinge (eine trichterförmige Vertiefung durch Tagesbergbau). Sie betrifft eine Parzelle in Privatbesitz, den Spielplatz und die Straße in zukünftig städtischem Besitz sowie sieben Parzellen und zwei weitere Teilbereiche im Eigentum der BAG. Das Füllmaterial der Pinge entspricht dem des natürlichen Bodens.

Im Rahmen der Bohrarbeiten in den Hauptvererzungszonen wurden Hinweise auf einen untertägigen Bergbau gefunden: Holzfragmente. Allerdings gebe es keine Anzeichen eines untertägigen Bergbaus wie Stollen. Auszugehen sei davon, dass nicht mehr als anfängliche Erkundungen erfolgt seien. Frühere Hohlräume dürften zwischenzeitlich durch den Gebirgsdruck verdrückt worden sein.

Die in dem Gebiet vermuteten Schachtanlagen wurden ebenfalls untersucht. „Die Erkundung blieb ohne konkreten Befund“, heißt es in dem Gutachten. Keinerlei signifikante Auflockerungen oder Hohlräume wurden entdeckt, keine eindeutigen Hinweise auf das Vorhandensein eines Schachtes ermittelt. Heitfeld-Schetelig geht davon aus, dass Schächte mit lehmigem Aushubmaterial verfüllt wurden, welches sich vom natürlichen Untergrund nicht ausreichend unterscheiden lasse. Diese verfüllten Schächte werden im Bereich des Spielplatzes sowie der Straße und marginal auf angrenzenden Parzellen vermutet.

„Die bergbaulichen Aktivitäten waren im Wesentlichen auf den Bereich der Pinge begrenzt“, fassen die Gutachter zusammen. Dort müsse auch mit lockerem Gestein und Bodensetzungen gerechnet werden.

Aber „diese Verhältnisse sind bei einer Baugrunderkundung für konkrete Baumaßnahmen zu berücksichtigen und können durch entsprechende Anpassung der Gründung (z. B. verstärkt bewehrte Bodenplatte) beherrscht werden“. Vergleichbares gelte für die Schachtbereiche. Für konkrete Bauvorhaben sollte konkret der Baugrund untersucht und die Gründung angepasst werden.

Weitere Handlungsempfehlungen ergäben sich aus bergbaulicher Sicht nicht. Eine Ausnahme bleibt bestehen: „Bei einer Bebauung auch außerhalb der ausgewiesenen Altlastenverdachtsflächen ist grundsätzlich das für Stolberg typische Auftreten von Schwermetall belastete Aufschüttungen (Schlacken / Aschen) im oberflächennahen Bereich im Hinblick auf Entsorgung ... zu berücksichtigen.“

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