Als Sträflinge auf Tour: Die Gentleman bitten zur Kasse

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Stolberg. Die Erste Große Stolberger Karnevalsgesellschaft blickt auf mittlerweile fast 8 x11 Jahre karnevalistisches Treiben zurück. Seit dem Gründungsjahr 1929 kürt, proklamiert und begleitet die Traditionsgesellschaft alle Stolberger Prinzen. In loser Folge soll nun an die jeweiligen Gold- und Silberprinzen und deren Sessionen erinnert werden.

Start der Rückschau ist vor 50 Jahren. im Jahr 1966: Es war die Zeit, als in Bonn Ludwig Erhard als Bundeskanzler und in Stolberg Bernhard Kuckelkorn als Bürgermeister regierten. Die hohen Ratsherren der Stolberger Fastelovends-Zunft beschlossen damals, den 25-jährigen Kurt Leufgens alias Graf zu Federkiel und Gardinien als Prinz Kurt I. auf den närrischen Thron zu heben. Die Tollität war ein „toleranter, galanter und allzeit huldvoller Herrscher über die Kupferstadt und brachte Frohsinn, wo immer er erschien und auftrat“, hieß es seinerzeit.

Kurt I. war Handball-Torwart beim Stolberger Sportverein und als Dekorateur- und Polsterermeister aktives Mitglied der Fidelen Zunfthäre. Erst später sollte er Mitglied der Ehrenhut und dann der Prinzengarde der Ersten Großen werden. Prinz Kurt wusste schon damals: „Der Karneval ist eine sehr ernste Angelegenheit, aber ich ertrage ihn dennoch mit Humor.“

Bei ihrer Ordenswahl (die alte Vicht im neuen Bett) würdigte die Erste Große 1966 die Arbeit der Stadtverwaltung bei der gerade abgeschlossenen Regulierung des Vichtbaches. Auch die damals nagelneue Stolberger Stadthalle erregte damals die Aufmerksamkeit der Düsseldorfer Prinzengarde. Deren Kommandant bedauerte, dass man in der Landeshauptstadt nicht über so ein modernes Veranstaltungsgebäude verfügen würde. Die Stolberger Karnevalisten stellten der Rheinmetropole daraufhin finanzielle Hilfe in Aussicht.

Die Ehrenhut der Ersten Großen vermehrte am Fettdonnerstag die Zahl ihrer originellen Einfälle um ein weiteres Kabinettstückchen: Unter dem Motto „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ erschienen alle Ehrenhüter statt in Uniform in Sträflingskleidung und verschenkten an das schöne Geschlecht Visitenkarten mit den Strafregisterauszügen über die eigenen angeblichen Schandtaten.

Beim Höhepunkt des Straßenkarnevals, dem Rosenmontagszug, gab es 1966 eine Rekord-Beteiligung. Es sollte der bislang längste Karnevalszug mit 60 Zentnern Kamellen, 30 Wagen und sieben Musikkapellen werden. Unter den Zuschauern waren seinerzeit wohl eher nur die Kinder kostümiert. Die Eltern daneben hatten kaum Zugeständnisse an die Narrenherrschaft gemacht. Prinz Kurt I. verabschiedete sich nach dem Zug mit den Worten: „Ich rufe Euch zu: Lasst wackeln die Wände, wenn mit lautem Alaaf ich meine Rede beende.“

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