Als Breinigerberg kurz die Hauptstadt Deutschlands war

Von: Annika Kasties
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Qualitative Informationen für jeden: Der Stolberger Kurt Leesmeister hat mehr als 200 Einträge für die deutsche Wikipedia verfasst. Foto: Kasties

Stolberg. Die Glanzstunde von Breinigerberg währte keinen Tag, und doch kann der Stolberger Stadtteil von sich behaupten, dass er für einen kurzen Moment die Hauptstadt Deutschlands war. Zumindest laut der vietnamesischen Version seines Wikipedia-Artikels. Verantwortlich ist dafür Kurt Leesmeister – und ein folgenschwerer Kopierfehler.

Leesmeister gehört zu den freiwilligen Autoren, die ehrenamtlich Artikel für das kostenlose Onlinelexikon Wikipedia verfassen. Dieses feierte Anfang des Jahres seinen 15. Geburtstag. Mehr als 37 Millionen Artikel existieren in knapp 300 Sprachen. Sie alle stehen unter freien Lizenzen und werden nach dem Prinzip der Zusammenarbeit mehrerer Autoren fortwährend bearbeitet und diskutiert. Seit 2007 auch von Leesmeister.

Der 55-jährige Stolberger wunderte sich damals, dass abgesehen von der Stolberger Burg kaum Artikel über seine Heimat existierten. „Dabei ist Stolberg eine Stadt, über die man viel Interessantes schreiben kann.“ Der promovierte Diplomchemiker nahm sich selbst dem empfundenen Mangel an und verfasste seinen ersten Artikel über das Naturschutzgebiet Schlangenberg. Es folgten Einträge über weitere Naturschutzgebiete in der Kupferstadt, historische Gebäude, Kirchen, Friedhöfe.

In den ersten Jahren lag sein Schwerpunkt zunächst noch auf seiner Heimat. Mittlerweile schreibt er auch Beiträge zu allerlei geschichtlichen Themen, die über die Stadtgrenzen hinausgehen. Bis heute hat er unter seinem Benutzernamen „BBKurt“ mehr als 200 Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia verfasst.

Damit ist sein Repertoire aber längst nicht ausgeschöpft. Eine Zeit lang habe er sich einen Spaß daraus gemacht, seine Einträge in so viele Sprachen wie möglich zu übersetzen, erzählt Leesmeister. Dass Breinigerberg ein Stadtteil der Kupferstadt ist, in dem 2005 971 Einwohner lebten, erfahren Menschen unter anderem auf Afrikaans, Gälisch, und Japanisch – und nach einer notwendigen Fehlerkorrektur auch auf vietnamesisch.

Das mühsame Übersetzen in Sprachen, die er selbst nicht spricht, hat Leesmeister seitdem hinter sich gelassen. Stattdessen verfasst er lieber Artikel auf Stolberger Platt. 1000 Einträge seien von ihm bereits auf der entsprechenden Wikipedia-Ausgabe zu finden, berichtet er.

Daran, dass andere Menschen seine Artikel ergänzen und umschreiben, habe er sich anfänglich erst gewöhnen müssen. Mittlerweiler sieht er es als wichtige Errungenschaften des Onlinelexikons. „Ich bin überzeugt davon, dass Wikipedia eine grandiose Erfindung ist“, betont er.

Die Plattform stelle nicht nur schier unbegrenzte Informationen zur Verfügung. Dadurch, dass es kostenfrei nutzbar ist, werde auch die Qualität der Einträge gesichert. „In der deutschen Wikipedia dauert es keine zwei Stunden, bis ein Fehler entdeckt wird.“

Qualität will Leesmeister auch in seinen Wikipedia-Einträgen bieten. Intensive Recherche gehört zu seiner Hobbytätigkeit dazu. Schließlich müsse jede Information belegt sein, um von Wikipedia nicht wieder gelöscht zu werden. Das lässt sich der Stolberger mitunter auch kosten.

Für einen Wikipedia-Eintrag über einen Friedhof, den er auf einer Urlaubsreise nach Sylt entdeckte, ließ er sich die entsprechenden Unterlagen extra nach Stolberg schicken. „Ich verfasse schließlich keine Artikel, nur um später sagen zu können, dass ich etwas geschrieben habe. Ich möchte, dass der Leser auch was damit anfangen kann“, betont Leesmeister.

Für die Nachwelt festhalten

Informieren und etwas für die Nachwelt festhalten, das sind seine Motivationsgründe. Deshalb verfasste er auch einen Eintrag über ein ehemaliges Konzentrationslager an der Mosel. Dort, wo zwischen März und September 1944 Menschen starben und mittlerweile ein Baumarkt steht, erinnerte lediglich eine unscheinbare Plakette an die Gräueltaten des Nationalsozialismus. „Ich bin froh, dass ich ein bisschen dazu beitragen konnte, dass von dem Konzentrationslager und den Menschen, die dort starben, mehr übrig bleibt als nur ein Täfelchen.“

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