Alle Wahrzeichen werden im Brunnen vereint

Von: Kolja Linden
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Der Brunnen und sein Schöpfer: Noch steht das unfertige Werk im Atelier von Bonifatius Stirnberg. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die ersten Anzeichen sind unübersehbar: Am Willy-Brand-Platz haben die Baggerarbeiten begonnen, damit Strom- und Wasserleitungen verlegt werden können. Außerdem wird vor dem EWV-Gebäude eine Kammer in den Boden gelassen, die Wasser speichert und in Form eines Kreislaufs nach oben pumpt.

In drei Wochen sind die Arbeiten beendet und dann wird er dort eingeweiht, der neue Brunnen, der ein Wahrzeichen für die Stadt werden kann, gerade weil er alle Wahrzeichen Stolbergs in sich vereint.

Stifter des Bronzebrunnens, der derzeit im Eilendorfer Atelier des Künstlers Bonifatius Stirnberg entsteht, ist Professor Roland Fuchs, der ihn der Stadt vermacht, in der er zwar nicht geboren wurde, sich aber längst heimisch fühlt.

In Stirnbergs Atelier mitten im Eilendorfer Gewerbegebiet ist der Betrieb unterdessen nicht weniger intensiv. Im Gegenteil. Seit dem vergangenen Herbst arbeitet der bekannte Künstler an dem Projekt, dessen Brunnen mit den meist beweglichen Figuren in seiner Aachener Heimat längst zum Stadtbild gehören.

Sagenumrankter Galminus

Am Montag wurde dort, unter den Augen des Medizinprofessors, eines der Stolberger Wahrzeichen in Bronze gegossen: der Galminus, der kleine, sagenumrankte Zwerg.

„Man nimmt an, dass die Römer besonders kleine Menschen in den Bergwerken eingesetzt haben”, erklärt Stirnberg zur Verbindung des Zwergs mit der Kupferstadt, und Fuchs ergänzt: „Die Kapuze ist Teil der Berufskleidung des Bergmanns, um sich den Kalkriesel vom Leib zu halten.”

Rund zwei mal drei Meter groß wird der Brunnen, der demnächst den Willy-Brandt-Platz ziert, und auf seiner ganzen Fläche werden Stolberger Wahrzeichen und Figuren die Geschichte der Stadt lebendig halten.

„Der Brunnen soll zeigen, was für die Menschen in Stolberg in der Vergangenheit wichtig war”, erklärt Fuchs sein Anliegen. Er soll die Geschichte der Stadt gegenständlich machen und durch das fließende Wasser ein Stück Leben abbilden.

Lebendig ist der Brunnen schon jetzt, auch wenn er noch unfertig mitten in Stirnbergs Atelier einen großen Raum einnimmt. Dafür sorgen die menschlichen Figuren, der Hammerschmied und die in einer Zinkwanne badenden Kinder, deren Köpfe und Glieder Stirnberg-typisch verstellbar sind.

„Die Form der Wanne ist in Stolberger Zinkhütten in unendlicher Zahl hergestellt worden”, erklärt Fuchs. „Auch der Hammerschmied ist typisch für Stolberg.”

Weil dieser schon frühzeitig Wasserkraft für seine Schmiedearbeit genutzt hat - frei von den Zwängen der Zünfte, wie sie zeitgleich in Aachen noch galten - nimmt er eine zentrale Rolle in Stolbergs Historie ein. Das gilt für den Burgritter genauso, jedoch ist der bisher nur auf dem Modell zu erkennen, im Format 1:10.

Wir müssen noch fleißig arbeiten”, sagt der Künstler, „aber wir sind gut in der Zeit.” Das gilt auch für den Zwerg Galminus, der noch ein paar Stunden abkühlen muss, nachdem die 1300 Grad heiße Bronze-Legierung aus dem Ölofen in die Zwergenform aus einer Masse auf Zinkbasis gegossen wurde.

Schon seinen festen Platz im Brunnen hat das einzige Gebäude, der Kupferhof Grünenthal. Ihn hat Stirnberg dem Originalbau nachempfunden, wie ihn ein historischer Kupferstich wiedergab. „Der Kupferhof steht für zwei Dinge”, sagt Fuchs: „Erstens für die Messingherstellung, die im 17. und 18. Jahrhundert die bedeutendste in ganz Europa war. Zweitens ist er ein Symbol für die Seifenherstellung in Stolberg, in deren Fortentwicklung die chemische und schließlich die pharmazeutische Entwicklung entstand.”

Außerdem zieren den Brunnen eine Narrenkappe mit Stadtwappen als Symbol für den Karneval, ein Galmeiveilchenrelief und - natürlich - ein Druckknopf. „Das ist ein Stück Stolberg, das immer noch unverzichtbar ist, sagt Fuchs mit sichtbarer Begeisterung.

Ein Wahrzeichen fehlt auf dem Brunnen, das aber ganz bewusst: „Die Burg muss nicht dargestellt werden”, sagt Roland Fuchs. „Sie ist vom Standort des Brunnens aus bestens zu sehen.”
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