Agnesheim: Im Notfall auch über Nacht im Heim bleiben

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
10269925.jpg
Die beiden Priester Jens Wegmann und Hans Rolf Funken, Bereichsleiterin Edeltrau Kriewerth, Agnesheim-Leiterin Conny Stöcker sowie SkF-Geschäftführerin Margit Schmitt (von links) sind angetan vom Haus.
10269902.jpg
Das Haus Nummer 12 vom Garten aus gesehen. Die Notfalltreppe wurde angebaut, die Fenster hat man erneuert, die Fassade wurde gedämmt und gestrichen. Foto: O. Hansen

Stolberg. Das Agnesheim, Betreuungseinrichtung für Kinder und Jugendlichen aus schwierigen familiären Verhältnissen, hat „angebaut“. Nachdem der Träger, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), ein Nachbarhaus des Heimes erwerben und renovieren konnte, wurde dort jetzt eine Wochentagesgruppe für neun Kinder im Alter zwischen zehn und 14 Jahren eingerichtet.

Das Besondere am neuen Angebot, das es so in der Region noch nicht gibt: Die Kinder können nicht nur tagsüber in der Gruppe betreut werden, sondern bei Bedarf zumindest während der Woche auch im neuen Haus übernachten.

Der SkF war schon seit Monaten auf der Suche nach einem neuen Domizil für die geplante Erweiterung des Angebotes. Dann half der Zufall: Die Nachbarn des Agnesheimes (Adresse: Am langen Rad 8) boten ihr Haus, Nummer 12, zum Kauf an. Rasch war man sich einig. „Die Nähe zum Haupthaus ist einfach ideal, die Verbindung kann auch durch den Garten erfolgen“, freute sich SkF-Geschäftsführerin Margit Schmitt jetzt über die Entwicklung. Ein sechsstelliger Betrag war für das Projekt mit einer Wohnfläche von mehr als 200 Quadratmetern fällig.

Noch während der Umarbeiten musste manche Hürde genommen werden. Da störte nicht nur ein Tunnel unter dem Haus. Die Feuerwehr bestand auf dem Anbau einer Fluchttreppe von hinten ans Haus. Das Treppengeländer innen musste den neuesten Vorschriften angepasst werden. Der Holzboden auf den einzelnen Etagen wieder hergerichtet werden. Die Hauswand wurde rückwärtig isoliert, überall wurden neue Fenster eingebaut.

Richtig schön geworden

„Es ist aber richtig wunderschön geworden“, freute sich Margit Schmitt beim Rundgang mit Gästen zum offiziellen Eröffnungstag. Über dem Erdgeschoss mit Aufenthaltsräumen können noch zwei Etagen genutzt werden. Dort gibt es eine kleine Küche, Zimmer zum Spielen und Toben sowie ein Raum, in dem in Ruhe die Hausaufgaben der Schule gemacht werden können. Außerdem das Besondere des Hauses: die fünf Schlafräume für Kinder, die während der Woche aus unterschiedlichsten Gründen besser am Abend nicht nach Hause zurückkehren, sondern in der Tagespflege übernachten und von dort aus morgens zur Schule gehen. Diese Entscheidung werde jedoch in jedem Fall mit den zuständigen Stellen des Jugendamtes abgesprochen, versicherte Bereichsleiterin Edeltraud Kriewerth, die das Konzept des neu hinzugefügten Hauses vorstellte.

Am 1. Dezember war das Haus demnach praktisch bezugsfertig. Nur Kleinigkeiten wie die Reparatur einer Mauer im Freien oder die Gartengestaltung fehlen noch. Die ersten Kinder konnten einziehen, so Kriewerth. Seither arbeiten die beiden Tagesgruppen I (im bisherigen Gebäude, für zwei Mädchen und sieben Jungen im Alter zwischen 6 und 10 Jahren) und die Tagesgruppe II (im neuen Haus für zwei Mädchen und sieben Jungen im Alter zwischen 10 und 14 Jahre) eng zusammen. In der Regel werden die Kinder dort bis 17.30 Uhr von Fachkräften betreut, bis sie über Nacht zu ihren Familien zurück kehren.

„Wir haben mit dem Haus Nummer 12 eine große Lücke der Versorgung in der Region geschlossen betonte Kornelia Stöcker, Leiterin des Agnesheimes. In unserem Umfeld gibt es etwas Derartiges nicht. Um uns zu informieren, mussten wir schon zu Einrichtungen in Westfalen fahren.“ Wie sich die neue Tagesgruppe entwickele, sei ein spannender Prozess, so Stöcker. „Wir sind einfach glücklich darüber, dass wir das Haus haben.“ Das Besondere an den Tagesgruppen ist der enge Kontakt zu den Eltern der Kinder und zum Jugendamt. Ziel der Maßnahme bleibt es, dass die Kinder auf Dauer in ihrer Familie bleiben können. Stöcker: „Die Eltern sollen langfristig in der Erziehungsverantwortung bleiben, wir haben aber den Auftrag, sie ein Stück dabei zu begleiten. Oft handelt es sich um hoch belastete Familiensysteme, in den wir die Kinder zumindest etwas fördern wollen.“

Zur Einweihung des neuen Hauses waren auch Pastor Hans-Rolf Funken und sein evangelischer Kollege Jens Wegmann gekommen. „Ich freue mich, dass sie Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen eine neue Heimat bieten“, sagte Funken zur Einsegnung der neuen Räume. Und an das Heimpersonal gerichtet: „Sie können die Kinder auffangen und dafür sorgen, dass sie später besser in unsere Gesellschaft integriert werden.“ Gerade in der Stadt Stolberg, in der die soziale Schiene weit auseinander klaffe,.„Sie müssen manchmal auch viel Stress aushalten“, zeigte Jens Wegmann sein Mitgefühl mit den Beschäftigten im Hause „das ist nicht immer ganz einfach“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert