Afrika lockt und begeistert die Massen

Von: Dirk Müller und Jürgen Lange
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„Mala“ ist der Star der Parade. Die 28-jährige Elefantendame faszinierte auf ihrem Weg in die Altstadt die Menschenmassen an den Wegesrändern, während sie sich selbst mehr von den Blättern der dortigen Bäume beeindruckt zeigte. Foto: D. Müller, J. Lange
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Geschichten werden mit Tänzen erzählt: Jagdszenen brachten „Krokodie Bansoh“ mit ihren Maskentänzen mit nach Stolberg.
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Volles Haus: Beim Auftritt von „Mama Afrika“ war am Samstag um 22 Uhr der Rittersaal so voll, dass Besucher nur dann in die Burg hereingelassen werden konnten, wenn andere abzogen. Nach ersten Klängen auf ursprünglichen Zupfinstrumenten ging zum Trommelsound die Party so richtig ab.

Stolberg. Von wegen verflixtes siebtes Jahr: „Stolberg goes Afrika“ toppt nicht nur alle voran gegangenen Kulturfestivals, sondern lockt auch mehr Menschen in die Kupferstadt als ein Rosenmontagszug. In Massen stehen sie an den Straßenrändern, als sich am Sonntag die Parade vom Kaiserplatz aus in Richtung Altstadt in Bewegung setzt.

Und das bei bester Stimmung. Immer wieder brandet Szenenapplaus auf, etwa als Karim Kamera mit den Trommelkids aus Stolberger Kitas und Schulen vorbeizieht, die Akrobaten von „Hot Africa“ ihre Kunst der Körperbeherrschung oder die Maskenträger mit Fußrasseln der „Krokodie Bansoh“ ihre Tänze präsentieren.

Der Höhepunkt der Parade ist aber zweifellos eine 28-jährige Dame, die sich unterwegs gerne einmal an den Ahornbäumen am Straßenrand bedient. „Mala“ ist der Name der Elefantenkuh, die ihr „Mahut“ Sonni Frankello durch die Fußgängerzone führt – geleitet von Bürgermeisterin Hildegard Nießen und Heinz Herbort, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Kerschgens-Gruppe. „Mala“ stammt vom Elefantenzuchthof Platschow in Mecklenburg-Vorpommern, wirkte bereits in Filmen, wie der BBC-Dokumentation „Hannibal“, mit und ist auch in Stolberg Star einer Parade, die ein dreitägiges Festival krönt, das von Freitag bis in den gestrigen Abend hinein eine gehörige Portion afrikanischer Kultur- und Lebensfreude einem breiten Publikum näher bringt. „Afrika wird heiß“ hat der Kulturmanager angekündigt, und sein Versprechen hat nicht nur Max Krieger, sondern auch das Wetter gehalten.

Sonnig-warme Temperaturen umschmeicheln an den beiden ersten Festival-Tage die Besucher. Sie genießen bis in den späten Abend hinein auf den Plätzen vor den Open-Air-Bühnen die Atmosphäre, und ein etwas abgekühlter, aber regenfreier Parade-Tag bietet auch den Einzelhändler zum verkaufoffenen Sonntag eine interessierte Kundschaft, die sich im Vorfeld schon anhand von immer mehr geschmückten Schaufenstern auf „Stolberg goes Afrika“ einstimmen konnten.

Genüsse aller Art

Und dieses Festival macht vom Auftakt an immer mehr Appetit auf mehr. Angefangen bei kulinarischen Köstlichkeiten mit landestypischen Gewürzen, wie Hähnchen in Erdnussbutter, Hirse, Bohnen oder Fufu, ein Brei aus Maniok und Kochbananen, geht die Liebe zu Afrika ebenso durch den Magen, wie das Bauchgefühl dem Klang der Trommeln und den kraftvollen Stimmen der Sängerinnen und Sänger nicht widerstehen kann. Und angesichts der freundlichen Einladungen werden aus Beobachtern schnell Akteure, die sich in die Schar tanzender Afrikaner vor den Bühnen schneller einreihen als sie es zuvor wohl gedacht hatten. „Heiß“ geht es zu, schnell greift die Partystimmung um sich. Wo eine Trommel am Wegesrand zum Verkauf angeboten wird, werden immer wieder aus Passanten Musiker, zu denen sich weitere gesellen.

Heiß geht es auch im Rittersaal zu, wo am Samstag ab 22 Uhr „Mama Afrika“ aufspielen mit einem rasanten Trommelsound, mit rassigen Tänzen von Maria und Sarah Heiß nicht nur wegen der mitreißenden Musik; heiß nicht nur aufgrund des altbekannten Mangels einer Klimaanlage, so dass die bekannte Truppe lieber einmal die Strahler der Lichtshow ausschaltet. Heiß ist es vor allem, weil der Rittersaal proppevoll ist. Der Andrang ist so groß, dass aus Sicherheitsgründen nur immer so viele Besucher reingelassen werden können, wie rauskommen. Schlangestehen vor der Stolberger Burg – wann hat es das schon einmal gegeben?

Wer in den Rittersaal gelangt, erlebt Rhythmus pur, entspannt , vor allem aber explosiv dargeboten. Kräftige Sabar- und Djembe-Trommeln, kleine Sanduhrtrommeln, verzaubernde Klänge von Balaphon, ein Xylophon aus Bambusrohr und Kalebassen, sowie der Kora, eine gezupfte westafrikanisch Stegharfe, reißen einen förmlich mit auf eine musikalische Reise auf einen anderen Kontinent. Bemerkenswert ist an diesem Wochenende die entspannte Atmosphäre, eine freudige Stimmung und herzliche Freundlichkeit, die allerorten in der Altstadt anzutreffen ist. Sie tragen mit dazu bei, dass in Stolberg aus Fremden Freunde werden, die sich in der Kupferstadt heimisch fühlen.

„Alles ist gut“, hört man immer wieder von begeisterten Künstlern und ihren Begleitern. „Alles ist gut“, sagt Sonntagabend auch ein erleichtertet Max Krieger, während „Stolberg goes Afrika“ ausklingt und sich der Kulturmanager schon Gedanken macht, mit welchem Thema er im kommenden Jahr ein solches Programm erneut auflegen oder gar übertreffen kann. Doch erst einmal wartet auf Max Krieger das „Eschweiler Music Festival“ am kommenden Wochenende.

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