Acht Kanzeln im Breiniger Wald abgesägt

Von: Jürgen Lange
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Strafanzeige erstattet: Acht solcher stabilen Kanzeln sind zwischen Pipeline und Waldschenke im Breiniger Wald sorgsam abgesägt und umgelegt worden. Foto: J. Lange
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„Ohne Wolf und Luchs fehlen die natürlichen Feinde“, sagt Förster Theo Preckel.

Stolberg. „Wir begrüßen den Wolf in Baden-Württemberg“, sagt am Dienstag der dortige Landwirtschaftsminister Bernd Hauk. Auf der Hochebene Baar, zwischen dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb gelegen, ist der Beutegreifer wieder heimisch.

Nach punktuellen Sichtungen des im 19. Jahrhundert hier ausgestorbenen Hunde-Verwandten in Ostwestfalen sieht Hauks hiesiger Kollege Johannes Remmel „Nordrhein-Westfalen bereit für den Wolf“.

Aber „bereit zu sein“ bedeutet nun einmal noch nicht, da zu sein, und Ostwestfalen ist weit weg vom Stolberger Wald, den auch der Luchs noch nicht für sich zurückerobert hat. Und damit „fehlen dem Wild bei uns die natürlichen Feinde“, sagt Theo Preckel. Und weil dem so ist, gibt Stolbergs Förster ein klares Bekenntnis ab zur Hege und Pflege des Wildbestandes durch die Jagd.

Dabei scheinen die Jagdaufseher selbst zu einer gefährdeten Gattung zu werden. Immer wieder sägen Jagdgegner Leitern von Hochsitzen an oder demolieren sie. In der Nacht zum Pfingstsonntag nimmt der Widerstand gegen die Waidleute bislang ungeahnte Ausmaße an: Acht Kanzeln im Wald zwischen der Pipeline am Schlangenberg und dem Breinigerberg wurden mit aller Sorgfalt umgelegt. „Die Täter müssen eine gute Säge gehabt haben“, sagt Preckel mit Blick auf die sauberen Schnittkanten der abgesägten kräftigen Holzpfosten. Die stabilen Kanzeln, die sorgsam in die Ränder der Bestände eingebaut waren, liegen zertrümmert am Boden. Der Sachschaden liegt bei über 4000 Euro. Der städtische Forstrat hat die Polizei eingeschaltet. „Nur gut, dass bei dieser Attacke niemand zu Schaden gekommen ist“, so Preckel. Bei hinterrücks angesägten Leitern haben sich in der Vergangenheit auch im Stolberger Wald Jagdaufseher übel verletzt.

Doch auch einmal ganz abgesehen von Schäden, Verletzungen und dem ganzen Ärger sieht Stolbergs Förster wenig Sinn in der Intention der Täter: „Sie wollen zwar das Jagen unterbinden, aber damit tun sie der Natur keinen Gefallen“.

Der Mensch müsse regulierend eingreifen, da der Bestand von Reh- und Rotwild im Stolberger Wald zu hoch sei. „Das schadet letztlich dem Wild selbst“, klärt Preckel auf. Angesichts eines nicht ausreichenden Nahrungsangebotes könnten sich die Tiere nicht ausreichend entwickeln, was zu körperlichen Beeinträchtigungen und Krankheiten führen kann. Und dies wiederum schwächt ganze Bestände. Kranke Tiere erbeuteten in früheren Zeiten Wolf oder Luchs. Diese Hetz- und Lauerjäger regulierten somit die Bestände – eine Aufgabe, die die Waidleute übernommen haben.

„Und das auch nur in Absprache mit der Unteren Jagdbehörde“, klärt der Forstrat auf. Gemeinsam mit dem Förster wird vorgeschrieben, wie viele Tiere in welchen Revieren geschossen werden dürfen. Insgesamt sechs Eigenjagdbezirke umfassen die rund 1500 Hektar städtischer Forstflächen. Drei Bezirke hat der Stadtrat jetzt turnusmäßig erneut an die Inhaber der Reviere verpachtet. „Es sind allesamt bewährte und umsichtige Jagdaufseher in Stolberg“, würdigt der Leiter des Forstamtes. Wie sehr sich der Forst in kurzer Zeit verändern kann, macht Theo Preckel am Bestand des Rotwildes fest.

Das war in der Kupferstadt eigentlich nicht heimisch. Als der Orkan Kyrill im Januar 2007 die Wälder stark in Mitleidenschaft zog, zogen Hirsche aus der Eifel in die Voreifel, „und sie blieben hier“, so Preckel. Die kontinuierliche Umwandlung des Nadel- zu einem Laub- und Mischwald mit ihren offenen und halboffenen Landschaften bietet dem Rothirsch ein ideales Lebensumfeld.

Ein fast schon zu ideales Biotop. So geht die Forstwirtschaft davon aus, dass ein bis zwei Rothirsche auf zehn Hektar eine auskömmliche Existenz finden ohne die Waldbestände zu schädigen. Beim Rehwild entsprechen zehn bis zwölf Tiere dieser Regel. „In Stolberger Revieren sind die Bestände aber teilweise mehr als doppelt so groß“, registriert Preckel zunehmende Schäden in Schonungen und Kulturen durch Äsung und Gefege. „Trotz Schutzmaßnahmen bekommen wir schon keine Eichen mehr hoch“, erklärt der Forstrat. Der „Baum der Deutschen“ wird zunehmend ein Opfer von Verbiss und Schälen. Selbst Douglasien sind vor Reh und Hirsch nicht sicher, da die zerriebenen Nadeln so fruchtig-harzig nach Orangen duften. Und von den umfangreichen Schäden, die überproportional große Bestände von Wildschweinen auf den Stolberger Feldern anrichten, wissen Landwirte ebenso gut zu berichten wie Fußballer mit Waldstadien.

„Ohne Jagd können heute die Wildbestände im Wald nicht so reguliert werden, dass Tiere und Pflanzen sich gesund entwickeln können“, konstatiert Theo Preckel. Ob sich Wolf und Luchs vielleicht einmal über Eifel und Ardennen kommend in die intensiv als Naherholungsort genutzten Stolberger Wälder vorwagen, dürfte wohl mehr als eine Frage der Zeit sein.

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